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Pflegezusatzversicherung - eine sinnvolle Absicherung fürs Alter?

Stand:

Pflege ist teuer - ambulant zu Hause, aber auch im Pflegeheim übernehmen die gesetzlichen Pflegekassen meist nur einen Teil der Kosten. Eine private Zusatzversicherung soll hier einspringen. Wer das überlegt, sollte aber genau darauf achten, worauf er sich langfristig einlässt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wie hoch der finanzielle Bedarf im Alter sein wird, lässt sich schwer vorhersagen. Für jüngere Menschen bis etwa 50 Jahre empfiehlt sich daher meist noch keine solche Pflegezusatzversicherung. Kinder, Jobwechsel, Heirat, Scheidung: Zu viel kann noch passieren.
  • Die Preisunterschiede bei den Produkten sind hoch. Ein Vergleich lohnt immer.
  • Die Verträge bestehen ein Leben lang. Die Beiträge können dabei regelmäßig ansteigen.
  • Staatlich geförderte Verträge haben regelmäßig die schlechteren Vertragsbedingungen. Dafür können die Versicherer hier aber niemanden z.B. wegen seiner Vorerkrankungen ablehnen.
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Pflegerisiko und Kosten werden steigen

Eins ist gewiss: Zukünftig wird die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich ansteigen. Schon heute erhalten etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Pflege trifft insbesondere die Ältesten. Der Löwenanteil der Pflegebedürftigen ist 90 Jahre alt und älter (71 Prozent).

Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen wird zu Hause versorgt (76 Prozent). Davon werden wiederum rund 68 Prozent in der Regel alleine durch ihre Angehörigen gepflegt. Hierbei fallen dann keine Kosten für professionelle Pflege an (die genannten Zahlen stammen vom statistischen Bundesamt).

Der gesetzliche Versicherungsschutz

Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt einen Teil der Kosten, wenn ein Pflegefall eintritt. Entscheidend für die Einstufung in einen der Pflegegrade ist, wie stark Selbstständigkeit und Fähigkeiten eingeschränkt sind. Danach bestimmt sich, wie viel Unterstützung durch Pflege notwendig ist und wie viel die gesetzliche Pflegeversicherung bezahlt. Solche Pflegegrade gibt es in den Stufen eins bis fünf.

Abhängig von der Pflegesituation zahlen die Kassen festgelegte monatliche Summen:

  Pflege durch Angehörige / Laien zu Hause professionelle Pflege zu Hause vollstationäre Pflege im Heim
Pflegegrad 1 0 Euro* 0 Euro* 0 Euro*
Pflegegrad 2 316 Euro 689 Euro 770 Euro
Pflegegrad 3 545 Euro 1298 Euro 1262 Euro
Pflegegrad 4 728 Euro 1612 Euro 1775 Euro
Pflegegrad 5 901 Euro 1995 Euro 2005 Euro

*Für Angebote zur Unterstützung im Alltag steht Pflegebedürftigen in allen Pflegegraden ein einheitlicher Betrag in Höhe von maximal 125 Euro zur Verfügung (Entlastungsbetrag).

Das Problem: Diese Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung decken meist nur einen Teil der Kosten. Liegen die tatsächlichen Pflegekosten darüber, müssen Pflegebedürftige diese aus eigener Tasche zahlen. Das Sozialamt hilft erst, wenn die Rente dafür nicht ausreicht und ein eventuelles Vermögen aufgebraucht ist. Der Ehepartner und die Kinder müssen dann als Unterhaltspflichtige damit rechnen, dass das Sozialamt sich von ihnen wiederum Geld zurückholt - zumindest wenn Sie entsprechend hohes Einkommen und/oder Vermögen haben.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Schätzungen zufolge liegt der Eigenanteil (die Versorgungslücke) je nach Pflegesituation in Deutschland durchschnittlich bei:

  professionelle Pflege zu Hause vollstationäre Pflege im Heim
Pflegegrad 1 125 Euro 1500 Euro
Pflegegrad 2 500 Euro 1500 Euro
Pflegegrad 3 1100 Euro 1500 Euro
Pflegegrad 4 2200 Euro 1500 Euro
Pflegegrad 5 2200 Euro 1500 Euro

Quelle: Finanztest 11/2017, S. 83

Auf welche Summen sollten Sie also bei einer Pflegezusatzversicherung achten? Unterscheiden Sie dabei dazwischen, was sie für stationäre Pflege und was sie für ambulante Pflege zahlt:

  1. In Pflegeheimen gibt es bei den Kosten keinen Unterschied mehr zwischen den Graden 2 bis 5. Die Heime berechnen einen einheitlichen Betrag für jeden Bewohner. Versicherungsprodukte sollten daher im stationären Bereich ab Pfleggrad 2 einen einheitlich hohen Betrag leisten. In Pflegegrad 1 ist eine Heimunterbringung angesichts des relativ geringen Pflegebedarfs und des hohen Kostenanteils der Ausnahmefall.
    Hilfreich kann es sein, bei in Frage kommenden Pflegeheimen anzufragen, wie hoch die Kosten dort derzeit ausfallen. Auf den Seiten www.pflege-navigator.de und www.pflegelotse.de können Sie Einrichtungen an Ihrem Wohnort suchen und die stationären Eigenanteile einsehen. Wichtig: Beachten Sie, dass diese Kosten in den kommenden Jahren steigen können!
  2. Die Höhe der Kosten für die Pflege durch ambulante Pflegedienste fällt je nach Höhe des Pflegegrades unterschiedlich hoch aus. Auch regional bestehen Unterschiede.
    Die wenigsten Pflegebedürftigen werden angesichts des hohen Pflegebedarfs in Pflegegrad 4 oder 5 ambulant versorgt werden. Achten Sie also in der ambulanten Betreuung darauf, dass die Versicherung insbesondere in den Pflegegraden 1 bis 3 jeweils ausreichende Summen deckt.

Wer sollte eine Pflegezusatzversicherung abschließen?

Wie hoch der finanzielle Bedarf für eine eventuelle Zusatzversicherung ist, hängt meist von mehreren Faktoren ab:

  • Wie hoch fallen die Pflegekosten aus? Bedeutet: Welche Form der Betreuung (ambulant oder stationär) werden Sie bevorzugen, mit welchem Pflegegrad rechnen Sie, schauen Sie eher auf besonders teure Pflegeheime?
  • Wie ist Ihre eigene finanzielle Situation im Alter? Welche Rente erwarten Sie, haben Sie Vermögen? Können und wollen Angehörige Sie finanziell unterstützen?
  • Entscheidend kann aber auch sein, wie viel Unterstützung Sie von Angehörigen in der Pflege selbst bekommen würden. Übernehmen die die Pflege beispielsweise ganz oder zumindest in Teilen, werden die Aufwände für ambulante Pflegedienste geringer.

Überlegen Sie, ob im Pflegefall auch andere Mittel zur Verfügung stehen. Eine Immobilie könnten Sie beispielsweise vermieten. Die zusätzlichen Einnahmen würden helfen, Kosten einer stationären Unterbringung zu decken. Vermögen können Sie in der Regel am Lebensende verbrauchen. (Andererseits: Viele möchten jedoch auch ihren Kindern etwas hinterlassen oder sicher gehen, dass diese nicht für sie zahlen müssen.)

Die Einnahmen aus einer Zusatzversicherung können Sie verwenden für Kosten einer stationären Unterbringung oder eines ambulanten Pflegedienstes. Beachten Sie aber auch andererseits auch, dass Sie die Beiträge zu einer in der Regel lebenslangen Versicherung zahlen müssen. Und vergessen Sie nicht, dass die Beiträge für eine derartige Versicherung zukünftig steigen werden.

Die privaten Absicherungsmöglichkeiten

Mit Pflegetagegeld-, Pflegekosten- und Pflegerentenversicherungen gibt es drei verschiedene Produkte auf dem Markt, die sehr unterschiedliche Leistungen vorsehen, wie wir einzeln vorstellen.

Für Laien können die Tarife schwierig zu unterscheiden sein. Besonders wichtig ist darum unabhängige Beratung. Unterstützung bei der Wahl eines geeigneten Tarifs erhalten Sie bei Ihrer Verbraucherzentrale. Tests von Pflegeversicherungen und deren Tarifen finden Sie auch bei der Stiftung Warentest.

Pflegetagegeld

Am häufigsten werden Pflegetagegeldversicherungen gewählt. Dabei erhält der Versicherte ein vereinbartes Tagegeld im Pflegefall. Den vollen Tagessatz zahlen die meisten Versicherer erst im Pflegegrad 5, einige bereits in Grad 4. In den niedrigeren Pflegegraden wird der Tagessatz dann nur anteilig gezahlt. Es gibt auch Tarife ohne Leistungsanspruch bei ambulanter Pflege. Dies ist nicht zu empfehlen. Der Löwenanteil der Pflege entfällt auf die Pflege zu Hause.

Aufgrund des einheitlichen Eigenanteils im Pflegeheim in den Graden 2 bis 5 sollte das Tagegeld hier gleich hoch gewählt werden. Die meisten Menschen sind in den niedrigen Pflegegraden 1 bis 3 eingestuft und bleiben darin die längste Zeit.

In der Pflegetagegeldversicherung spielt es keine Rolle, wie die Pflege organisiert wird. Das Pflegetagegeld steht Ihnen zur freien Verfügung, egal ob Sie im Heim, von professionellen Pflegediensten oder von Angehörigen gepflegt werden. Auch ist es möglich, mit dem Pflegetagegeld Hilfeleistungen zu bezahlen, die nicht zur Pflege gehören, beispielsweise das Erledigen von Einkäufen oder die Begleitung bei Spaziergängen.

Tritt der Pflegefall ein, sollte vereinbart sein, dass kein Beitrag mehr zu zahlen ist (Beitragsbefreiung). Dies ist nicht bei allen Gesellschaften gegeben. Manche sehen eine Befreiung erst in dem seltenen Fall von Grad 5 vor, andere gar nicht.

Wichtig ist generell, wie der Leistungsfall definiert ist, also wann die Versicherung zahlt. Es sollten Verträge gewählt werden, bei denen es ausreicht, dass die gesetzliche Pflegeversicherung die Pflegebedürftigkeit festgestellt hat. Zahlreiche Anbieter sehen darüber hinaus vor, dass regelmäßige ärztliche Untersuchungen verlangt werden können. Pflegebedürftige Versicherte müssen sich dann auf Aufforderung der Versicherung durch Ärzte untersuchen lassen, unter Umständen sogar außerhalb ihrer Wohnung oder des Pflegeheims. Derartige Klauseln sind inakzeptabel.

Die Preisunterschiede der Verträge sind hoch. Ein Vertrag mit einem Tagegeld von beispielsweise 50 Euro in Pflegegrad 5 und gleich hohen Leistungen bei stationärer Pflege in den Graden 2 bis 5 kostet für 50-Jährige im Jahr 2019 zwischen 60 Euro und 123 Euro monatlich. Stellen Sie daher unbedingt Preisvergleiche an. Die Beiträge können im Laufe der Zeit aufgrund steigender Ausgaben angehoben werden.

Angesichts der prognostizierten deutlichen Steigerung der Pflegekosten sollte eine Anpassung des vereinbarten Pflegetagegeldes ohne erneute Gesundheitsprüfung vorgenommen werden können (Dynamisierung). Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Anpassungen ab einem höheren Alter zu verhältnismäßig hohen Beiträgen führen, so dass sie dann besser gestoppt werden.

Geförderte Pflegetagegeld-Tarife mit schlechteren Bedingungen

Für Pflegetagegeldtarife, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, gibt es eine staatliche Förderung von 5 Euro monatlich. Die Leistungen fallen hierbei jedoch häufig niedrig aus und decken bei weitem nicht die zu erwartenden finanziellen Lücken im Pflegefall. Ab einem Alter von über 40 Jahren erhält man in Grad 5 häufig nur die Mindestleistung von monatlich 600 Euro oder geringfügig mehr. Der Beitrag ist zudem immer weiter zu zahlen; schmälert die Auszahlung also deutlich.

In diesen Tarif muss jeder aufgenommen werden, unabhängig von Alter und Gesundheitszustand. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Beiträge in diesen Tarifen stärker steigen als in herkömmlichen Tarifen. Zudem ist stets eine Wartezeit von 5 Jahren vorgesehen.

Pflegekostenversicherung

Der Versicherer zahlt in einem solchen Tarif nur nachgewiesene Pflegekosten. Dabei werden häufig nur Kosten für Leistungen übernommen, die im Katalog der gesetzlichen Pflegeversicherung aufgeführt sind. Voraussetzungen sind, dass Sie die gesetzliche Pflegeversicherung in Anspruch genommen haben und diese gezahlt hat. Dann übernimmt der Versicherer Ihren Eigenanteil, der noch aussteht, teilweise oder ganz.

Knackpunkt: Es geht bei solchen Versicherungen tatsächlich meist nur um Kosten für die Pflege. Kosten für Unterkunft und die Verpflegung im Heim werden dagegen nur bei wenigen Versicherern übernommen.

Häufig wird in Grad 1 nichts gezahlt. Eine Beitragsbefreiung ist meist nicht vorgesehen.

Zu unterscheiden sind zwei Tarifarten:

  1. Es wird ein bestimmter - bei Vertragsabschluss vereinbarter - Prozentsatz der Restkosten übernommen. Liegt der vereinbarte Satz unter 100 Prozent, müssen Sie einen Teil der Pflegekosten trotz Versicherung noch selbst bezahlen.
  2. Andere Tarife übernehmen die Restkosten bis zu einer festgelegten Höchstgrenze. Die Produkte sind schwer miteinander zu vergleichen. Die Beiträge für 50-Jährige liegen im Jahr 2019 in der Spanne von 17 bis 80 Euro im Monat. Geringere Beiträge bedeuten aber meist auch geringere Leistungen. Wie viel Sie in einem Pflegefall an Leistungen bekommen, kann sich deutlich unterscheiden zwischen den Tarifen.
Pflegerentenversicherung

Die Pflegerentenversicherung zahlt eine vereinbarte Pflegerente, die durch die Überschussbeteiligung möglicherweise noch aufgestockt wird. Die Versicherer richten sich häufig nach der Einstufung der sozialen Pflegeversicherung. Andere definieren den Leistungsfall nach einer eigenen Systematik.

Eine solche Pflegerente ist in der Regel beitragsstabil: Sowohl der Beitrag als auch der Leistungsumfang werden bei Vertragsbeginn festgeschrieben. Etwas anderes gilt nur, wenn eine Dynamik der Leistung vereinbart wird. Planen Sie über längere Zeiträume mit der Versicherung, zum Beispiel über 20 oder mehr Jahre. Beachten Sie bei der Wahl der Rentenhöhe die zu erwartende Inflation!

Die Pflegerente steht zur freien Verfügung. Im Vergleich zu den anderen Pflegezusatzversicherungen liegt der Beitrag in der Pflegerentenversicherung deutlich höher, etwa zwei- bis dreimal so hoch.

Die Höhe der Rentenzahlung variiert je nach Grad der Pflegebedürftigkeit. Die volle Pflegerente erhält der Versicherte in der Regel erst ab Pflegegrad 4 oder 5. In den niedrigeren Pflegegraden wird die Pflegerente nur anteilig oder gar nicht gezahlt.

Bei Pflegebedürftigkeit ist der Versicherte meist von der Beitragszahlung befreit.

Ein Vorteil in der Pflegerentenversicherung ist, dass die Beitragszahlung bei finanziellen Engpässen ausgesetzt werden kann. Dies ist jedoch mit finanziellen Einbußen verbunden. Die Rentenversicherung kann durch Kündigung beendet werden, ohne dass sämtliche Einzahlungen verloren gehen, wie dies dagegen bei einer Tagegeld- der Pflegekostenversicherung der Fall ist.

 

Fazit

Niemand weiß, ob und wann der Versicherungsfall eintritt. Darum bleibt die Frage, ob eine Pflegezusatzversicherung sich lohnt, oft ungewiss.

Prüfen Sie zunächst, ob Sie tatsächlich überhaupt eine Versicherung brauchen. Ist ausreichend Vermögen vorhanden, das auch verbraucht werden kann oder sind ausreichende private oder gesetzliche Renten vorhanden, können Sie auf den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung verzichten.

Wer eine Versicherung abschließen möchte, muss den Beitrag viele Jahre beziehungsweise Jahrzehnte durchgehend weiter zahlen können. Es ist meist davon auszugehen, dass die Versicherungsprämien regelmäßig steigen werden. Können Sie sich das leisten?

Einige Tipps:

  • Die Pflegetagegeldversicherung gibt es schon ab vergleichsweise geringen Beiträgen und - beim "richtigen" Anbieter - auch mit guten Leistungen. Zudem ermöglicht die Tagegeldversicherung mehr Flexibilität als die Pflegekostenversicherung.
  • Pflegetagegeldversicherungen ermöglichen zwar bei finanziellen Engpässen weniger Flexibilität. Pflegerenten sind dafür aber auch mit deutlich höheren Kosten verbunden.
  • Bevor Sie sich mit einer Pflegezusatzversicherung beschäftigen, achten Sie immer auf Ihren sonstigen Versicherungsschutz. Existenzielle Risiken wie die private Haftpflichtversicherung und (bei Berufstätigen) eine Vorsorge für den Fall der Berufsunfähigkeit gehen vor!