Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten: Was steckt drin?
Fertige Eintöpfe, Fertigmahlzeiten und Suppen sparen viel Zeit. Doch wie viel Hülsenfrucht steckt wirklich drin? Wie steht es um Protein, Ballaststoffe und Salz, und woher kommen die Zutaten? Das haben die Verbraucherzentralen bundesweit in einem Marktcheck bei 288 Produkten geprüft.

Das Wichtigste in Kürze:
- Der Hülsenfruchtanteil schwankt stark. Ein Blick in die Zutatenliste lohnt sich.
- Die meisten Fertiggerichte liefern relevante Mengen an Protein und Ballaststoffen, auch wenn die Verpackung nicht damit wirbt.
- Ein Kritikpunkt sind die hohen Salzgehalte: Eine Portion Eintopf deckt fast zwei Drittel der empfohlenen Tageshöchstmenge.
- Woher die Hülsenfrüchte stammen, bleibt meist unklar.
Was ist das Besondere an Hülsenfrüchten?
Hülsenfrüchte gehören zu den wertvollsten pflanzlichen Lebensmitteln. Sie liefern komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Vitamine sowie Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Zink. Sie sind also regelrechte Nährstoffpakete. Besonders interessant sind sie als pflanzliche Proteinlieferanten: Je nach Sorte liefern sie relevante Eiweißmengen. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung dürfen sie gerne häufiger auf den Teller kommen.
Das Angebot im Supermarkt ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Neben Eintöpfen und Suppen gibt es inzwischen Fertig-Bowls und Ready-Meals, die langes Einweichen und Kochen ersparen.
Doch stecken in diesen Produkten tatsächlich nennenswerte Mengen an Erbsen, Linsen und Bohnen? Wie sind die Nährwerte, und woher kommen die Zutaten? Das haben die Verbraucherzentralen im Frühjahr 2026 bundesweit bei 288 Produkten untersucht.
Anteil der Hülsenfrüchte schwankt stark
Am häufigsten enthalten waren Bohnen, Erbsen und Linsen, gefolgt von Kichererbsen und Sojabohnen. Die meisten Produkte, die Hülsenfrüchte auf der Verpackung abbilden oder in der Bezeichnung nennen, enthielten auch relevante Mengen davon.
Es gab aber in allen Produktgruppen Ausreißer mit nur Mini-Mengen,etwa einem Prozent, an Hülsenfrüchten. Einige Fertigmahlzeiten kamen dagegen auf bis zu 64 Prozent. Bei 17 Prozent der Produkte war der Anteil nicht genau angegeben. Wer Wert auf viele Hülsenfrüchte legt, sollte deshalb die Zutatenliste prüfen.
Auch die Abbildungen auf den Etiketten weckten Erwartungen an die Menge und Konsistenz. In Einzeltests kam manch stückig dargestelltes Gericht als breiige Masse aus der Dose, und mancher Eintopf war eher eine Suppe. Die meisten Abbildungen entsprachen jedoch dem Inhalt.
Protein: auch pflanzlich möglich
Die meisten Fertigmahlzeiten waren gute Proteinquellen. Dies gilt auch für vegane Rezepturen. Fleischhaltige Gerichte lagen im Schnitt allerdings höher. Die Proteine stammen je nach Rezeptur nicht nur aus Hülsenfrüchten, sondern auch aus Fleisch, Weizen, Milch oder Kartoffeln.
Bei 263, das entspricht 91 Prozent, wäre nach der Health Claims-Verordnung eine Proteinwerbung möglich gewesen:
- 117 Produkte hätten sich "Proteinquelle" nennen dürfen,
- 146 Produkte hätten als „proteinreich“ beworben werden können.
Nur bei 44 Produkten nutzten Hersteller die Möglichkeit, ihre Produkte so zu bewerben. Besonders überzeugten die Eintöpfe: Drei von vier waren „proteinreich, und die veganen Varianten lagen auf ähnlichem Niveau wie die fleischhaltigen.
Ballaststoffe: vor allem vegetarische und vegane Gerichte vorn
Die Angabe des Ballaststoffgehalts ist freiwillig.210 der 288 erfassten Produkte gaben ihn an. Davon erfüllten 103 die Anforderungen für eine "Ballaststoffquelle", weitere 22 sogar für "ballaststoffreich".
Letztere fanden sich aber nur bei den Fertigmahlzeiten, nicht bei Suppen und Eintöpfen. Viele Eintöpfe waren gute Ballaststoffquellen. Auch hier verzichteten die Hersteller häufig auf eine mögliche Bewerbung.
Vor allem vegetarische und vegane Produkte schnitten als gute Ballaststofflieferanten besser ab als fleischhaltige. Neben den Hülsenfrüchten tragen auch Gemüse, Getreideerzeugnisse und Kartoffeln zum Ballaststoffgehalt bei.
Nutri-Score im "grün-gelben"-Bereich, aber Salzgehalt beachten
Der Nutri-Score kann bei der Einordnung helfen. Die Hersteller von 124 Produkten bildeten ihn freiwillig ab. Für Produkte ohne Nutri-Score-Angabe berechneten die Verbraucherzentralen ihn selbst, sofern die nötigen Informationen vorlagen. So konnten insgesamt 221 Produkte beurteilt werden.
Gerichte mit "A" (32 Produkte) oder "B" (75 Produkte) hatten meist mehr Ballaststoffe und Protein, dafür weniger Salz und gesättigte Fettsäuren. Bei "C" (113 Produkte) war es tendenziell umgekehrt. Den Nutri-Score "D" trug nur ein Produkt, das Kokosmilch und somit viele gesättigte Fettsäuren enthielt.
Negativ fiel der hohe Salzgehalt auf: im Durchschnitt 0,9 Gramm pro 100 Gramm, bei Eintöpfen sogar 0,95 Gramm Salz pro 100 Gramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt maximal 6 Gramm Salz pro Tag. Eine Portion von 400 Gramm Eintopf schöpft davon schon fast zwei Drittel aus.
Tipp: Die Werte in der Nährstofftabelle beziehen sich auf 100 Gramm. Für die tatsächliche Portion müssen sie hochgerechnet werden.
Kaum freiwillige Angaben zur Herkunft der Hülsenfrüchte
Woher die Hülsenfrüchte stammen, erfährt man fast nie etwas. Die Angabe ist freiwillig und wird selten genutzt
- Ein Hersteller nannte die Herkunft direkt auf den Produkten, etwa "Zuckerschoten aus China" oder "Erbsen und Romanobohnen aus Deutschland".
- Zwei andere Hersteller boten sie über einen QR- und den Produktcode an.
Auf Bio-Lebensmitteln muss zwar der Ursprung der Zutaten angegeben werden, ein konkretes Land ist aber nicht vorgeschrieben. Es genügt "EU-" oder "Nicht-EU-Landwirtschaft" oder die noch weniger aussagekräftige Angabe "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft". Fast alle Bio-Hersteller der Stichprobe nutzten die Letztere. Weil sie praktisch die ganze Welt abdeckt, hilft sie Verbraucher:innen nicht weiter.
Die Verbraucherzentralen fragten deshalb bei den 62 betroffenen Unternehmen nach. Nur sechs antworteten. Demnach werden Hülsenfrüchte weltweit bezogen, abhängig von Preis, Qualität und Verfügbarkeit. Mehr als die Hälfte aus EU-Ländern, nur vereinzelt aus Deutschland. Zwar werden Hülsenfrüchte hierzulande angebaut, sie landen aber überwiegend im Tierfutter.
Fazit der Verbraucherzentralen:
Für die schnelle Küche sind Fertiggerichte mit Hülsenfrüchten oft eine gute Wahl, denn sie enthalten reichlich Protein und Ballaststoffe. Kritisch ist der hohe Salzgehalt: Nicht alle Produkte sind uneingeschränkt empfehlenswert. Man sollte sie nicht zu oft essen.


