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Biokunststoffe

Stand:

Als Biokunststoffe bezeichnet man zum einen Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Weizen oder Zuckerrohr, zum anderen Kunststoffe, die als biologisch abbaubar im Sinne einer Kompostierbarkeit unter industrietechnischen Bedingungen gelten.

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Allerdings ist nicht jeder Kunststoff auf Basis eines nachwachsenden Rohstoffes kompostierbar. Umgekehrt sind nicht alle kompostierbaren Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen.  Der Anteil von Biokunststoffen liegt weiterhin unter 1 Prozent der weltweiten Kunststoffmärkte. Er wird in absehbarer Zeit auch kaum Größenordnungen von 2 bis 3 Prozent überschreiten, so das Ergebnis einer aktuellen Betrachtung des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) der Hochschule Hannover.

Beispiele für Biokunststoffe im Lebensmittelmarkt sind zum Beispiel Einweg-Getränkebecher aus Polylactid (auf Basis von Milchsäure). Ein internationaler Getränkekonzern  will bis 2020 seine  Flaschen aus PET auf die sogenannte PlantBottle umgestellt haben, die aus Zuckerrohr gewonnen wird. Biologisch abbaubar wird diese Flasche trotz ihres natürlichen Ausgangsmaterials aber nicht sein.  Auch für Obst und Gemüse sowie Backwaren sind Kunststoffe auf biologischer Grundlage geeignet, da diese wegen der Wasserdampfdurchlässigkeit des Materials länger frisch bleiben.

Hersteller verleihen ihren Produkten gerne ein umweltfreundliches Image, indem sie die Verpackung als "grün" oder "bio" bezeichnen. Ob ein Biokunststoff allerdings unter Nachhaltigkeitsaspekten besser zu bewerten ist als ein herkömmlicher Kunststoff, lässt sich nur im Einzelfall mit aussagekräftigen Ökobilanzen entscheiden.

Wertvoller Humus bildet sich beim Abbau eines Biokunststoffes nicht, er zerfällt bestenfalls zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser. Die für Biokunststoffe benötigten Pflanzen wachsen in Monokulturen, zudem werden Pestizide eingesetzt und der Flächenbedarf für die nachwachsenden Rohstoffe steht in Konkurrenz zu den Flächen für die Nahrungsmittelproduktion. Nicht zu vergessen ist, dass auch bei der Herstellung von Biokunststoffen eine Fülle von Zusatzstoffen zur Erzielung bestimmter Eigenschaften beigemischt wird.

Ebenso wie bei herkömmlichen Kunststoffen kann ein Übergang (Von der Verpackung ins Lebensmittel - Migration von Stoffen) dieser chemischen Zusätze oder ihrer Abbauprodukte in das Lebensmittel stattfinden. Derzeit können die gesundheitlichen Auswirkungen jedoch nicht verlässlich beurteilt werden.

Auch für das Sammeln des häuslichen Komposts sind Bio-Kunststoffbeutel nicht überall geeignet. Sie schaden vielfach der Qualität des Komposts und verursachen in den Anlagen mitunter höhere Kosten. Wenn allerdings die Kompostabfälle einer Kommune in einer Biovergärung landen, so stören sie nicht. Es sollten daher von den jeweiligen Abfallwirtschaftsbetrieben Informationen an die Bevölkerung gegeben werden. 

Fazit:
Biokunststoffe dürfen nicht zum sorglosen Umgang mit Verpackungsmüll verleiten. Die Verwendung von Mehrwegprodukten und der Verzicht auf verpackte Lebensmittel sind die bessere Alternative.