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Unterschiedliche Preise im Netz

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Preise in Online-Shops unterliegen starken Schwankungen: Die meisten Online-Händler ändern regelmäßig die Preise für Teile ihres Sortiments.
  • Eine Untersuchung der Marktwächter zeigt: Preise können sich innerhalb kurzer Zeit auch schon einmal mehr als verdoppeln.
  • Entscheidend für den Preis im Netz ist vor allem der Zeitpunkt des Kaufs.
  • Nehmen Sie sich deshalb Zeit und beobachten und vergleichen Sie Preise vor dem Online-Kauf aufmerksam. Einige Tipps helfen dabei.
Online Shopping am Smartphone
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Einheitspreise gehören beim Online-Shopping längst der Vergangenheit an. Welche Preise Ihnen online angezeigt werden, kann von vielen Faktoren abhängen. So können Zeitpunkt des Kaufs, Ihr individuelles Surfverhalten, Ihr verwendetes Endgerät oder Ihr Wohnort dazu führen, dass Ihnen in ein und demselben Online-Shop unterschiedliche Preise angezeigt werden.

Dynamic Pricing: Preissprünge innerhalb kürzester Zeit

Darüber wie und in welchem Umfang Online-Händler dynamische Preise einsetzen, gab es bisher nur wenig gesicherte Erkenntnisse. Um das zu ändern, haben die Marktwächter-Experten der Verbraucherzentrale Brandenburg 34 Tage lang die Preise ausgewählter Händler beobachtet. Das Ergebnis: Im Extrem wurde der Preis für ein und dasselbe Produkt in dieser Zeit bis zu 32 Mal geändert. Mehr als jedes dritte untersuchte Produkt war innerhalb der beobachteten 34 Tage Preisschwankungen ausgesetzt und knapp zwei Drittel der variierten Preise änderten sich bis zu drei Mal, 36 Prozent sogar vier- bis 15 Mal.

Bei der Höhe der Preisanpassungen ergaben sich ebenfalls große Unterschiede: Rund ein Drittel der Preise wurde teils mehr als verdoppelt. Im Falle eines Handys von Mediamarkt lagen im selben Shop ganze 220 Euro zwischen dem niedrigsten und dem höchsten angebotenen Preis.

Der Zeitpunkt macht den Unterschied

Ob Abend oder Morgen – entscheidend für den angezeigten Preis ist auch der Zeitpunkt: Beim Online-Händler ATU waren im Untersuchungszeitraum Autobatterien oder Reifen jeweils am Vormittag teils bis zu 30 Prozent teurer als am Nachmittag zuvor. Bei den Versandapotheken DocMorris und Sanicare gingen an einzelnen Tagen Preissenkungen mit Preiserhöhungen anderer Artikel einher.

Unsere Tipps zum Umgang mit Dynamic Pricing

  • Es empfiehlt sich generell, Preise online aufmerksam zu beobachten. Wie die Untersuchung zeigt, vor allem auch zu unterschiedlichen Tageszeiten.
  • Gerade bei größeren, teuren Anschaffungen kann sich ein Preisvergleich über einen längeren Zeitraum rentieren. Hierfür können sich auch Vergleichsportale eignen.
  • Bestellen Sie zusätzlich zu heruntergesetzten Produkten noch weitere Artikel, sollten Sie besonders aufpassen.
  • Weitere Tipps rund um das Thema Online-Handel haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Anderer Käufer, anderer Preis

Welcher Preis Ihnen online angezeigt wird, kann über das Dynamic Pricing hinaus auch von Faktoren wie Ihrem individuellen Surfverhalten, dem verwendeten Endgerät oder Ihrem Wohnort abhängen. Um zu verhindern, dass Sie deswegen drauf zahlen müssen, können diese Tipps helfen:

  • Schauen Sie sich einen Artikel mehrfach an, signalisiert das dem Händler ein Kaufinteresse. Das kann dazu führen, dass Ihnen ein höherer Preis angezeigt wird. Gucken Sie sich deswegen - gerade bei teuren Produkten - dasselbe Angebot auch mit einem anderen Browser an. Wichtig ist dabei, dass beim Zweitbrowser keine Cookies gespeichert sind, die ebenfalls zu unterschiedlichen Preisen führen können. Über die Einstellungen können Sie die Cookies in Ihrem Browser löschen.
  • Stöbern Sie in Online-Shops nicht im eingeloggten Zustand, sondern melden Sie sich im Idealfall erst an der Kasse an. Als angemeldeter Nutzer kann der Online-Händler Ihre Kaufvorlieben problemlos analysieren und Ihre Preise dementsprechend anpassen.
  • Wenn Sie mit dem Smartphone oder Tablet einkaufen, vergleichen Sie den Preis noch einmal über den Browser am PC oder Laptop. Preisunterschiede können häufig auch vom verwendeten Endgerät abhängen.
  • Über die IP-Adresse bekommt der Online-Händler unter anderem Hinweise über Ihre Herkunft. Algorithmen können hieraus Rückschlüsse auf Ihre Finanzkraft ableiten. Kommen Sie aus einer wohlhabenden Region, ist es möglich, dass Sie mehr bezahlen müssen, als Käufer aus finanzschwachen Regionen.
    Mit einem VPN-Dienst (Virtual Private Network) können Sie diese Art des Dynamic Pricing umgehen und Ihre IP-Adresse verbergen bzw. ändern: Ein VPN verschlüsselt Ihre Internetverbindung. So bleiben Ihre Daten (z.B. Ihr Standort) geheim.

Unterschiedliche Preise mindern Vertrauen

Die Verbraucherzentralen kritisieren die Experimente der Online-Händler: Die fehlende Preis-Transparenz im Netz lässt das Vertrauen der Kunden schwinden. Am Ende könnte sich der Online-Handel mit seinen Preisexperimenten so selbst schaden. Denn Preis-Studien zeigen: Fast ein Drittel der Kunden empfindet einen Händler, der seine Preise ständig ändert, als weniger zuverlässig und kauft beim nächsten Mal mitunter woanders.

Allerdings können sich Preisschwankungen zukünftig durch eine verstärkte automatisierte dynamische Preissetzung sogar noch intensivieren. Dann müssen Verbraucher – ähnlich wie Börsenhändler – fallende und steigende Preise noch intensiver in den Blick nehmen, was den Zeitaufwand für einen Preisvergleich deutlich erhöhen kann.