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Vanille, Vanilla und Vanillearoma in Lebensmitteln: Was sind die Unterschiede?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ist in der Zutatenliste von Lebensmitteln gemahlene Vanilleschote, Vanilleextrakt oder natürliches Vanillearoma angegeben, müssen auch Bestandteile echter Vanille enthalten sein.
  • "Vanilla" ist ein Kunstbegriff, der im Lebensmittelrecht nicht definiert ist.
  • Unterschiede gibt es auch bei den Angaben "Aroma", "natürliches Aroma" und "natürliches Vanillearoma" – nur letzteres muss tatsächlich aus echter Vanille gewonnen worden sein.
Vanilleschote
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Geschmack und Geruch der Vanille werden von vielen Verbrauchern geschätzt – der Bedarf steigt beständig. Gleichzeitig hat Vanille als Gewürz einen relativen hohen Rohstoffpreis. Der natürlich in der Gewürzvanille enthaltende Hauptaromastoff ist das sogenannte Vanillin, das aber auch synthetisch hergestellt werden kann. Rund 15.000 Tonnen Vanillin werden jedes Jahr verbraucht. Die Weltproduktion von natürlichem Vanillin direkt aus der Vanilleschote reicht jedoch bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Deshalb setzt die Lebensmittelindustrie auch auf künstlich hergestellte Alternativen und mit über 90 Prozent des weltweit eingesetzten Vanillins auf synthetisch nachempfundenes Vanillin, das nicht aus der Vanilleschote stammt.

Die Lebensmittelindustrie verwendet zudem andere natürliche Aromastoffe, um ihren Produkten einen Vanillegeschmack zu verleihen. In einem Vanille-Joghurt müssen zum Beispiel "natürliche Aromen" im Zutatenverzeichnis zwar aus einem Naturstoff gewonnen sein, nicht jedoch aus der echten Vanille. Beim Einkauf von Vanilleprodukten finden Verbraucher zudem Lebensmittel mit der Bezeichnung "Vanilla". Dieser Kunstbegriff ist weder geschützt noch lebensmittelrechtlich verbindlich definiert.

Wie erkennen Verbraucher, ob echte Vanille verarbeitet wurde?

Lassen Sie sich nicht von schönen Abbildungen und blumigen Werbeversprechen auf der Vorderseite des Produkts täuschen! Wichtig ist das Zutatenverzeichnis: Sind "gemahlene Vanilleschoten", "natürliches Vanillearoma" oder "Vanilleextrakt" angegeben, müssen tatsächlich Bestandteile echter Vanille enthalten sein. Wird "Vanillearoma" oder "Aroma" angegeben, können diese chemisch-synthetisch hergestellt worden sein.

  • "Gemahlene Vanilleschoten" sind klassische Lebensmittelzutaten, keine Aromen.
  • "Natürliches Vanillearoma" muss zu mindestens 95 Prozent aus der Vanille stammen, die restlichen fünf Prozent dürfen mit Fremdaromen zur Standardisierung oder zur Verleihung einer zum Beispiel reiferen, schärferen oder frischeren Aromanote verwendet werden.
  • "Vanille-Extrakt" wird mittels alkoholischer Extraktion der Aromastoffe aus der Vanilleschote gewonnen. Es enthält neben dem natürlich enthaltenen Vanillin mehr als 100 weitere Aromastoffe und darf auch natürliches Vanillearoma genannt werden.
  • "Natürliches Aroma" muss nicht aus der Vanille stammen, sondern kann aus anderen Naturstoffen gewonnen sein, zum Beispiel mikrobiell aus Ferulasäure (aus Reiskleie) oder aus Lignin (ein Stoff in pflanzlichen Zellwänden).
  • "(Vanille-)Aroma" muss nicht aus der Vanille oder anderen Naturstoffen gewonnen werden, sondern kann auch chemisch-synthetisch hergestellt sein. Dieses synthetische Vanillin unterscheidet sich von natürlichem Vanillin durch Ausgangsstoffe und Herstellungsverfahren.
  • Bourbon-Vanille muss von den so genannten Bourbon-Inseln (Madagaskar, Komoren, Réunion, Seychellen und Mauritius) stammen.

Die Lebensmittelindustrie vermarktet Vanilleprodukte gerne mit Abbildungen von Vanilleblüten oder -schoten auf den Schauseiten dieser Produkte. Stichproben der Verbraucherzentrale NRW haben gezeigt, dass sich der Verbraucher allein durch Bilder auf der Produktvorderseite nicht darauf verlassen kann, dass die Produkte auch tatsächlich echte Vanille enthalten. Ob das der Fall ist, offenbart erst die Zutatenliste, auf der Rückseite. Konkrete rechtliche Empfehlungen für die Aufmachung und Bebilderung von Vanilleprodukten gibt es zum Beispiel für Milchprodukte nicht. Leitsätze dazu gelten bislang nur für Speiseeis sowie Tee und teeähnliche Erzeugnisse.

Forderung der Verbraucherzentrale

Nach Auffassung der Verbraucherzentrale sollten Verbraucher mindestens natürliches Vanillearoma, Vanilleextrakt oder Zutaten wie gemahlene Vanilleschoten erwarten dürfen, wenn auf Verpackungen mit Abbildungen von Vanilleblüten oder -schoten geworben wird. Sind die beworbenen Lebensmittel mit synthetischen Aromen oder Aroma aus anderen Naturstoffen versetzt, sollte darauf ausdrücklich und deutlich lesbar auf der Schauseite hingewiesen werden.