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„Alkoholfreie Spirituosen“ und Mocktails – Genuss ohne Alkohol?

Pressemitteilung vom
Ob Schwangerschaft, gesunder Lebensstil, religiöses oder Lifestyle-Fasten – der Verzicht auf Alkohol hat verschiedene Gründe und liegt im Trend: In Deutschland sinkt der Alkoholkonsum, besonders unter jungen Erwachsenen. Gleichzeitig wächst der Markt für alkoholfreie Alternativen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) hat das zum Anlass genommen, das aktuelle Angebot an alkoholfreien Ersatzprodukte erneut unter die Lupe zu nehmen.
Blick von oben auf verschieden Schnapssorten in Gläsern auf einem Tisch.
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Preise und Vielfalt alkoholfreier Alternativen – was hat sich getan?

Bereits im Jahr 2024 hat die VZSH in einem Marktcheck 20 alkoholfreie Ersatzprodukte unter die Lupe genommen. Grundlage für den Re-Check sind 38 Produktalternativen zu Spirituosen wie Gin, Rum, Aperitif, Likör und weitere alkoholische Klassiker.

Im Jahr 2024 zeigte sich bereits, dass alkoholfreie Varianten nicht zwangsläufig günstiger sind als die Originalprodukte, obwohl sie keinen Alkohol enthalten. Zwei Jahre nach dem ersten Check kann die VZSH keine nennenswerte Preisentwicklung bei den alkoholfreien Alternativen feststellen. Die Preise dieser Produkte sind im Zeitraum zwischen den beiden Markterhebungen kaum gesunken. Zwar sind Alternativen zu Gin im Schnitt um knapp vier Prozent günstiger geworden, in den übrigen Kategorien blieben die Preise jedoch vergleichbar hoch oder verteuerten sich sogar, wie beispielsweise bei den Rum-Alternativen (+12 Prozent).

Gewöhnung, Farbstoffe, Zucker – alkoholfrei, aber nicht unproblematisch

„Im Rahmen unserer Untersuchung haben wir erneut festgestellt: Alkoholfrei ist nicht gleich unproblematisch und erst recht nicht gesund“, so Kristina Rerich, Ernährungsexpertin bei der VZSH. Sieben der 38 untersuchten Produkte sind mit einer Alterskennzeichnung „18+“ versehen, 31 Produkte wiesen keine Alterseinschränkung auf. Die Getränke könnten in den meisten Fällen von Minderjährigen erworben werden. „Wegen einer möglichen Geschmacksprägung ist vom Konsum alkoholfreier Spirituosen durch Kinder und Jugendliche abzuraten“, sagt Rerich.

Auch verwendete Farbstoffe können problematisch sein: Azofarbstoffe stehen im Verdacht, zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen zu führen. Lebensmittel mit Azofarbstoffen wie Gelborange S (E 110) müssen daher mit dem Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“ gekennzeichnet sein. 
Im aktuellen Marktcheck enthielten sechs der untersuchten Produkte einen kritischen Azofarbstoff. Zwei dieser Produkte wiesen den vorgeschriebenen Warnhinweis nicht auf.

Auch der Zuckergehalt der Erzeugnisse kann sich je nach Produktkategorie deutlich unterscheiden. Während Alternativen zu Gin und Rum meist ohne Zuckerzusatz auskommen, enthielten nahezu alle alkoholfreien Alternativen zu Aperitifs und Likören einen hohen Zuckergehalt von teilweise mehr als 25 Gramm Zucker je 100 Milliliter. Zum Vergleich: 100 Milliliter Cola enthalten etwa 11 Gramm Zucker. Das schlägt sich auch im Energiegehalt nieder.

„Verbraucher können in der Zutatenliste nach kritischen Inhaltsstoffen, aber auch nach Allergenen schauen. In der verpflichtenden Nährwerttabelle kann der Zuckergehalt abgelesen werden“, so die Tipps von Kristina Rerich.

Mocktail-Angebot in Schleswig-Holsteinischen Bars

Wer auch unterwegs lieber alkoholfreie Cocktails genießen möchte, findet im Einzelhandel inzwischen ein breites Angebot. Eine den Marktcheck ergänzende Online-Recherche von Bars in Schleswig-Holstein zeigt, dass „Mocktails[1]“ rund 23 Prozent des Getränkesortiments ausmachen. Mocktails sind alkoholfreie Cocktails, die klassische Drinks geschmacklich nachahmen. Diese Getränke werden teils mit alkoholfreien Alternativen zu Spirituosen hergestellt, teils wird lediglich die promillestarke Zutat weggelassen und mit Säften oder Sirup ersetzt. Bargäste zahlen für die Mocktails im Durchschnitt knapp 3,80 € weniger als für die alkoholhaltigen Varianten.

Im Gegensatz zu hochprozentigen Spirituosen müssen die verwendeten alkoholfreien Pendants müssen aufgrund ihrer Verderblichkeit ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Da sie zudem eine Aufbrauchfrist haben, können sie nicht, wie andere hochprozentige Spirituosen, unbegrenzt gelagert werden und müssen nach Ablauf der Haltbarkeit entsorgt werden.

 

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es keine gesunde Mindestmenge an Alkohol. Damit ist der Trend, auf Alkohol zu verzichten, grundsätzlich positiv zu bewerten. Alkoholfreie Spirituosen und Mocktails sind jedoch nicht automatisch gesund: Manche Alternativen wie auch Säfte und Sirup enthalten einen nicht zu unterschätzenden Zuckergehalt. Das gilt auch für andere Lebensmittel: Zucker wird in Getränken, Fruchtjoghurts und Müslis gerne mit kleinen Portionsangaben oder Decknamen versteckt. Wie genau das funktioniert und worauf Verbraucher achten können, zeigt die VZSH in dem kostenlosen Online-Vortrag „Süße Falle Zucker“ am 17. März 2026.


[1] Der Begriff ist zusammengesetzt aus dem Begriff „Cocktail“ und dem englischen Verb „to mock“, was so viel wie „verspotten“ bedeutet.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.