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Barrierefreie und Energie sparende Sanierung

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Sie möchten zuhause wohnen, ein Leben lang und für alle Lebensphasen passend? Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei einer Sanierung achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ideal ist ein ebenerdiger Zugang zum Haus. Treppen sollten beidseitige Handläufe und trittsichere Stufen haben.
  • Im Bad sorgen freie Bewegungsflächen, höhenverstellbare Sanitärelemente und rutschfeste Beläge für Barrierefreiheit.
  • Fenster mit 3-fach-Verglasung schützen nicht nur vor Wärmeverlusten, sondern auch vor Hitze und Lärm.
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In vielen älteren Wohnungen und Häusern ist die Liste der Hindernisse lang: Die Treppe vor der Eingangstür wird mit einem Kinderwagen zum Balance- und Kraftakt. Die dunkle, steile Treppe ins Obergeschoss oder in den Keller ist für kleinere Kinder, mit Wäschekorb oder im Alter gleichermaßen unbequem und gefährlich. In die hohe Duschkabine zu gelangen ist mühsam und birgt Rutsch- und Stolpergefahren. Zudem ist der Reinigungsaufwand in alten Bädern hoch. Hoch oder sehr tief montierte Heizkörperventile, versteckte oder schwer erreichbare Lichtschalter oder Steckdosen sind für Kinder genauso schlecht zu bedienen wie für Menschen mit Arthrose. Für Kleinkinder sollten Sie die Steckdosen allerdings mit einem Kinderschutz sichern.

Hier gilt: Jede Barriere weniger im Haus ist ein Gewinn für die Bewohner: für die Sicherheit, die Steigerung der persönlichen Lebensqualität und des Wohnkomforts.

Barrierefreiheit frühzeitig in die Planung einbeziehen

In den meisten Fällen sind kleinere oder größere Umbauten notwendig, um Barrieren im Haus oder in der Wohnung zu beseitigen. Um erst gar keine Mehrkosten entstehen zu lassen oder die Kosten so gering wie möglich zu halten, sollten Sie bei einer Modernisierung schon frühzeitig Aspekte der Barrierefreiheit mitdenken.

So ist es beispielsweise empfehlenswert, bei einer Dämmung der Außenwand auch die zugige Haustür energetisch nachzubessern oder auszutauschen. Damit der Zugang barrierefrei wird, können Sie den Hauseingang auch gleich verbreitern und den Einbruchschutz der Haustür verbessern.

Meist werden bei einer Badmodernisierung die alten Sanitärobjekte ersetzt und die Wände neu gestaltet. Verstärken Sie an Waschbecken, WC, Dusche oder Badewanne die Wände, können Sie sich künftig beispielsweise auch getrost auf den Waschtisch aufstützen oder später Haltegriffe nachrüsten.

Tabelle Sanierung und Barrierefreiheit

Gebäudezugang und Eingangsbereich: Hürden beseitigen

Eine zentrale Hürde in Wohngebäuden stellen Eingänge und Treppen dar. Viele Häuser sind nicht ebenerdig erreichbar, der Weg schlecht ausgeleuchtet und oft weisen sie noch weitere Barrieren auf.

 

Gebäudezugang und Eingansbereich
Foto: Verbraucherzentrale NRW, Busch-Jaeger Elektro GmbH

Für einen barrierefreien und komfortablen Hauseingang sind folgende Punkte wichtig:

Zugang zum Gebäude

Der Zugang zum Gebäude sollte, wenn möglich, über eine Rampe mit trittsicherem, stolperfrei verlegtem Belag möglich sein. Bei Stufen oder Treppen sind tiefe Trittstufen ohne Überstände, ein rutschhemmender Belag und beidseitige Handläufe zu empfehlen. Auch ein Podest vor der Haustür mit ausreichender Fläche sorgt für den erforderlichen Bewegungsspielraum.

Überdachung vorm Eingang

Ein Dach vor der Haustür dient als Regen- und Windschutz beim Nachhausekommen und als Schutz für Kinderwagen, Dreirad, Roller, Rollator oder Einkaufstaschen.

Gute Ausleuchtung und kontrastreiche Gestaltung

Um wichtige Informationen wie Hausnummer und Klingel eindeutig und schnell erkennen zu können, sollte der Eingang gut ausgeleuchtet und kontrastreich gestaltet sein. Türschloss, Sprechanlage und Briefkasten sollten bequem erreichbar sein. Am besten setzen Sie auf energiesparende LED-Leuchtmittel, die auf Bewegungsmelder reagieren. Beleuchtung nur bei Bedarf hilft übrigens auch den Insekten. Denn viele Leuchten erweisen sich bei Dauerlicht während der Dämmerung und nachts als tödliche Insektenfallen.

Stolperfreiheit

Um Stolperfallen zu vermeiden, sollten Sie einen Rost oder Fußmatten innen und außen bündig einlassen, wenn Sie den Fußboden innen bzw. den Belag außen vor der Eingangstür erneuern. Mehr Sicherheit gewinnen Sie zudem mit einer schwellenlosen und leichtgängigen Haustür, mit einer Ablaufrinne für Regenwasser außen sowie mit einem Handknauf oder einer Stange zum Festhalten.

Breite Tür und leicht erreichbare Bedienelemente

Die Eingangstür sollte mindestens 0,90 m und maximal 1,00 m breit sein. Ab einer Breite von 1 Meter wird die Tür schon recht schwer, so dass Sie eventuell einen elektrischen Türantrieb einplanen sollten. Bedienelemente wie Türschloss und Gegensprechanlage sind in einer Höhe zwischen 0,85 m und 1,05 m für alle bequem erreichbar.

Vergessen Sie nicht, dass Sie auch Platz im Vorraum hinter der Eingangstür brauchen. Dort sollten keine störenden, fest montierten (Bau-)teile wie z.B. Heizkörper angeordnet sein und damit die Bewegungsfläche einengen.

Moderne Haustüranlage

Eine höhere Sicherheit und mehr Komfort bietet eine Gegensprechanlage mit Bildaufnahme und optischem Lichtsignal. Dies gilt auch für eine Außentür, die sich mit Fingerscan, Fernbedienung oder Spracherkennung öffnen lässt. Auch wenn Sie die Haustüranlage bei einer Sanierung nicht gleich austauschen, sollten Sie Vorkehrungen treffen, um eine automatische Türöffnung nachrüsten zu können. Informieren Sie sich bei allen technischen Öffnungs- und Schließsystemen über deren Einbruchsicherheit. Denn manche Systeme lassen sich leicht hacken.

Vergessen Sie nicht, dass Sie auch Platz im Vorraum hinter der Eingangstür brauchen. Dort sollten keine störenden, fest montierten (Bau-)teile wie z.B. Heizkörper angeordnet sein und damit die Bewegungsfläche einengen.

Raumkonzepte So viel Bewegungsfläche benötigen Sie mit einem Rollator bzw. einem Rollstuhl. Grafik: raumkonzepte

Fenster, Terrassen- und Balkontüren: An Schutz vor Einbruch, Lärm und Hitze denken

Über alte Fenster, Terrassen- und Balkontüren geht viel Wärme verloren. Aber neben dem Vorteil, mit neuen Fenstern und Türen Energie zu sparen, gibt es weitere Aspekte, die Sie bedenken sollten.

  • Schallschutz

Gerade im Schlafzimmer und an verkehrsreichen Straßen sollten Ihre neuen Fenster erhöhte Anforderungen an den Schallschutz erfüllen.

  • Einbruchschutz

Die Polizei rät bei Fenstern im Erdgeschoss, an Balkonen und über Anbauten sowie bei Terrassentüren zur Widerstandsklasse RC2 oder RC3. Insbesondere in Räumen, in denen auch nachts eine natürliche Frischluftzufuhr in den Sommermonaten gewünscht ist, bieten Fenster mit Parallelabstellbeschlägen auch dann Einbruchschutz, wenn sie geöffnet sind.

  • Sonnenschutz

Ein möglichst außen angebrachter Sonnenschutz verhindert im Sommer, dass Räume stark aufheizen. Dies sorgt für ein angenehmeres Raumklima.

  • Sichtkontakt nach draußen

Eine schöne Aussicht, beispielsweise in den Garten, sorgt für eine behagliche Atmosphäre. Möglich wird dies über bodentiefe Fenster oder wenn Sie die Fensterbrüstung in geeigneten Räumen niedriger setzen. Achtung: Denken Sie bei niedrigen Brüstungshöhen an eine Absturzsicherung.

  • Fenstergriffe

Tiefer gesetzte Fenstergriffe sind auch im Sitzen erreichbar und leicht bedienbar. Abschließbare Fenstergriffe schaffen Sicherheit bei kleinen Kindern im Haushalt. Falls die Fenster oder ihre Griffe an schlecht zugänglichen Stellen eingebaut sind, lohnt es sich, sie beispielsweise über eine Fernbedienung automatisch zu steuern.

  • Schwellenfreiheit

Auch zum Balkon und zur Terrasse sollte ein bequemer Zugang ohne Stolperfallen möglich sein, sofern sich der Boden innen und außen auf die gleiche Höhe bringen lässt. - Einen schwellenfreien, zugluft- und schlagregendichten niveaugleichen Übergang garantiert zum einen ein System mit Magnetdoppeldichtung oder mit einer absenkbaren Dichtung. Für Bestandsgebäude gibt es spezielle Renovierungsprofile. Leichte, nicht zu beseitigende Niveauunterschiede lassen sich außen durch rampenartige, stufenlos verstellbare Drainroste ausgleichen. Niveauunterschiede innen können durch fest montierte oder mobile Rampen ausgeglichen werden.Durch ein leichtes Gefälle weg vom Haus und eine wasserabführende Rinne vermeiden Sie Pfützen.

  • Ausreichende Breite

Die Terrassen- und Balkontür sollten Sie möglichst auf 90 cm verbreitern, um komfortabel mit Rollator, Wäschekorb oder Tablett nach draußen zu gelangen.

Balkon: Ohne Schwellen nach draußen

Wenn Sie Ihren Balkon ohnehin sanieren (müssen), lohnt es sich, dabei auch an die Barrierefreiheit zu denken. Ist das zu aufwendig, kann es sinnvoller sein, den alten Balkon zu entfernen und einen neuen als eigenes, vorgesetztes Bauteil vor die Fassade zu stellen.

Das ist bei einer Balkonsanierung zu tun:

  • Neue Balkontür

Sie sollte energetisch optimiert, ausreichend breit, einbruchsicher und möglichst schwellenlos sein. Die Türschwelle lässt sich von innen durch eine mobile oder dauerhafte Rampe stolperfrei gestalten.

  • Neuer Bodenbelag

Wenn Sie den Bodenbelag außen auf Höhe der Türschwelle anheben und mit einem trittsicheren und rutschfesten Belag ausstatten, erhöhen Sie die Sicherheit deutlich. Ein leichtes Gefälle vom Gebäude weg verhindert Wasseransammlungen auf dem Balkon.

  • Balkonbrüstung

Legen Sie den Boden außen höher, müssen Sie auch die Brüstungshöhe neu angleichen auf mindestens 90 cm, besser 100 cm. Gestalten Sie die Brüstung ab einer Höhe von 60 cm transparent, genießen Sie auch im Sitzen Blickkontakt ins Freie.

 

Das gilt es bei einer Balkonerneuerung zu bedenken:

  • Schwellenloser Zugang

Richten Sie den neuen, vorgesetzten Balkon auf das Niveau der Balkontür aus, um einen schwellenlosen Zugang zu erhalten.

  • Neue Balkontür

Sie sollte energetisch optimiert, ausreichend breit und einbruchsicher sein, außerdem ein geschlossenes Profil im unteren Bereich haben. Ist der Boden innen auch niveaugleich, können Sie den Türübergang z.B. mit einer Magnetdichtung oder einer absenkbaren Dichtung schwellenlos gestalten und ihn dennoch vor eindringendem Regenwasser schützen.

  • Blickfreie Brüstung

Einzelne sichtdurchlässige Elemente oder eine ab 60 cm transparent gestaltete Brüstung sorgen auch im Sitzen für einen Ausblick.

  • Ausreichende Bewegungsfläche

Es sollte genug Platz sein, damit Sie auch mit dem Rollator oder Rollstuhl eine Wendemöglichkeit haben. Das setzt eine Grundfläche von mindestens 4,5 Quadratmeter und eine Balkontiefe von mindestens 1,5 Meter voraus. Aber Achtung: Prüfen Sie vorab, ob dies mit dem Baurecht vor Ort vereinbar ist.

Bad: Mehr Bewegungsfläche und höhenverstellbare Elemente verbessern den Komfort

Komfort im Bad ist für alle gleichermaßen wichtig: Für Familien mit kleinen Kindern, die sich gemeinsam im Bad tummeln. Für Menschen, die viel arbeiten und abends beim Baden ausspannen wollen. Und für Ältere, die es genießen, sich am Waschbecken oder in der Dusche auch mal hinsetzen zu können.

Und dies ist nicht nur bei großen Bädern möglich. Bereits eine Grundfläche von 3,75 Quadratmetern (1,50 x 2,50 m Raumgröße) schafft eine ausreichende Bewegungsfläche; 5 bis 7 Quadratmeter reichen sogar für ein rollstuhlgerechtes Bad.

 
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Auch bei der Badmodernisierung können Sie Energie sparen. Wichtige Aspekte sind:

  • auf zentrale Warmwasserversorgung umstellen;
  • automatische Lüftungsanlage, um Feuchtigkeit abzuleiten und Schimmel zu vermeiden;
  • programmierbare Thermostate, um die Raumtemperatur zu regeln;
  • Heizkörperventil bei geöffnetem Fenster nach dem Duschen oder Baden automatisch abschalten.

Tipp: Mustergrundrisse von kleinen barrierefreien Bädern können Sie auf der Internetseite der Online-Wohnberatung einsehen. Beim Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima, finden Sie unter der Zusatzbezeichnung "Fachbetrieb barrieresfreies Bad" entsprechende Unternehmen für Ihren Badumbau.

Smart Home: Hilfe durch Technik

Mit moderner Technik können Sie Ihr Leben zu Hause noch komfortabler, sicherer und energiesparender machen.

Das intelligente Wohnen, auch Smart Home genannt, bietet eine Vielzahl an Anwendungsmöglichkeiten. Das Spektrum reicht von einzelnen Produkten bis zu vernetzten Systemen.

Rolladensteuerung Foto: Elisabeth Mertens

Auch bei elektrischen Rollladensteuerungen ist ein manuell bedienbarer Gurt sinnvoll, damit im Brandfall zumindest an einem Ausstieg ein Fluchtweg offen ist.

Einige Beispiele:

  • Zeit-Relais-Schalter oder Bewegungsmelder über dem Kochfeld schalten z.B. den Herd automatisch ab.
  • Bewegungsmelder sorgen nur bei Bedarf für Beleuchtung oder eine angepasste Raumtemperatur. Orientierungsleuchten oder Steckdosen mit integriertem Orientierungslicht zeigen z.B. nachts den Weg ins Bad.
  • Rauchmelder/Funkrauchmelder lösen in allen miteinander vernetzten Geräten im Brandfall einen Alarm aus.
  • Komfortschalter bieten wahlweise Zeitautomatik, Bewegungssteuerung, manuelle Bedienung und Orientierungslicht.
  • Mit einer Rollladensteuerung können Sie von manueller Bedienung auf automatische Steuerung wechseln, wahlweise an jedem Rollladenzug oder zentral steuerbar.
  • Videosprechanlagen bieten Komfort und Sicherheit, über eine Sprechanlage neben der Haustür oder auch über ein zentral geschaltetes Bedienelement wie Smartphone oder Fernseher.
  • Fenstersensoren gibt es für neu eingebaute Fenster, sie sind aber auch nachrüstbar für jedes Fenster; Fenster können so zentral, etagenweise oder raumweise automatisch geschlossen oder geöffnet werden; die Bedienung lässt sich an die Heizung koppeln.
  • Heizungsregelung: Sie können die Heizung raumweise oder zentral steuern. So lässt sich beispielsweise die Raumtemperatur mit einem Klick auf 16 Grad herunterfahren, wenn Sie das Haus verlassen. 

 

Alle Informationen finden Sie auch in unserer Broschüre "Mein Zuhause für die Zukunft umgestalten – barrierefrei, energiesparend, komfortabel".