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So widerrufen Sie einen neu geschlossenen Gas- oder Stromvertrag

Stand:

Haben Sie gerade einen Strom- oder Gasvertrag geschlossen und wollen sich doch noch umentscheiden? Ein Widerrufsrecht haben Sie zum Beispiel, wenn der Vertrag online oder an der Haustür zustande kam.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Sie Ihren Strom- oder Gasvertrag außerhalb geschlossener Geschäftsräume oder im Fernabsatz abgeschlossen haben, haben Sie ein 14-tägiges Widerrufsrecht.
  • Die Frist beginnt erst, wenn Sie eine korrekte Belehrung – in der Regel in Textform – über Ihr Widerrufsrecht erhalten haben.
  • Nach einem wirksamen Widerruf kann der Anbieter keine Zahlungen mehr verlangen. Kündigen Sie bestehende Daueraufträge und widerrufen Sie Einzugsermächtigungen.
In Vertragsunterlagen ist das Wort "Widerrufsrecht" gelb markiert.
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Was ist ein Widerruf?

Bei Strom- und Gaslieferverträgen, die Sie als Verbraucher im Fernabsatz (z. B. per Brief oder E-Mail oder im Internet) oder außerhalb geschlossener Geschäftsräume (z. B. beim Vertreterbesuch in Ihrer Wohnung oder am Werbestand in der Fußgängerzone) abschließen, haben Sie ein gesetzliches Widerrufsrecht.

Machen Sie von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch, sind Sie nicht mehr an Ihre Vertragserklärung gebunden und der Vertrag ist nicht mehr wirksam.

Widerrufsfrist

Die Frist zur Erklärung des Widerrufs beträgt 14 Tage und beginnt grundsätzlich mit Vertragsschluss (§ 356 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Wann der Vertrag geschlossen ist, ist unterschiedlich:

  1. Wenn Sie den Vertrag über das Internet schließen, geben Sie durch den "Jetzt kaufen"- Button nur ein Angebot ab. Das Angebot muss der Versorger dann annehmen, sonst besteht noch kein Vertrag. Die "Bestellbestätigung" gilt in der Regel noch nicht als Annahme des Angebots. Erst wenn Sie eine Auftragsbestätigung erhalten, oftmals ein "Begrüßungsschreiben", ist der Vertrag zustande gekommen.

    Die Widerrufsfrist läuft aber unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem der Vertrag geschlossen wird, erst mit ordnungsgemäßer Belehrung über Ihr Widerrufsrecht. Ab dem Tag, an dem diese Belehrung bei Ihnen eingeht, haben Sie 14 Tage Zeit, Ihren Widerruf abzusenden. In der Regel erhalten Sie die Belehrung über das Widerrufsrecht gleichzeitig mit dem Begrüßungsschreiben beziehungsweise der Auftragsbestätigung.
  2. Wenn Sie am Telefon "ja" zu einem Vertrag sagen, ist auch das bei den meisten Anbietern zunächst nur ihr Angebot, das der Energieversorger noch annehmen muss. Die Annahme geschieht bei den meisten Energieversorgern mit einer gesonderten Mitteilung. Sie erhalten ein (Begrüßungs-) Schreiben, worin ihr Auftrag bestätigt und der Belieferungsbeginn mitgeteilt wird.

    Wenn mit diesem Schreiben auch ordnungsgemäß über das Recht zum Widerruf belehrt wird, beginnt mit dem Erhalt des Schreibens auch die 14-Tage-Frist für Ihren Widerruf.

Voraussetzung ist also immer, dass der Anbieter Sie ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht informiert hat. Verwendet der Anbieter dazu die gesetzliche Muster-Widerrufsbelehrung und übermittelt Ihnen diese per Post, Fax oder E-Mail, können Sie davon ausgehen, dass die Belehrung in Ordnung ist.

Werden Sie hingegen nicht ordnungsgemäß belehrt, z. B. nicht deutlich oder gar nicht, so haben Sie ab Vertragsschluss ein Jahr und 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen (§ 356 Abs. 3 S. 2 BGB).

So erklären Sie den Widerruf

Die Erklärung des Widerrufs ist zwar nicht an eine bestimmte Form gebunden, so dass Sie theoretisch sogar telefonisch widerrufen könnten. Aus Beweisgründen sollten Sie aber den Widerruf stets nachweisbar erklären, zum Beispiel per Einschreiben. Sie können dazu das Widerrufsformular verwenden, das Ihnen der Energielieferant zur Verfügung stellt. Wir haben dafür einen Musterbrief erstellt, den Sie ebenfalls kostenlos verwenden können.

Widerrufen – und dann?

Widerrufen Sie einen Energieliefervertrag vor Lieferbeginn, hat sich der Vertrag dadurch für Sie vollständig erledigt. Haben Sie bis zum Widerruf bereits Strom bzw. Gas bekommen, müssen Sie für die erhaltenen Leistungen bezahlen.

Das gilt allerdings nur, wenn Sie vom Lieferanten ausdrücklich verlangt haben, dass er mit der Lieferung schon innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist beginnen soll und Sie auch über Ihr Widerrufsrecht und diese Rechtsfolgen informiert wurden (§ 357 Abs. 8 BGB).

Die Erklärung darf nicht in den AGB des Energieversorgers versteckt sein. Beim Online-Vertragsabschluss erklären Sie Ihr Einverständnis zum vorzeitigen Lieferbeginn häufig durch Ankreuzen eines Kästchens.

Was tun, wenn der Anbieter trotz Widerruf weiter Zahlung verlangt?

Wenn Sie wirksam, also fristgerecht bei dem richtigen Adressaten, widerrufen haben, besteht der Vertrag nicht mehr. Der Energieanbieter kann keine Zahlung mehr von Ihnen verlangen. Einzugsermächtigungen sollten sie widerrufen und Daueraufträge kündigen.

Lässt der Energieanbieter nicht locker, fordern Sie ihn auf, den Widerruf zu akzeptieren. Sie können sich auch rechtlich von der Verbraucherzentrale oder bei einem Rechtsanwalt beraten lassen. Auch eine Anrufung der Schlichtungsstelle Energie kommt in solchen Fällen in Betracht.