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Welche Vorteile und welche Nachteile haben ETFs?

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Transparenz, Sicherheit, Risikostreuung - ETFs bieten eine Vielzahl von Vorteilen gegenüber anderen Anlageformen, haben aber auch Nachteile. Wir stellen die wichtigsten vor.

Altmodische Schreibmaschine, in die ein Blatt Papier eingespannt ist mit den Worten Exchange Traded Fund
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Ob man sie mit aktiv gemanagten Investmentfonds oder mit Zertifikaten vergleicht - die Geldanlage mit Hilfe von exchange-traded funds (ETFs) bietet Privatanlegern eine Reihe Vorteile. Aber keine Produktklasse ist ohne Nachteile - auch ETFs nicht.

Was ist ein ETF?

ETF steht für "exchange-traded fund". Übersetzt heißt das: börsengehandelter Fonds. Damit sind schon zwei wichtige Eigenschaften eines ETF genannt. Die Abkürzung steht für einen Investmentfonds, der über die Börse gehandelt wird. Das ist ein grundlegender Unterschied zu herkömmlichen Investmentfonds. Die kaufen Anleger nämlich in der Regel direkt von der Fondsgesellschaft - vermittelt durch eine Bank. Ebenso entscheidend ist, dass ETFs in der Regel keine aktive Wertpapierauswahl betreiben. Sie beschränken sich einfach darauf, die Entwicklung eines Börsenindex' abzubilden. Das kann ein Aktienindex wie der DAX oder der MSCI World sein, aber auch ein Renten-Index wie der REX, der die Kursentwicklung deutscher Staatsanleihen abbildet. Für Anleger bedeutet das: Ihr ETF-Anteil entwickelt sich immer genauso wie der Index, den er abbildet. Abzüglich der Kosten, versteht sich, die bei Indexfonds in Form von Transaktionskosten und Verwahrungsgebühren entstehen.

Wichtige Vorteile von ETF

Geringe Kosten

Der größte Vorteil von ETFs gegenüber aktiv gemanagten Investmentfonds ist zugleich der wichtigste: ETFs kosten einfach weniger. Die Verwaltungsgebühren für aktiv gemanagte Aktienfonds betragen in der Regel 1,5 bis 2 Prozent des Fondsvermögens. Die Gebühren für ETFs liegen dagegen meist zwischen 0 und 0,8 Prozent des Fondsvermögens.

Hinzu kommt: Für viele aktiv gemanagte Fonds verlangen Banken von Anlegern einen Ausgabeaufschlag. Der wird beim Kauf des Fonds fällig und kann fünf Prozent der Anlagesumme oder noch mehr betragen. Bei ETFs gibt es solche Ausgabeaufschläge bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht. Das ist auch ein Unterschied zu herkömmlichen, nicht börsengehandelten Indexfonds: Beim Kauf von ETFs werden nur die üblichen Transaktionskosten an der Börse fällig. Diese betragen bei einer günstigen depotführenden Bank oft weniger als 10 Euro pro Order.

Ein weiterer Vorteil: Aktiv gemanagte Fonds kaufen und verkaufen ständig Wertpapiere. Und wie andere Anleger auch müssen die Fondsgesellschaften dafür Börsengebühren zahlen. Das schmälert ebenfalls die Rendite der Anleger - zusätzlich zu den Gebühren. ETFs dagegen bilden nur passiv einen Index ab und handeln folglich viel seltener mit Wertpapieren.

Die geringen Kosten wirken sich direkt auf die Portemonnaies der Anleger aus: Nur wenige aktiv gemanagte Investmentfonds entwickeln sich langfristig besser als die günstigen ETFs.

Das heißt: Dass aktiv gemanagte Fonds für Anleger überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften können, ist nur ein scheinbarer Vorteil. Die meisten Fonds können dieses Versprechen nämlich nicht halten.

Liquidität

ETFs lassen sich schneller verkaufen als herkömmliche Investmentfonds - also leichter zu Bargeld machen. Denn: ETFs werden über die Börse gehandelt - und zwar ständig. Herkömmliche Investmentfonds geben Sie beim Verkauf dagegen in der Regel an die Fondsgesellschaft zurück. Bis zur Gutschrift des Verkaufserlöses auf Ihrem Konto können oft einige Tage vergehen.

Sicherheit

Sicherheit bei ETFs - das heißt nicht, dass es keine Kursschwankungen gibt. Es heißt aber: ETFs genießen genau wie herkömmliche Investmentfonds den Rechtsstatus eines Sondervermögens. Das bedeutet: Ihre Anteile werden getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft aufbewahrt. Und falls eine Fondsgesellschaft einmal zahlungsunfähig werden sollte, sind Ihre ETF-Anteile nicht davon betroffen. Anders ist das zum Beispiel bei Indexzertifikaten oder den so genannten ETCs (exchange-traded commodities), die die Wertentwicklung von Rohstoffen nachvollziehen. Diese sind rechtlich Schuldverschreibungen der Herausgeber (Emittenten) - und damit bei einer Pleite nicht geschützt.

Transparenz

Welche Wertpapiere an einem bestimmten Tag in einem Investmentfonds enthalten sind, wissen Anleger in der Regel nicht - die Fondsgesellschaften veröffentlichen diese Informationen meist nur stichtagsbezogen und mit einiger Verzögerung. Die Wertentwicklung und die zugrunde liegenden Wertpapiere eines bestimmten Börsenindex lassen sich dagegen leicht nachvollziehen - durch den Blick in die Tageszeitung oder ein Internetportal.

Risikostreuung

Auch aktiv verwaltete Fonds sind rechtlich verpflichtet, das Anlagerisiko zu vermindern, indem sie in relativ viele verschiedene Wertpapiere investieren. Bei ETFs allerdings ist die Risikostreuung noch stärker. Ein ETF auf den Euro Stoxx 50 bildet eben tatsächlich die Entwicklung aller 50 enthaltenen Aktien ab, ein ETF auf den amerikanischen Index S&P 500 die Entwicklung von 500 Aktien. Und wer einen MSCI-World-ETF kauft, bekommt die Wertentwicklung von mehr als 1.500 Aktien aus der ganzen Welt.

Im Vergleich mit Einzelaktien schneiden ETFs in puncto Risikostreuung noch besser ab. Wer mit dem Kauf einzelner Aktien sein Risiko angemessen streuen will, benötigt mindestens 50 verschiedene Werte aus unterschiedlichen Regionen und Branchen. Ohne viel Geld (und Wissen) ist das kaum machbar. ETFs bieten eine einfache und günstige Alternative.

Auch für kleine Vermögen

Aufgrund der breiten Risikostreuung eignen sich ETFs für kleinere Vermögen. Wer möchte, kann sich ein komplettes Depot aus nur drei ETFs bauen - und damit neben den Aktienmärkten der gesamten Welt auch die Anlageklasse Anleihen abdecken.

Hinzu kommt, dass zumindest Direktbanken mittlerweile auch Fondssparpläne mit ETFs anbieten. Diese ermöglichen es Anlegern, auch dann in ETFs zu investieren, wenn sie nur 25 Euro im Monat ansparen wollen.

Wichtige Nachteile von ETF

Anleger sollten dennoch genau hinschauen, bevor sie einen ETF kaufen. Denn auch bei diesen in der Regel kostengünstigen Produkten ist nicht alles so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Kontrahentenrisiko von Swap ETFs

Durch den Abschluss einer Swap-Vereinbarung entsteht ein so genanntes Kontrahentenrisiko: Der ETF ist davon abhängig, dass der Swap-Partner (der Kontrahent) seinen Verpflichtungen auch nachkommt. Sollte die Bank aber in die Insolvenz rutschen, bleibt der ETF auf eventuell bestehenden Forderungen aus dem Swap-Vertrag sitzen - und das Geld der Anleger ist weg. Denn: Der Swap ist nicht Teil des Sondervermögens.

Die Auswirkungen des Kontrahentenrisikos sind allerdings durch die europäischen Vorschriften zur Regulierung von Investmentfonds (OGAW) begrenzt: Der Wert der Swaps darf höchstens zehn Prozent des Fondsvermögens betragen. ETF-Anbieter betonen zudem immer wieder, dass der tatsächliche Swap-Wert normalerweise deutlich unter dieser Zehn-Prozent-Grenze liegt.

Zusätzlich treffen die verschiedenen ETF-Anbieter Vorkehrungen, um das Kontrahentenrisiko zu mindern. So werden die Swap-Partner zum Teil dazu verpflichtet, Sicherheiten für ihre Verpflichtungen zu hinterlegen, die über den tatsächlichen Wert des Swaps hinausgehen. Diese Besicherungs-Verpflichtungen sind aber in aller Regel nicht in den Verkaufsprospekten verankert. Anleger sollten sich daher nicht komplett auf diese Versprechungen verlassen.

Einige Anbieter setzen statt auf Besicherungen der Swap-Vereinbarungen lieber auf Verträge mit verschiedenen Banken, um das Risiko des Ausfalls eines einzelnen Vertragspartners zu begrenzen. Den Nutzen dieser so genannten Multi-Kontrahenten-Strukturen für Anleger zu beziffern, ist nur schwer möglich.

Kosten bei Swap ETFs

Ein weiteres Problem: Anleger können die Gebühren für die Swaps nicht nachvollziehen. Denn Swaps werden nicht an Börsen gehandelt, sondern frei zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt. Da die ETF-Anbieter oft Teil von riesigen Bankkonzernen sind und die Swap-Verträge mit ihren Mutterhäusern abschließen, besteht die Gefahr, dass die Anleger dabei durch überhöhte Gebühren geschädigt werden.

Die Anbieter stellen statt dieser Probleme allerdings lieber die angeblichen Vorteile von Swap-ETFs in den Vordergrund: die unkomplizierte Abbildung komplizierter Indizes und die Kostenersparnis - auch für Anleger.

Tatsächlich müssen die genannten Risiken und Probleme nicht gegen den Kauf von Swap-ETFs sprechen. Nur sollte jeder wissen, worauf er sich mit dem Kauf eines synthetisch replizierenden ETF einlässt.

Kosten und Risiken von physisch replizierenden ETFs

Auch ETFs, die physisch replizieren, also die in einem Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich auch im Fondsvermögen halten, haben so ihre Tücken. Praktisch alle Gesellschaften behalten sich nämlich die Möglichkeit vor, die Wertpapiere im Besitz des Fonds zu verleihen. Die Leihenden können zum Beispiel Spekulanten sein, die auf den Absturz einer bestimmten Aktie setzen und diese deshalb leer verkaufen wollen.

Um diese Aktie vom ETF leihen zu können, müssen sie eine Gebühr an den Fonds zahlen. Durch die Wertpapierleihe entstehen also Zusatzeinnahmen für die Anleger. Das ist zunächst einmal positiv - schließlich verbessert sich dadurch die Rendite ihres Investments.

Allerdings gibt es dabei auch Probleme. Zum einen gibt es höhere Renditen nicht ohne ein höheres Risiko. Und so stellt auch die Leihgebühr letztlich eine Entschädigung für das Risiko dar, das der ETF eingeht, indem er die Wertpapiere aus der Hand gibt. Denn: Sollte der Ausleihende zahlungsunfähig werden, erhält der ETF die Papiere womöglich nicht zurück. Die ETF-Anbieter versuchen, sich dagegen abzusichern, indem sie Wertpapiere nur gegen Sicherheiten verleihen. Ein hundertprozentiger Schutz lässt sich aber auch dadurch nicht gewährleisten.

Das womöglich noch größere Problem ist aber: Die Anleger müssen zwar das volle Risiko der Wertpapierleihgeschäfte tragen - von den Erträgen erhalten sie aber nur einen Teil. Die ETF-Anbieter räumen sich in den Verkaufsprospekten normalerweise das Recht ein, 50 Prozent der Erträge aus Leihgeschäften für sich zu behalten.

Fazit

ETFs sind gegenüber aktiv gemanagten Fonds eine interessante Alternative, haben aber gewisse Tücken, die man kennen muss.

Auch wenn ETFs gegenüber aktiv gemanagten Fonds viele Vorteile haben, müssen Verbraucher:innen vor der Entscheidung zum Kauf auch die oben dargestellten Nachteile in die Überlegungen mit einfließen lassen. Aber trotz dieser Schwächen schneiden ETFs im direkten Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds gut ab - und relativ transparent. Und die Nachteile der ETFs treffen zum Teil auch auf aktiv gemanagte Fonds zu - denn auch diese verwenden beispielsweise Derivate oder tätigen Wertpapiergeschäfte.