Ihr gemeinnütziger Verein für Information, Beratung, Bildung und Interessenvertretung.

 

Energiesparmythen: Zwischen Legende und Wirklichkeit, Teil 2

Pressemitteilung vom
Die Energieberatung der Verbraucherzentrale schaut sich die größten Energiesparwunder an und ordnet sie ein.
Aus einem Duschkopf fließt Wasser

Private Haushalte nutzen die meiste Energie für Raumheizung und Warmwasserbereitung. Gute Wärmedämmung und effiziente Heizung helfen, den Energieverbrauch zu minimieren. Daneben existieren allerlei Mythen und Legenden. 

Off

Können chemische Zusätze im Heizungswasser Energie einsparen?

Hersteller von Zusätzen oder Flüssigkeiten, die das Heizungswasser vollständig ersetzen sollen, versprechen mitunter enorme Energieeinsparungen. Kann das stimmen? „In den allermeisten Heizungsanlagen sind chemische Zusätze oder Ersatzflüssigkeiten unnötig. Und Energie wird damit auch nicht eingespart“, sagt Carina Vogel, Expertin der Energieberatung der Verbraucherzentrale. Nicht selten sind solche Wundermittel teuer. So muss in einem Einfamilienhaus in der Regel mit einem vierstelligen Betrag gerechnet werden. Und das bei zweifelhaftem Nutzen.
Maßgeblich für den Energieverbrauch sind der Wärmeverlust des Gebäudes und die Temperaturen in der Heizungsanlage. Die Wärmeverluste der Heizungsanlage lassen sich durch eine Begrenzung der Temperaturen sowie eine gute Wärmedämmung der Heizungsrohre niedrig halten. Bei Öl- und Gaskesseln ist außerdem die Abwärme über den Schornstein zu beachten. Welche Flüssigkeit im Heizkörper zirkuliert, spielt dabei keine Rolle. Energieexpertin Carina Vogel rät daher: „Wer Energie sparen will, sollte einen hydraulischen Abgleich durchführen lassen und die Vorlauftemperatur der Heizung dem Wärmebedarf entsprechend absenken.“

 

Spart ein Sparduschkopf wirklich warmes Wasser ein?

Etwa 15 Prozent der Energiekosten eines Haushaltes gehen auf die Bereitung von Warmwasser zurück. Das meiste davon wird im Haushalt zum Baden oder Duschen benötigt. Der Warmwasserverbrauch lässt sich einfach und schnell reduzieren.

  • Kurzes Duschen statt ausgiebiges Baden: Eine normale Badewanne fasst etwa 140 Liter Wasser. Ein handelsüblicher Duschkopf hat einen Wasserdurchfluss von zehn bis 15 Litern pro Minute. Läuft die Dusche also weniger als neun Minuten, verbraucht eine Dusche weniger Wasser als ein Bad.
     
  • Es kommt auf die Durchflussmenge an: Ein Sparduschkopf kann den Warmwasserverbrauch reduzieren. Je nach Modell und Wasserdruck kann die Durchflussmenge um die Hälfte reduziert werden. Bei herkömmlichen Duschköpfen fließen etwa zehn bis 15 Liter Wasser pro Minute. Wer mit einem handelsüblichen Duschkopf neun Minuten bei 38 °C duscht, zahlt pro Duschgang circa 1,50 Euro. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 560 Euro. Wellness- oder Regenduschen befördern sogar bis zu 20 Liter in der Minute in den Abfluss.

 

Kann der Heizenergieverbrauch mit Energiesparfarbe verringert werden?

In der Werbung versprechen Hersteller spezieller Anstriche immer wieder, dass mit ihren Produkten Heizenergie einzusparen wäre. Während die nachträgliche Wärmedämmung meist mit einer aufwändigen Sanierung einhergeht, verheißen Energiesparfarben einen Wärmeschutz zu deutlich günstigeren Preisen.
„Um in Bestandsgebäuden den Heizenergiebedarf nennenswert zu reduzieren, ist eine nachträgliche Dämmung erforderlich. Sinnvoll ist für die Putzfassade der Außenwände beispielsweise ein Wärmedämmverbundsystem“, so Vogel. Ein Anstrich kann die nachträgliche Wärmedämmung nicht ersetzen. Bestenfalls wird damit ein zusätzlicher Nutzen erzielt. Die merkliche Einsparwirkung allein durch einen Anstrich schließt die Expertin aus. Maßgeblich für die Wirksamkeit einer Wärmedämmung ist der U-Wert, der von der Wärmeleitfähigkeit des Materials und der Dicke der Dämmung bestimmt wird. Da ein Anstrich nur wenige Millimeter dick ist, während eine typische nachträglich angebrachte Dämmschicht 150 bis 200 Millimeter erreicht, kann die Dämmfarbe nur einen sehr begrenzten Einfluss auf den Hitze- und Kälteschutz haben.

 

Bei Fragen zu konkreten Produkten oder weiteren Energiesparmythen hilft die Energieberatung der Verbraucherzentrale mit ihrem umfangreichen Angebot weiter. Die Beratung findet online, telefonisch oder in einem persönlichen Gespräch statt. Unsere Energie-Fachleute beraten anbieterunabhängig und individuell. Mehr Informationen gibt es auf www.verbraucherzentrale.sh/energieberatung oder 0800 – 809 802 400 (bundesweit kostenfrei) und 0431 – 590 99 40. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Über uns:

Die Energieberatung der Verbraucherzentrale bietet das größte unabhängige Beratungsangebot zum Thema Energie in Deutschland. Seit 1978 begleitet sie private Verbraucher mit derzeit über 900 Energieberatern und an mehr als 900 Standorten in eine energiebewusste Zukunft. Jedes Jahr werden mehr als 180.000 Haushalte zu allen Energie-Themen unabhängig und neutral beraten, beispielsweise Energiesparen, Wärmedämmung, moderne Heiztechnik und erneuerbare Energien. Die durch die Beratungen eines Jahres bewirkten Energieeffizienzmaßnahmen führen zu einer Einsparung an Energie, die einem Güterzug von über 100 km Länge voller Steinkohle entspricht.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.
Mercedes GLK auf einem Parkplatz

Diesel-Urteil: Musterklage gegen Mercedes erfolgreich

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte im Zuge des Diesel-Skandals im Jahr 2021 eine Musterfeststellungsklage gegen die Mercedes-Benz Group AG eingereicht. Das Oberlandesgericht Stuttgart entschied, dass Mercedes Verantwortung für die bewusste Manipulation von Abgaswerten übernehmen muss.
Hausfront mit mehreren Balkonen mit Steckersolarmodulen

Neue Gesetze und Normen für Steckersolar: Was gilt heute, was gilt (noch) nicht?

Für Balkonkraftwerke gelten zahlreiche Vorgaben, die politisch oder technisch definiert sind. Was ist heute erlaubt und was nicht? Verschaffen Sie sich einen Überblick über Änderungen und Vereinfachungen.
Ein Gesundheitsgerät neben dem Wort Aufruf in einem Ausrufezeichen.

Healy: Keine wissenschaftliche Evidenz für Gesundheitsversprechen

Bei den Verbraucherzentralen beschweren sich immer mehr Menschen über das Produkt "Healy". Verkäufer:innen behaupten, das Medizinprodukt würde beispielsweise bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder Depressionen helfen. Die Wirksamkeit von "Healy" ist aber nicht wissenschaftlich bewiesen.