Ihr gemeinnütziger Verein für Information, Beratung, Bildung und Interessenvertretung.

Themen: Geld & Versicherungen | Digitale Welt Lebensmittel | Umwelt & Haushalt Gesundheit & Pflege | Energie | Reise & Mobilität | Verträge & Reklamation

Worauf sollte man beim Kauf eines ETF achten? Kriterien für die Auswahl

Off

ETFs sind im Vergleich zu aktiv gemanagten Investmentfonds oder Zertifikaten einfach aufgebaut und sehr transparent. Trotzdem ist es ratsam, vor dem Kauf über einige zentrale Kriterien nachzudenken. Das sind die wichtigsten:

Der abgebildete Index

Ein ETF bildet nur passiv einen Index nach, statt aktiv eigene Strategien zu verfolgen. Umso entscheidender ist, dass Anleger beim Kauf eines Produktes darauf achten, den richtigen Index für Ihr Anlageziel auszuwählen. So enthalten manche Indizes nur wenige Aktien oder werden nach schwer nachvollziehbaren Kriterien berechnet. Das ist oft bei so genannten Strategie-Indizes der Fall. Diese versuchen zum Beispiel, Aktien mit besonders hoher Dividendenausschüttung oder besonders wachstumsstarke Unternehmen in einem Index zu vereinen. Privatanleger sollten sich grundsätzlich auf etablierte Indizes großer Anbieter konzentrieren, die möglichst große Teile des Marktes abdecken und systematisch aufgebaut sind.

Für Aktien der Eurozone ist dies etwa der Dow Jones Euro Stoxx 50, für das gesamte entwickelte Europa der Dow Jones Stoxx 50 oder der noch breiter gefasste Dow Jones Stoxx 600. Für nordamerikanische Aktien kommen der S&P 500, der MSCI USA oder der MSCI North America in Frage. Der etablierte Index für Aktien aus der gesamten entwickelten Welt ist der MSCI World. Für Investitionen in Schwellenländer hat sich der MSCI Emerging Markets durchgesetzt. Zu allen genannten Indizes existieren ETFs von verschiedenen Anbietern.

Anleihenindizes sind generell weniger bekannt als Aktienindizes. Aber auch hier gilt: Anleger sollten schauen, was in einem Index steckt. Wichtig sind etwa die Restlaufzeiten der enthaltenen Anleihen, die Kreditwürdigkeit (Bonität) der Emittenten und die Währung, in denen die Anleihen notieren. Entsprechende Informationen sind auf den Websites der Anleger oder in Finanzinformationsportalen im Internet zu finden.

Die Kosten und der Tracking Error

Grundsätzlich sind fast alle ETFs günstig. So verlangen aktiv gemanagte Aktienfonds oft eine Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent im Jahr - oder sogar noch mehr. Bei ETFs liegt die Verwaltungsgebühr dagegen in aller Regel deutlich unter einem Prozent. Trotzdem gilt auch hier: Es ist wichtig, die Produkte mehrerer Anbieter zu vergleichen. Es gibt zum Beispiel Anbieter, die sich im Fondsprospekt ausdrücklich die Möglichkeit vorbehalten, Vertriebsprovisionen an Banken und andere Fondsvermittler zu zahlen. Solche Provisionen können zu höheren Kosten führen, die letztlich die Anleger tragen müssen.

Ein weiterer Faktor: Je exotischer der Index ist, den ein ETF abbildet, desto höher sind in der Regel die Kosten in Form der Verwaltungsgebühr. Auch deshalb sollten Sie sich bei der Geldanlage möglichst auf gängige Indizes beschränken.

Die Kosten haben auch Einfluss auf den so genannten Tracking Error. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein Maß dafür, wie stark die Wertentwicklung eines ETFs in der Realität von der Entwicklung des Index abweicht, den er nachbildet. Je geringer dieser Tracking Error ist, desto besser.

Die Art der Ertragsverwendung

Aktien-ETFs fließen regelmäßig Dividenden der Unternehmen zu, deren Aktien sie halten. Renten-ETFs erhalten Zinszahlungen von den Herausgebern der von ihnen gehaltenen Anleihen. Wie andere Investmentfonds auch unterscheiden ETFs sich darin, was sie mit diesen Einnahmen machen. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Möglichkeiten: ausschütten oder thesaurieren. Ausschüttende ETFs geben Dividenden und Zinsen einmal jährlich direkt an die Anleger weiter. Das Geld wird dann auf das Konto des Anlegers gebucht. Der muss dann entscheiden, was er damit tun will. Möchten sie die ausgeschütteten Mittel direkt wieder anlegen, können Kosten entstehen - zum Beispiel durch Börsengebühren. Thesaurierende ETFs dagegen investieren die ihnen zugeflossenen Mittel erneut in Aktien oder Anleihen. Zinsen und Dividenden schlagen sich in höheren Anteilspreisen nieder. Das Geld bleibt also im Fonds, und Anleger müssen sich keine Gedanken über die Wiederanlage machen. Allerdings haben sie auch keine laufenden Einnahmen.

Ausschüttende und thesaurierende ETFs können sich zudem in der steuerlichen Behandlung unterscheiden. Wenn Sie in dieser Hinsicht sicher gehen wollen, sollten Sie Ihren Steuerberater fragen.

Das Fondsvolumen

Bei diesem Kriterium gilt eine einfache Regel: Ein Fonds sollte nicht zu klein sein. Denn: Je geringer das in einem ETF verwaltete Vermögen ist, desto größer die Gefahr, dass die Fondsgesellschaft den Fonds irgendwann schließt. Das ist zwar keine Katastrophe, kann aber zusätzliche Kosten für die Wiederanlage von Mitteln verursachen. Größere Anbieter haben in dieser Hinsicht einen Vorteil, weil auch ihre Fonds oft mehr Mittel verwalten. Und weit verbreitete Indizes sind einmal mehr besser als exotische. Sie sollten sich daher immer vorab informieren wie groß das Volumen des Indexfonds ist, in den Sie investieren wollen. Weiterhin sollten Sie beachten, dass die Wertpapiere aus weit verbreiteten Indizes deutlich mehr gehandelt werden als die aus exotischen Indizes.

Der Aufbau des Fonds

ETFs bilden Indizes vor allem auf zwei Arten nach: Entweder halten sie tatsächlich alle Aktien eines Index direkt - und zwar im gleichen Verhältnis, wie sie auch im Index vertreten sind. Dieses Verfahren heißt volle Replikation (Nachbildung). Das zweite wichtige Verfahren ist die synthetische Replikation, also die künstliche Nachbildung. Dabei hält ein ETF irgendwelche Wertpapiere direkt und schließt gleichzeitig einen Vertrag mit einer Bank ab. Die verpflichtet sich, die Unterschiede zwischen der Entwicklung des Index und des vom Fonds gehaltenen Aktienkorbes auszugleichen. Ausführliche Erklärungen der verschiedenen Verfahren zur Indexabbildung finden Sie im Text "Wie baut ein ETF einen Index nach?".