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Alkoholfreie Spirituosen im Check: Kennzeichnung Inhaltsstoffe, Preise

Stand:
„Alkoholfreie Spirituosen“ liegen im Trend – doch was steckt dahinter? In einem Re-Check hat die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) unter anderem Kennzeichnung, Preise und Inhaltsstoffe verschiedener Alternativen zu den hochprozentigen Originalen unter die Lupe genommen und mit den Ergebnissen des Marktchecks aus dem Jahr 2024 verglichen.
Zahlreiche halb gefüllte Gläser in unterschiedlichen Formen.
  • Verbraucher können aus einem immer größer werdenden Angebot an alkoholfreien Alternativen zu klassisch hochprozentigen Spirituosen auswählen.
  • Spirituosen-Alternativen sind ähnlich teuer wie die hochprozentigen Originale.
  • Neben der Hauptzutat Wasser enthalten viele Getränke natürliche Aromen, Säuerungsmittel und Konservierungsstoffe, einigen ist auch viel Zucker zugesetzt.
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Verzicht auf Alkohol – Gründe und gesundheitliche Bedeutung

Ob gesünderer Lebensstil, Fahrtauglichkeit, Religion, Schwangerschaft und Stillzeit sowie die Einnahme von Medikamenten – die Gründe, auf Alkohol zu verzichten sind vielfältig. Auffällig ist vor allem, dass gerade jüngere Menschen weniger Alkohol trinken. So berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), dass ein regelmäßiger Alkoholkonsum in der Gruppe der 18- bis 25-jährigen seit Jahren rückläufig ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE e. V.) hat mit ihrem im August 2024 aktualisierten Positionspapier ihre Bewertungen und Handlungsempfehlungen zum Alkoholkonsum überarbeitet. Laut Ausführungen der DGE gibt es keinen gesundheitlich risikofreien Alkoholkonsum, auf alkoholische Getränke sollte demnach gänzlich verzichtet werden. Das gilt insbesondere für junge Menschen, Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende. Erwachsene, die alkoholischen Getränke konsumieren, sollten hohe Alkoholmengen vermeiden. Außerdem wurde der Nährstoffreferenzwert für Alkohol gestrichen[1].

Die Produkte im aktuellen Re-Check

Bereits im Jahr 2024 hat die VZSH einen Marktcheck zu den im Trend liegenden „alkoholfreien Spirituosen“ durchgeführt. Knapp zwei Jahre später zeigt sich: der Trend setzt sich fort. Immer mehr promillefreie Alternativen zu hochprozentigen Spirituosen finden ihren Platz in den Supermarktregalen in Schleswig-Holstein.

Im Re-Check wurden 38 dieser Produkte aus dem stationären Lebensmitteleinzelhandel unter die Lupe genommen. Davon waren zwölf Alternativen für den Einsatz wie Gin, zwei Produkte als Ersatz für Rum, 20 Alternativen für Liköre und vier Kreationen, die Tequila, Whiskey oder Cachaça als promillestarkes Vorbild nachahmen sollen. Immerhin 21 der 38 gecheckten Produkte warben mit einem „Vegan“-Label, während nur ein Produkt aus Ökologischer Erzeugung stammte.

Diese Zutaten enthalten die alkoholfreien Alternativen

Bei den meisten Produkten ist die Hauptzutat Wasser. Vielen Getränken sind außerdem natürliche Aromen, Säuerungsmittel und Konservierungsstoffe zugesetzt. Auffällig im Marktcheck: Likör-Alternativen enthalten oft (Saft-)Konzentrate aus Obst oder Gemüsen, färbende Zutaten sowie Zuckerarten, beispielsweise Glukose, Invertzuckersirup, Glukose-Fruktose-Sirup oder schlicht Zucker. Aus beiden Marktchecks (2024 und 2026) geht hervor, dass sich der Zuckergehalt der Erzeugnisse je nach Produktkategorie deutlich unterscheidet. Während Alternativen zu Gin und Rum ohne Zuckerzusatz auskommen, enthielten nahezu alle untersuchten Produkte der Kategorie alkoholfreie Alternativen zu Aperitifs und Likören einen hohen Zuckergehalt von teilweise mehr als 25 Gramm Zucker je 100 Milliliter. 

Allerdings: Verbraucher können bei diesen Erzeugnissen selbst einfach nachlesen, was drinsteckt. Denn im Gegensatz zu „echten Spirituosen“ müssen die promillefreien Pendants ein Zutatenverzeichnis und eine Nährwerttabelle haben.

Auch wenn Alkohol fehlt, empfiehlt sich ein Konsum in Maßen. Durch den fehlenden Alkohol können die alkoholfreien Alternativen zwar Kalorien einsparen, der Effekt fällt jedoch geringer aus, wenn den Produkten mehr Zucker zugesetzt wird. 

Was bedeutet „alkoholfrei“?

Wird ein Produkt als „alkoholfrei“ gekennzeichnet, darf dennoch ein Restalkoholgehalt von bis zu 0,5 Volumenprozent (% Vol.) enthalten sein. Erzeugnisse mit der Kennzeichnung „0,0 % Vol.“ sind hingegen vollständig frei von Alkohol. Vielen Verbrauchern ist nicht bewusst, dass eine verpflichtende Alkoholkennzeichnung erst erforderlich ist, wenn der Alkoholgehalt eines Getränks bei 1,2 Volumenprozent oder mehr liegt. Dies birgt das Risiko eines unbewussten Konsums geringer Alkoholmengen, z. B. auch durch Lebensmittel, die natürlicherweise Alkohol enthalten können, wie Orangensaft.

Das sind „alkoholfreie Spirituosen“

Nach EU-Verordnung Nr. 2019/787 ist die Bezeichnung „alkoholfreie Spirituose“ rechtlich nicht zulässig. Spirituosen müssen demnach einen Mindestalkoholgehalt von 15 % Vol. aufweisen (Eierlikör ist eine Ausnahme mit einem Mindestalkoholgehalt von 14 % Vol.). Darüber hinaus gibt es zusätzliche Anforderungen an Spirituosen verschiedener Kategorien, wie beispielsweise „Gin“ oder „Rum“.

Alkoholfreie Erzeugnisse unterliegen dem allgemeinen Lebensmittelrecht und können im Rahmen von Einzelfallbewertungen den Erfrischungsgetränken zugeordnet werden. Bezeichnungen, die auf eine rechtlich definierte Spirituose hindeuten, dürfen nicht verwendet werden. Laut einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs erfüllt ein „alkoholfreier Gin“ nicht die Kriterien eines Gins und darf daher diese Bezeichnung nicht tragen. Verbraucher sollen vor irreführenden Angaben geschützt werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie alkoholfreie Alternativen so gekennzeichnet werden können, dass Verbraucher erkennen, worum es sich bei dem Produkt handelt und wie es einzusetzen ist.

So sind die alkoholfreien Alternativen im Check gekennzeichnet

Nur wenige der alkoholfreien Spirituosen sind mit einer Alterskennzeichnung „18+“ versehen. Im Marktcheck aus dem Jahr 2024 trugen lediglich drei der 20 untersuchten alkoholfreien Alternativen diese Kennzeichnung. Bei der aktuellen Erhebung sind es nur sieben der 38 Produkte. Die Getränke könnten in den meisten Fällen von Minderjährigen erworben werden. Die VZSH bewertet dies kritisch, da dadurch ein Risiko besteht, dass sich Kinder und Jugendliche frühzeitig an den Geschmack von Spirituosen gewöhnen könnten.

Neben der Alterskennzeichnung wurden die Erzeugnisse im aktuellen Marktcheck auch auf Warnhinweise zu kritischen Inhaltsstoffen hin untersucht. Bedenklich: in mehreren Produkten werden Azofarbstoffe eingesetzt (sechs Erzeugnisse im Check). Diese Farbstoffe stehen im Verdacht, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen zu verursachen. Zu den kritischen Farbstoffen, die in den Getränken im Check gefunden wurden, gehören:

  • Tartrazin (E 102)
  • Gelborange S (E 110)
  • Azorubin (E 122)
  • Cochenillerot A (E 124)
  • Allurarot AC (E 129)

Diese Farbstoffe müssen zusätzlich mit dem Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“ gekennzeichnet sein. Bei zwei der sechs Produkte im Marktcheck ist dies jedoch nicht der Fall. 

Preise und Vielfalt

Alkoholfreie Spirituosen sind im Vergleich zu den alkoholhaltigen Originalprodukten nicht zwangsläufig günstiger. Der Marktcheck aus dem Jahr 2024 zeigte in den Kategorien „Gin“, „Rum“ sowie „Aperitif und Likör“, dass einige der Alternativen zu vergleichbaren Preisen wie ihre hochprozentigen Pendants angeboten wurden, vereinzelt auch günstiger. Auch im aktuellen Re-Check müssen Verbraucher recht tief in die Tasche greifen, um die alkoholfreien Mix-Zutaten zu erwerben. So lag der durchschnittliche Preis für Gin-Alternativen bei 33 Euro, für Rum bei 25 Euro und für Liköre bei 29 Euro je Liter. Weitere Kreationen lagen im Schnitt bei 29 Euro je Liter. Der Vergleich der Marktchecks aus den Jahren 2024 und 2026 deutet insgesamt beim Preis darauf hin, dass innerhalb der alkoholfreien Produktgruppen die Gin-Alternativen durchschnittlich etwas günstiger geworden sind, während die Preise für alkoholfreien Rum-Alternativen sich um knapp 12 Prozent verteuerten.

Alkoholfrei auch außer Haus genießen?

Verbraucher können auch unterwegs inzwischen aus verschiedenen Angeboten an alkoholfreien Cocktails wählen. Eine Online-Recherche von 14 Bars in Schleswig-Holstein zeigt, dass Mocktails durchschnittlich rund 23 Prozent des Getränkesortiments auf den Karten ausmachen. Mocktails sind alkoholfreie Cocktails, wobei sich der Begriff aus dem Englischen „to mock“ (= nachahmen, vortäuschen) und „Cocktail“ zusammensetzt. Mocktails ahmen also bekannte alkoholhaltige Klassiker geschmacklich nach. Sie werden mit alkoholfreien Spirituosen zubereitet oder statt mit alkoholhaltigen Getränken durch Säfte oder Sirup verfeinert. Laut Auswertung des aktuellen Marktchecks werden Mocktails im Durschnitt etwas günstiger angeboten als die alkoholhaltigen Varianten. Der Verkaufspreis liegt im Durchschnitt knapp 3,80 € unter dem für die alkoholhaltigen Varianten.

Zwar wird bei der Herstellung auf hochprozentigen Spirituosen verzichtet, die verwendeten alkoholfreien Pendants müssen aufgrund ihrer Verderblichkeit ein Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Da sie zudem eine Aufbrauchfrist haben, können sie nicht, wie andere hochprozentige Spirituosen, unbegrenzt gelagert werden und müssen nach Ablauf der Haltbarkeit entsorgt werden.

Tipps für Verbraucher zu Einkauf und Lagerung

  • Grundpreis vergleichen, denn einige Flaschen enthalten weniger als 1 Liter

  • Mindesthaltbarkeitsdatum beachten

  • Verbrauchsdauer nach Anbruch einhalten (ohne konservierend wirkenden Alkohol ist eine unbegrenzte Lagerung nicht möglich)

  • Lagerhinweise beachten (bevorzugt im Kühlschrank – Achtung, da der Alkohol fehlt, der den Gefrierpunkt heruntersetzt, können Flaschen im Gefrierfach platzen, wenn sich das Wasser im Getränk ausdehnt)

  • Zutatenliste checken, z. B. auf Allergene oder kritische Inhaltsstoffe

  • Wer auf Energie- oder Zuckergehalt achten möchte, wird in der Nährwerttabelle fündig

  • Von Kindern und Jugendlichen fernhalten, um zu vermeiden, dass Geschmacksgewöhnung an eigentlich Hochprozentiges durch einen frühzeitigen Konsum stattfindet

  • Außer-Haus alkoholfrei genießen: aus dem Mocktail-Angebot wählen


 


[1] Die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr benennen Energie- und Nährstoffmengen, die zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit und der Lebensqualität beitragen sollen. Um zu vermeiden, dass die Zufuhr von Alkohol als empfehlenswert wahrgenommen werden könnte, wird für Alkohol kein Referenzwert für die Nährstoffzufuhr mehr herausgegeben.