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Inkontinenzhilfen auf Rezept: Wann die gesetzliche Krankenkasse zahlt

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Inkontinenz ist häufig mit Schamgefühlen besetzt. Oft warten Betroffene lange damit, geeignete Produkte zu nutzen, und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Aber: Inkontinenzmittel gehören zu den Hilfsmitteln und werden, bei bestimmten Voraussetzungen, von der Krankenkasse bezahlt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Inkontinenzhilfen sind als Hilfsmittel Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Um Inkontinenzhilfen auf Kosten der Krankenkassen zu erhalten, ist eine ärztliche Verordnung erforderlich.
  • Ihre Krankenkasse nennt Ihnen einen oder mehrere Vertragspartner, der die Versorgung mit Inkontinenzhilfen sicherstellen kann. Fachhändler sind zu persönlicher oder telefonischer Beratung verpflichtet.
  • Der gesetzlich vorgeschriebene Eigenanteil beträgt zehn Prozent des Erstattungsbetrages oder maximal zehn Euro pro Monat.
Eine Frau erklärt einer anderen eine Inkontinenzhilfe, die sie in der Hand hält.
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Es ist ein Tabu-Thema: Inkontinenz von Harn und/oder Stuhlgang. Dabei sind sehr viele Menschen davon betroffen. Wie erklären die Produkte, wie Sie sie bekommen und wann die Krankenkasse dafür zahlt.

Wie gängige Inkontinenzhilfen funktionieren

Bei Inkontinenz von Harn und/oder Stuhlgang gibt es Hilfsmittel, die von der Krankenkasse finanziert werden, so genannten Inkontinenzhilfen. Dabei handelt es sich unter anderem um aufsaugende Inkontinenzhilfen, die Urin aufsaugen und speichern oder flüssigen Stuhl auffangen.

Hierzu gehören:

  • Vorlagen, die in einer eng anliegenden Unterhose oder in einer sog. Netzhose zur Fixierung getragen werden können
  • wiederverschließbare Windelhosen mit Klett- oder Haftstreifen
  • Inkontinenzunterhosen, sog. "Pants", die wie normale Unterwäsche angezogen werden

Aufsaugende Inkontinenzprodukte sind mehrschichtig aufgebaut. Durch ein weiches Innenvlies und aufsaugende und geruchsbindende Materialien sollen sie Feuchtigkeit auf der Haut vermeiden und Gerüche binden. Sie sollen eine feuchtigkeitsdichte Abschlussschicht und eine atmungsaktive Außenschicht haben.

Für die Auswahl des richtigen Produkts sind Größe und Gewicht des Betroffenen sowie sein Körperbau und seine tägliche Trinkmenge entscheidend. Außerdem ist auch der Bauch- und Hüftumfang wichtig. Es sollte auch immer berücksichtigt werden, ob Hautprobleme bestehen.

Viele aufsaugenden Hilfsmittel sind für Frauen und Männer gleichermaßen geeignet. Es gibt aber auch spezielle Hilfsmittel.

Besonders wichtig für die Wahl des Produkts ist die Ausprägung der Inkontinenz. Inkontinenzprodukte sind in verschiedenen Größen und Saugstärken von leichter bis zu schwerster Inkontinenz erhältlich.

Gut angepasste Inkontinenzhilfen in adäquater Qualität ermöglichen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

Wie werden Inkontinenzhilfen beantragt?

Häufig ziehen sich von Inkontinenz betroffene Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, da sie sich unsicher fühlen. Ein geeignetes Inkontinenzprodukt kann dabei helfen, wieder gut geschützt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Gesetzlich Krankenversicherte haben Anspruch auf die Versorgung mit aufsaugenden Inkontinenzprodukten. Inkontinenzhilfsmittel sind als Produktgruppe 15 des Hilfsmittelverzeichnisses gelistet.

Um Inkontinenzhilfen auf Kosten der Krankenkassen zu erhalten, benötigen Sie zunächst eine ärztliche Verordnung.

  • Die Verordnung von Inkontinenzhilfen zu Lasten der Krankenkasse kommt dann in Betracht, wenn eine mindestens mittelgradige (Richtwert: mehr als 100ml in 4 Stunden) Harn- und/oder Stuhlinkontinenz vorliegt.
  • In der Verordnung sollten Diagnose, Bezeichnung des verordneten Artikels sowie die benötigte Menge bzw. der Versorgungszeitraum aufgeführt sein. Wichtig ist auch, dass in der Verordnung aufgeführt ist, aus welchem Grund das Hilfsmittel erforderlich ist. Beispielsweise kann hier erläutert werden, dass die Inkontinenzhilfe zur "Teilhabe am gesellschaftlichen Leben" erforderlich ist. Je genauer die Verordnung des Arztes ist, desto einfacher gestaltet sich der Weg zu der erforderlichen Inkontinenzhilfe.
  • Wenn Sie ständig Inkontinenzmaterial benötigen, ergibt es Sinn, sich eine Dauerverordnung vom Arzt ausstellen zu lassen. Die Dauerverordnung für Inkontinenzmaterial läuft in der Regel über mehrere Monate.
  • Gut zu wissen: Grundsätzlich existiert für Inkontinenzhilfsmittel monatlich eine Stückzahl-Begrenzung. Wer mehr Inkontinenzmaterial auf Rezept benötigt, kann beim behandelnden Arzt nachfragen. Ein Patient hat ein Anrecht auf mehr Material, wenn er den Mehrbedarf nachweisen kann. Eine entsprechende Bescheinigung des Arztes hilft bei der Anforderung.

Wie erfolgt die Versorgung?

Gesetzlich Krankenversicherte haben einen Anspruch auf eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung, die das Maß des Notwendigen nicht überschreitet. Das heißt, Sie haben einen gesetzlichen Anspruch auf individuell notwendige Inkontinenzprodukte in ausreichender Qualität und Menge. Wünschen Sie ein besonderes Produkt oder eine höhere Anzahl als notwendig, müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen.

Gesetzlich Krankenversicherte können die von ihnen benötigten Inkontinenzprodukte nur bei Leistungserbringern beziehen, mit denen ihre Krankenkasse einen Vertrag geschlossen hat. Leistungserbringer sind zum Beispiel Sanitätshäuser und Apotheken.

Nach Erhalt der ärztlichen Verordnung sollten Sie Kontakt mit Ihrer Krankenkasse aufnehmen. Von der Krankenkasse erhalten Sie Adressen von Sanitätshäusern oder Apotheken, die mit der jeweiligen Krankenkasse einen Versorgungsvertrag über die Lieferung von Inkontinenzmitteln abgeschlossen haben. Hat Ihre Krankenkasse nur einen Vertragspartner, können Sie auf Kosten der Krankenkasse nur bei diesem Exklusivpartner die Inkontinenzhilfen beziehen.

Achtung: Wer ein Inkontinenzprodukt von einem Sanitätshaus oder einem anderen Fachhändler bezieht, mit dem kein Vertrag mit seiner Kasse besteht, muss sämtliche Kosten, die über dem Preis liegen, der mit dem Vertragspartner der Krankenkasse vereinbart ist, selbst zahlen.

Das Sanitätshaus oder die Apotheke darf auf Rezept regulär nur Produkte aushändigen, die im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen enthalten sind oder die dem im Hilfsmittelverzeichnis festgelegten Standard entsprechen. Stehen mehrere Modelle zur Auswahl, können Sie die verschiedenen Varianten testen.

Als gesetzlich Versicherter haben Sie einen Anspruch auf Beratung, Anpassung und Einweisung gegenüber dem Unternehmen, das sie mit Inkontinenzprodukten versorgt. Der Fachhändler, z.B. das Sanitätshaus, ist verpflichtet, mit Ihnen das passende Produkt zu finden. Deshalb müssen die Vorlagen individuell ausgesucht und angepasst werden. Die Fachhändler sind verpflichtet, eine persönliche oder telefonische Beratung zur Ermittlung des individuellen Versorgungsbedarfs anzubieten. Außerdem müssen sie Ratsuchende auf die Kassenleistungen hinweisen. Wenn Kunden dies wünschen, müssen sie auch zu Hause beraten werden.

Außerdem haben Sie einen Anspruch auf Lieferung in neutralen Kartons. Die Liefermenge muss Ihren räumlichen Möglichkeiten entsprechen. Die Vertragspartner müssen grundsätzlich die vereinbarten Lieferfristen von 24 bis 72 Stunden einhalten. Außerdem muss eine Beratungshotline vorgehalten werden.

Gut zu wissen: Sollten die Produkte, die Ihnen im Rahmen der Regelversorgung zur Verfügung stehen, aus medizinischen Gründen nicht Ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen, sollten Sie mit Ihrer Krankenkasse sprechen, bevor Sie sich das gewünschte Produkt in Eigenleistung kaufen. Hilfreich kann in solchen Fällen auch ein Attest Ihres behandelnden Arztes sein. In begründeten Ausnahmefällen können Krankenkassen eine vom Regelbedarf abweichende Versorgung bewilligen.

Wünschen Sie jedoch ohne medizinische Notwendigkeit ein höherwertiges Inkontinenzprodukt oder möchten eine höhere Anzahl von Inkontinenzvorlagen beziehen, müssen Sie die Mehrkosten als Eigenleistung übernehmen.

Wer trägt die Kosten der Inkontinenzversorgung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Regelversorgung mit Inkontinenzhilfen. Sanitätshäuser und Apotheken rechnen dann direkt mit der Krankenkasse ab. Die Versorgung mit Inkontinenzhilfen und damit auch die Kosten werden in Verhandlungsverträgen, den sogenannten Beitrittsverträgen, geregelt.

Die gesetzlichen Kassen zahlen dann den jeweils mit Apotheken oder Sanitätshäusern vereinbarten Betrag. Grundlage der Abrechnung ist eine monatliche Pauschalvergütung. Diese monatliche Pauschalvergütung können Sie bei Ihrer Krankenkasse erfragen. Sie bewegt sich häufig zwischen 16 Euro bis 32 Euro.

Auf eigenen Wunsch kann der Versicherte eine höherwertige Versorgung mit Inkontinenzprodukten erhalten. Die Differenz zwischen Kassenerstattung und tatsächlichem Preis zahlen die Betroffenen aus eigener Tasche. Diese Aufzahlung ist nicht mit der gesetzlichen Zuzahlung zu verwechseln (siehe nächster Punkt).

Wie hoch ist die Zuzahlung?

Die Zuzahlung zu Hilfsmitteln ist gesetzlich geregelt. Es gibt eine besondere Regelung für "zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel". Dies sind Hilfsmittel, die nur einmal genutzt werden können. Hier ist die Zuzahlung nicht von Verpackungsgrößen oder ähnlichen Einheiten abhängig, sondern vom Monatsbedarf. Bei Inkontinenzhilfen handelt es sich um ein solches zum Verbrauch bestimmtes Hilfsmittel. Entsprechend dieser gesetzlichen Regelung müssen sich Patienten mit zehn Prozent oder maximal zehn Euro an den Kosten für den Erstattungsbetrag für den Monatsbedarf beteiligen.

Eine Ausnahme sind Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Diese müssen keine Zuzahlung leisten.

Hilfe bei Problemen

Kunden sollten sich bei Konflikten mit dem Lieferunternehmen unverzüglich an ihre zuständige Krankenkasse wenden. Diese muss dafür sorgen, dass die erforderliche Dienstleistung erbracht wird und ihre Versicherten die erforderlichen Hilfen kurzfristig sowie in richtiger Menge und Qualität erhalten.

Lässt sich die Situation nicht in Ihrem Sinne regeln, können Versicherte den Anbieter auch wechseln. Die meisten Kassen haben Verträge mit mehreren Händlern. Darauf müssen sie ihre Versicherten hinweisen.