Ausbildungs- und Studienstart: Diese Versicherungen brauchen junge Menschen (nicht)

Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät: Erst existenzielle Risiken absichern, dann über Extras nachdenken.

Pressemitteilung vom 22. Juli 2026

Mit dem Start in Ausbildung oder das Studium beginnt für viele junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt – und damit auch die Verantwortung für den eigenen Versicherungsschutz. Gleichzeitig werben Versicherungen, Banken und Finanzvertriebe gezielt um Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) empfiehlt, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und zunächst nur die wirklich wichtigen Versicherungen abzuschließen.

„Gerade zu Beginn der Ausbildung oder des Studiums, ist bei vielen das Geld noch knapp. Dann sollte es zuerst in Versicherungen fließen, die vor existenziellen finanziellen Risiken schützen. Viele andere Angebote können warten oder sind gar nicht notwendig“, sagt Michael Herte, Versicherungsexperte der VZSH. 

Diese Versicherungen sind besonders wichtig

An erster Stelle steht die Krankenversicherung. Für Auszubildende besteht Versicherungspflicht, Studierende können je nach persönlicher Situation noch über ihre Eltern familienversichert sein. Wer die Wahl zwischen verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen hat, sollte nicht nur auf die Beitragshöhe, sondern auch auf Service und Zusatzleistungen achten. 

Ebenso wichtig ist eine Privathaftpflichtversicherung. Wer anderen einen Schaden zufügt, haftet grundsätzlich mit seinem gesamten Vermögen. Viele junge Menschen sind während ihrer ersten Ausbildung oder ihres ersten Studiums noch über die Eltern mitversichert. Ob dieser Schutz tatsächlich besteht, sollte jedoch rechtzeitig geprüft werden. Ist das nicht der Fall, sollte eine eigene Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden.

Auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann bereits zu in jungen Jahren sinnvoll sein. Wer aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls auf Dauer nicht mehr arbeiten kann, erhält gerade in den ersten Berufsjahren oft nur eine unzureichende gesetzliche Absicherung. Es lohnt sich zu prüfen, ob ein Startertarif mit Nachversicherungsgarantie in Frage kommt, weil Alter und Gesundheitszustand die Beitragshöhe beeinflussen.

Finanzvertrieb will Geld verdienen

Zum Ausbildungs- oder Studienstart sprechen Finanzvertriebe junge Menschen gezielt mit kostenlosen Seminaren, Bewerbungstrainings oder Steuerworkshops an. Dabei wirkt oft das Prinzip der Gegenseitigkeit: Wer eine kostenlose Leistung erhält, fühlt sich eher verpflichtet, Vertrauen zu schenken oder langfristige Finanz- und Versicherungsverträge abzuschließen.  

„Wer zum Ausbildungs- oder Studienstart eine kostenlose Finanzberatung angeboten bekommt, sollte genau hinschauen. Seriöse Beratung setzt den Bedarf der Verbraucherinnen und Verbraucher in den Mittelpunkt – nicht den Verkauf möglichst vieler Verträge. Deshalb gilt: nichts unter Zeitdruck unterschreiben, Angebote vergleichen und im Zweifel zusätzlich unabhängigen Rat einholen“, so Herte.

Nicht jede Police lohnt sich

Manche Versicherungen sind nur in bestimmten Lebenssituationen sinnvoll. Eine Hausratversicherung lohnt sich häufig erst, wenn man tatsächlich wertvolle Gegenstände besitzt. Fahrrad, Laptop und Co. sollten hier nicht vergessen werden. Bei ihnen sollte geklärt werden, ob diese auch außerhalb der Wohnung mitversichert sind. Zusatzversicherungen oder Unfallversicherungen sind dagegen nicht für jede und jeden notwendig und sollten individuell geprüft werden.

„Viele junge Menschen werden gleich zu Beginn ihrer Ausbildung, ihres Studiums oder ihres ersten Jobs mit vermeintlichen Schnäppchen oder Komplettpaketen angesprochen. Wer versteht, welche Risiken tatsächlich abgesichert werden müssen, spart oft viel Geld“, so der Finanz- und Versicherungsexperte der VZSH.

Erst informieren, dann unterschreiben

Die VZSH empfiehlt, Versicherungsverträge niemals direkt im Beratungsgespräch oder unter Zeitdruck abzuschließen. Ein unabhängiger Vergleich der Leistungen und Bedingungen hilft dabei, passende Angebote zu finden und unnötige Kosten zu vermeiden.

Weitere Informationen rund um Versicherungen, den Start in die Ausbildung, das Studium oder den Beruf bietet die VZSH unter www.verbraucherzentrale.sh sowie in ihren Beratungsstellen

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