Haskap – die neue Super-Beere?

Stand: 04. August 2026

Die Haskap-Beere stammt aus Sibirien und wird zunehmend auch in Deutschland angebaut. Vermarktet werden vor allem Produkte wie Saft, Aufstriche oder Pulver. Die Beere soll den Blutdruck senken und die Zellen schützen. In diesem Beitrag der Verbraucherzentralen erfahren Sie, was es damit auf sich hat

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Haskap-Beere ist reich an antioxidativ wirkenden Anthocyanen, Vitamin C und Mineralstoffen wie Eisen. Sie schmeckt wie eine Mischung aus verschiedenen Beerensorten.
  • Sie können sie frisch oder getrocknet, pur oder als Zutat nutzen.
  • Laut Werbung soll sie die Zellen und Gefäße sowie vor Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs schützen. Außerdem soll sie blutdrucksenkend und entzündungshemmend wirken. Diese Wirkungen sind jedoch nicht durch Studien belegt.
  • Einzelne Lebensmittel entfalten keine "Wunderwirkungen". Genauso "gesund" wie die teure Haskap-Beere sind heimische Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren.

Was steckt hinter der Werbung für die Haskap-Beere?

Die Haskap-Beere wird früh im Jahr reif und ist daher auch unter dem Namen „Maibeere“ bekannt. Sie wird als das neue "Superfood" gepriesen. Ihre Inhaltsstoffe sollen dank des "hohen antioxidativen Potenzials die Zellen vor oxidativem Stress schützen", wie er beispielsweise durch Rauchen, ungesunde Ernährung oder Alltagsstress entsteht. Außerdem sollen die Beeren eine "Extraportion" Vitamine und Mineralstoffe liefern und die Zellen stärken.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist die Haskap-Beere ähnlich gesund wie heimische Heidelbeeren, Himbeeren oder Brombeeren, die ebenfalls hohe Gehalte an sekundären Pflanzenstoffen wie Anthocyanen sowie Vitaminen und Mineralstoffen aufweisen. Die Gehalte dieser Stoffe können je nach Anbauregion, Klima und Sorte stark schwanken.

Die Vitamine A, C, E und die Anthocyane werden auch Antioxidantien genannt und können, über Lebensmittel aufgenommen, zwar Schutz vor oxidativem Stress bieten. Haskap-Beeren, auch Heckenkirsche oder Honigbeere genannt, sind jedoch keine Wunderbeeren und schützen als einzelnes Lebensmittel nicht vor Erkrankungen.

Eine angebliche „Regeneration, Verringerung von Müdigkeit und Erschöpfung“, eine „Senkung des Risikos für Bluthochdruck und Herzinfarkte“ und ähnliche beworbene Wirkungen für das vermeintliche „Lebenselixier“ sind nicht durch Studien belegt.

Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind zudem für alle Lebensmittel und somit auch für Haskap-Beeren verboten - auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Ob die Anthocyane aus den Beeren überhaupt für den Körper (bio-)verfügbar sind, ist unklar.

Was ist eine Haskap-Beere?

Der grüne Strauch mit dem botanischen Namen Lonicera caerulea zählt zur Familie der Geißblattgewächse und wird etwa 2 Meter hoch. Hierzulande ist er auch als Zierpflanze unter dem Namen "Blaue Heckenkirsche" oder "Honigbeere" bekannt. Es gibt unterschiedliche Sorten.

Vorsicht: Andere Varianten, wie die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), können giftig sein.

Die frostfesten Blüten erscheinen Mitte März, die Früchte werden bereits im Mai reif. Daher kommt auch der Name "Maibeere". Sie können bis Juli geerntet werden und verlängern damit die hiesige Beerensaison. Die Beeren sind länglich, etwa 1 bis 2 Zentimeter groß, dunkelblau und schmecken wie eine Mischung aus Heidelbeere, Brombeere und Himbeere – saftig, aber eher herb-süß. Sie können roh und verarbeitet verzehrt werden. 

Da sie in rohem Zustand relativ empfindlich sind, kommen eher verarbeitete Produkte auf den Markt, wie 

  • getrocknete Beeren, 
  • Pulver, 
  • Saft, 
  • Sirup, 
  • Senf, 
  • Fruchtaufstriche,
  • Süßigkeiten oder 
  • Liköre. 
  • Auch Gin soll sich damit herstellen lassen. 

Wer sie nicht gleich essen oder verarbeiten möchte, kann sie auch gut einfrieren.

Ursprünglich stammt die blaue Beere aus dem östlichen Russland, also aus Sibirien und der Halbinsel Kamtschatka. Von dort aus verbreitete sie sich zuerst nach Japan, China und später auch nach Kanada. In europäischen Regionen wird sie in Polen, Großbritannien und zunehmend in Österreich und der Schweiz kommerziell angebaut. Einzelne Anbauer sind auch in Süddeutschland zu finden, ansonsten ist die Frucht in Deutschland weitgehend unbekannt.

Die Preise für die frischen Beeren liegen bei bis zu 35 Euro (Bio-Anbau) pro Kilogramm.

Welche Inhaltsstoffe sind in Haskap-Beeren enthalten?

Die frischen Beeren liefern 33 Kilokalorien an Energie pro 100 Gramm. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Beeren kann zwischen 30 und 190 Milligramm pro 100 Gramm schwanken. Außerdem sind die Vitamine A und E sowie Eisen, Magnesium, Phosphor und Calcium enthalten.

Von der Region und den Wachstumsbedingungen ist abhängig, wie hoch die Gehalte an Anthocyanen und anderen phenolischen Verbindungen sind. Die Anthocyane sind auch für die intensiv-blaue Farbe verantwortlich.

Welche Alternativen zu Haskap-Beeren gibt es?

Wer regionale Lebensmittel bevorzugt, kann sich beispielsweise mit heimischen schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Jostabeeren oder Aronia(Apfel-)beeren Gutes tun. Neben viel Aroma bieten sie eine Fülle an Vitaminen wie Vitamin C und Folsäure und Mineralstoffen wie Kalium, Calcium, Magnesium. Hohe Anthocyangehalte sind ebenfalls in vielen blauen Früchten zu finden, des Weiteren Ballaststoffe.

In der Saison sind die heimischen Beeren meist kostengünstig im Hof-Verkauf oder auf Märkten zu bekommen.

Gemäß Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 dürfen die Haskap-Beeren seit dem 6. Januar 2019 als traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland bei uns auf den Markt gelangen. Dafür wurde der Nachweis erbracht, dass die Beeren von Lonicera caerulea in Japan eine Verwendungsgeschichte als "sicheres Lebensmittel" haben. Die Bezeichnung, die in der Zutatenliste des jeweiligen Lebensmittels anzugeben ist, lautet "Haskap-Beeren" (Lonicera caerulea).

Die Haskap-Beere wird als "johannisbeerenartiges Beerenobst" eingestuft, für das die gleichen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen wie für Johannisbeeren.

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