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Vorsicht bei Lebensmitteln mit dem Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD)

Stand:

Lebensmittel mit dem Hanf-Inhaltsstoff CBD liegen im Trend – sind aber alles andere als unbedenklich. Wie riskant sie sind, ist nicht geklärt. Und als Lebensmittel, einschließlich als Nahrungsergänzungsmittel, haben sie keine Zulassung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Cannabidiol (CBD) ist ein Bestandteil der Hanfpflanze.
  • CBD in Lebensmitteln hat keine Zulassung als neuartiges Lebensmittel, CBD-Produkte dürften daher als Lebensmittel nicht verkauft werden.
  • Die Sicherheit von Produkten mit CBD ist nicht ausreichend gewährleistet.
Cannabis Öl
On

Nicht nur Lebensmittel mit Hanf liegen im Trend. Auch um den Hanf-Inhaltsstoff Cannabidiol (CBD) entwickelt sich ein regelrechter Hype. Als Hilfe bei Menstruationsbeschwerden, Schlafstörungen oder Depression preisen einige Hersteller ihre Produkte an. Ferner sollen sie Abhilfe bei Gelenkschmerzen (Arthrose), Migräne, Alzheimer, Epilepsie und sogar bei verschiedenen Krebserkrankungen etc. schaffen. Hierbei handelt es sich um krankheitsbezogene Aussagen, die generell für Lebensmittel nicht verwendet werden dürfen.

In Drogerien, Supermärkten und Onlineshops sind Kapseln, CBD-Öl oder Kaugummis erhältlich. Bei CBD-Öl handelt es sich in der Regel um Extrakte der Gesamtpflanze (inkl. Blüten und Stängel). Diese Extrakte werden dann in gewöhnliche Speiseöle wie Sonnenblumenöl und Olivenöl, aber auch in Hanfsamenöl gemischt. Cannabisöle mit z.B. 5 Prozent CBD sind sehr teuer. Sie werden teilweise in kleinen Fläschchen angeboten, die umgerechnet auf 100 ml rund 300 Euro kosten.

Aber: Diese Produkte können gesundheitlich beeinträchtigende Mengen des psychoaktiven Stoffes Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten. Solche hohen, oral aufgenommenen THC-Dosen können u. a. zu Herzrasen, Bindehautreizung, "High-Gefühl" oder Niedergeschlagenheit führen. Außerdem meinen wir, dass die Produkte illegal im Handel sind.

Lebensmittel mit Hanfsamen und daraus gewonnenem Öl oder Mehl sind als traditionelle Zutaten für Lebensmittel in der Regel erlaubt. Für Tees dürfen die Hersteller auch die Hanfblätter verwenden.

CBD – Zulassung umstritten, gesundheitlich riskant

Aus Sicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) müssen die Anbieter, bevor sie CBD-haltige Erzeugnisse auf den Markt bringen, entweder einen Antrag auf Zulassung eines Arzneimittels oder einen Antrag auf Zulassung als neuartiges Lebensmittel ("Novel Food") stellen. Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel. Zulassungen als Novel Food liegen aber bislang nicht vor. Die Produkte dürften also gar nicht verkauft werden.

Zwar hat CBD im Gegensatz zu THC keine berauschende (psychoaktive) Wirkung. Es sind jedoch zahlreiche unerwünschte Effekte bekannt:

  • So kann CBD bei jedem Zehnten Schläfrigkeit und Benommenheit auslösen.
  • Genauso häufig scheint CBD aber auch zum Gegenteil, also zu Schlaflosigkeit, Schlafstörungen und innerer Unruhe zu führen.
  • Zudem sind Fragen zu Dosierung, Sicherheit und Wechselwirkungen noch nicht geklärt.

Die Verbraucherzentralen raten daher von einem Verzehr ab!

Verkauf trotz fehlender Zulassung

Den Verkauf von Lebensmitteln, also auch Produkten mit Cannabidiol, überwachen die jeweils zuständigen Landesbehörden. In manchen Bundesländern wurden bereits Produkte vom Markt genommen, einige Gerichtsverhandlungen laufen. Bis zur Entscheidung werden die Produkte weiter angeboten.

Einige Hersteller von CBD-Ölen versuchen, die rechtlichen Regelungen zu umgehen, indem sie die Produkte als kosmetische Mittel (z.B. als Mundwässer) deklarieren. Solche Produkte werden häufig mit vermeintlichen gesundheitlichen Wirkungen bei oraler Einnahme beworben. Grundsätzlich zählen jedoch Produkte, die zur Einnahme bestimmt sind, nicht zu den kosmetischen Mittel und dürften so auch nicht verkauft werden.

Zum Teil werden CBD-Produkte auch als reine "Hanföle" deklariert, um der Novel-Food-Zulassung zu entgehen. Es handelt sich dann allerdings nicht um ein klassisches Hanföl aus Hanfsamen, sondern um ein zusammengesetztes Produkt aus Hanfsamenöl und Gesamthanfextrakt.

Unserer Ansicht nach ist es nicht akzeptabel, dass beispielsweise CBD-haltige Kaugummis im Verkauf sind, obwohl sie keine Zulassung haben. Durch die Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer werden die Verfahren unnötig kompliziert. Stattdessen braucht es ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen der zuständigen Behörden. Hinzu kommt, dass die Überwachungsbehörden nicht jedes erhältliche Produkt prüfen können.

Besonders sensible Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden. Bonbons, Schokolade oder Erfrischungsgetränke enthalten oft fragwürdige Hanf-Zutaten, deren Ursprung unklar ist. Zudem nutzen die Anbieter Abbildungen von Hanfblättern und Begriffe wie "berauschend", "high" oder "Achtung Suchtgefahr!", um gezielt mit dem berauschenden Image zu werben. Das halten wir für eine gefährliche Verharmlosung von Cannabis.