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Pflegende Angehörige: Unterstützung durch Beratung und Anleitung

Stand:
Für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich zur Pflege beraten zu lassen. Sie haben das Recht auf kostenlose, umfassende und unabhängige Pflegeberatung. Die Verbraucherzentralen bieten Erläuterungen zu Angeboten und geben Tipps, worauf Sie achten sollten.
älterer Mensch hält einen Ball

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es gibt eine große Bandbreite an kostenlosen Beratungs-, Schulungs- und Anleitungsangeboten.
  • Erfahren Sie hier, was Ihnen an Beratung und Anleitung in Sachen Pflege zusteht.
  • Lassen Sie sich darin unterstützen, ein gutes Netzwerk für Ihre individuelle Pflegesituation aufzubauen, um Belastungen so gering wie möglich zu halten.
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Wer hat Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung – und wie funktioniert sie?

Beratung zur Pflegesituation durch eine neutrale Person ist eine eigentlich unverzichtbare Unterstützung. Sobald Sie einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt haben, oder diese Leistungen schon nutzen, haben Sie das Recht auf kostenlose, umfassende und unabhängige Pflegeberatung.

Ihre Pflegekasse erinnert Sie an dieses Recht:

  • nach Ihrem ersten Antrag innerhalb von zwei Wochen sowie
  • bei jedem weiteren Antrag, zum Beispiel für Pflegehilfsmittel oder einen Zuschuss für Umbaumaßnahmen. 

Die Beratung ist für Sie kostenlos und freiwillig. Sie können sie entweder bei Ihrer Pflegekasse in Anspruch nehmen oder bei einer unabhängigen Beratungsstelle, zum Beispiel einem Pflegestützpunkt.

Auch pflegende Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen haben Anspruch auf Pflegeberatung, vorausgesetzt, die pflegebedürftige Person stimmt zu. Die Beratung findet normalerweise in der eigenen Wohnung statt.

Tipp: Nutzen Sie das Beratungsangebot so früh wie möglich, um die Pflege von Anfang an gut zu organisieren. Scheuen Sie sich nicht, immer wieder nachzufragen, zum Beispiel, wenn sich die Pflegesituation verändert, mehr Unterstützung nötig wird oder Sie selbst an Ihre Grenzen stoßen.

Wer führt Pflegeberatung durch?

Wenn Sie eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen wollen, gibt es für Sie unterschiedliche Anlaufstellen: 

  • Immer bei Ihrer Pflegekasse, denn die sind zur kostenlosen Beratung verpflichtet.
  • Pflegestützpunkte,
  • kommunale Beratungsstellen und
  • Beratungsangebote der kirchlichen Anbieter und Wohlfahrtsverbände.

Pflegeberater:innen ermitteln den individuellen Hilfebedarf und beraten umfassend über mögliche Leistungen. Bei Bedarf stellen sie gemeinsam mit den Betroffenen einen Versorgungsplan auf und machen auch Hausbesuche. Sie haben ein Ohr für die Sorgen und Nöte der Pflegebedürftigen und der Angehörigen und haben auch Entlastungsangebote für die pflegenden Angehörigen im Blick.

Durch die Datenbank des ZQP (Zentrum für Qualität in der Pflege) können Sie ein Beratungsangebot in Ihrer Nähe finden.

Pflicht-Beratungsbesuche im eigenen Zuhause – was bedeutet das?

Wer ausschließlich Pflegegeld bezieht, also keinen Pflegedienst nutzt, muss regelmäßige Beratungsbesuche durch eine Fachkraft nachweisen. Solche Besuche  werden manchmal auch "Beratungseinsätze" genannt.

Wie oft ein Besuch stattfinden muss, hängt vom Pflegegrad ab:

  • Pflegegrade 2 bis 5: alle sechs Monate stattfinden.
  • Pflegegrade 4 und 5: weiterhin alle drei Monate, falls Sie häufigere Unterstützung möchten.

Die Regelung gilt seit dem 1. Januar 2026 auch für die Pflegegrade 4 und 5. 

Die Kosten für diese Besuche übernimmt die Pflegekasse. An den halb- oder vierteljährlichen Beratungseinsatz müssen selbst denken und frühzeitig einen Termin vereinbaren. Nutzen Sie die Beratung nicht, wird das Pflegegeld gekürzt, im Wiederholungsfall wird die Zahlung eingestellt.

Pflegebedürftige Menschen mit Pflegegrad 1 und Pflegebedürftige, die körperbezogene Pflegemaßnahmen durch einen Pflegedienst beziehen, können den Beratungsbesuch freiwillig halbjährlich abrufen.

Was passiert bei einem Beratungsbesuch?

Der Beratungsbesuch im eigenen Zuhause soll die Qualität der Pflege zu Hause sichern. Er beinhaltet pflegefachliche Informationen oder Anleitungen, aber auch Rat zu Hilfestellungen und Entlastungsmöglichkeiten für die Pflegenden. Die Themenschwerpunkte werden dem Bedarf der Pflegebedürftigen und der Pflegenden angepasst.

Auf Wunsch der pflegebedürftigen Person kann in einem Modellversuch bis einschließlich 31. März 2027 jede zweite Beratung als Videokonferenz erfolgen.

Wer führt Beratungsbesuche durch?

  • zugelassene Pflegedienste
  • neutrale und unabhängige Beratungsstellen mit pflegefachlicher Kompetenz, und anerkannt von den Landesverbänden der Pflegekassen
  • Pflegefachkräfte, die von der Pflegekasse beauftragt wurden, aber nicht bei dieser beschäftigt sind
  • Pflegeberater der Pflegekassen
  • Beratungspersonen der Kommunen mit der erforderlichen pflegefachlichen Kompetenz

Tipp: Nutzen Sie als pflegebedürftige Person und auch als pflegender Angehöriger diese Beratungseinsätze, um sich individuell beraten zu lassen und hilfreiche Tipps und Informationen zu erhalten.

Sollte ich eine Wohnberatung nutzen?

Ja, das lohnt sich auf jeden Fall. Dort erfahren Sie, worauf Sie achten müssen, damit Ihre Wohnung sicherer wird, besonders im Hinblick auf eine mögliche Sturzgefahr oder das Zusammenleben von Menschen mit Demenz. Hier sind oft schon kleine Veränderungen hilfreich. Darüber hinaus gibt es Informationen zum barrierefreien Umbauen oder Wohnen.

Wohnberatungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter den folgenden Links:

Ansonsten kennt Ihre Pflegeberatungsstelle vor Ort auch die richtigen Ansprechpartner.

Müssen ehrenamtlich Pflegende und pflegende Angehörige Kurse besuchen?

Die Pflegekassen sind verpflichtet, Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen anzubieten. Hier erhalten Sie fachliches und praktisches Know-how. Sie erfahren Sie in kleinen Gruppen, wie Sie zum Beispiel mit körperlichen und seelischen Belastungen der Pflege umgehen können und Sie können sich mit anderen Betroffenen austauschen. Gerade der Austausch mit anderen Betroffenen ist für viele sehr hilfreich. 

Es gibt auch themenbezogene Pflegekurse, etwa für die Pflege von Menschen mit Demenz, mit Multipler Sklerose oder mit Schlaganfall.

Darüber hinaus erhalten Sie Informationen rund um die Pflegeversicherung und das Angebot vor Ort. Die Pflegekassen bieten die Pflegekurse meist in Kooperation mit Wohlfahrtsverbänden oder ambulanten Pflegediensten an. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Pflegekasse, welche Angebote es vor Ort gibt.

Kann ich auch eine Schulung im eigenen Zuhause bekommen?

Ja, auch das geht. Hier können bestimmte Themen direkt beraten und geschult werden, damit die Pflege für Sie einfacher ist. Inhalte können zum Beispiel sein:

  • Vorbeugung von Stürzen, aber auch
  • Umgang mit Inkontinenz,
  • Pflege bei Demenz oder auch
  • die spezielle Pflege bei bestimmten Erkrankungen.

Das Angebot wird durch die Pflegekassen finanziert. Erfahrene Pflegefachkräfte und Pflegeberater, die sich weiter qualifiziert haben, um zu beraten und zu schulen.

Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums

Wenn Sie Fragen zum Thema Pflege haben oder sich erschöpft und überlastet von der Pflege fühlen, können Sie das Angebot des Pflegetelefons nutzen. Sie erhalten anonym und vertraulich Unterstützung oder konkrete Hilfestellung für Ihre persönliche Situation oder werden zu Angeboten in Ihrer Umgebung gelotst.

Unter der Telefonnummer 030 201 79 131 
von Montag bis Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr 
und per Mail: info@wege-zur-pflege.de

Wenn ein naher Angehöriger pflegebedürftig wird, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, dies mit Ihrem Vollzeitjob zu vereinbaren. Sie können für eine gewisse Zeit kürzertreten oder auch ganz zuhause bleiben, um die Pflege zu organisieren. Welche gesetzlichen Regelungen es gibt und welche Optionen für Sie in Frage kommen, erfahren Sie in unserem Ratgeber "Pflege zu Hause – Was Angehörige wissen müssen".

Ratgeber-Tipps

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Der aktualisierte Ratgeber „Das Pflegegutachten“ der Verbraucherzentrale hilft, sich gut auf den wichtigen Termin mit…
Pflege zu Hause
Angehörige sind der größte Pflegedienst! Denn rund 2,6 Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause gepflegt, Tendenz…