Ihr gemeinnütziger Verein für Information, Beratung, Bildung und Interessenvertretung.

Themen: Geld & Versicherungen | Digitale Welt Lebensmittel | Umwelt & Haushalt Gesundheit & Pflege | Energie | Reise & Mobilität | Verträge & Reklamation

Sauerkirsche zur Harnsäuresenkung?

Stand:
Off

Frage

Sind Sauerkirschen als Pulver oder Extrakt wirklich zur Harnsäuresenkung oder als Mittel für besseren Schlaf geeignet?

Antwort

Sauerkirschen - speziell der Sorte "Montmorency" - werden von der Werbung vielfältige Wirkungen zugesprochen, wie die Senkung von Harnsäure im Blut oder Urin, die Reduktion von Gichtanfällen oder eine verbesserte Schlafqualität.

Die bisherigen Studienergebnisse können die teilweise euphorisch beworbenen, angeblichen "Wunder"-Wirkungen allerdings nicht belegen:

  • Die einzige klinische Studie (2020) mit 50 Teilnehmern aus Neuseeland fand über einen vierwöchigen Beobachtungszeitraum keinen Effekt des Kirschkonzentrates auf die Harnsäurekonzentration oder die Häufigkeit von Gichtanfällen.
  • Die wenigen anderen Studien sind nicht aussagekräftig. Sie wurden uneinheitlich durchgeführt - einige mit Sauerkirschen, andere mit Kirschextrakt, wieder andere mit frischem oder konzentriertem Kirschsaft. Teilweise wurden zusätzlich Medikamente wie Allupurinol eingenommen und es nahmen nur wenig Probanden teil.
  • Sauerkirschen enthalten geringe Mengen Melatonin. Aber auch hier ist die Studienlage nicht ausreichend, um eine klare positive Wirkung einer bestimmten Menge Saft oder Extrakt auf einen gesunden Schlaf zu belegen.

Es ist daher unklar, in welcher Form (frische Kirsche? Saft? Extrakt? usw.), welcher Art von Extrakt, in welcher Dosierung und über welchen Zeitraum ein Verzehr überhaupt empfehlenswert wäre.

Bisher gibt es auch keine ärztliche Organisation, die Kirsch(saft)pulver oder -extrakt, zum Beispiel in ihren Leitlinien, als mögliche nichtmedikamentöse Therapie zur Vorbeugung oder Behandlung von Gicht oder Schlafstörungen empfiehlt.

Pulver oder Extrakte von Montmorency-Sauerkirschen werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Wie der Name schon sagt, sollen Nahrungsergänzungsmittel die Nahrung ergänzen, sie dürfen aber nicht damit beworben werden, Krankheiten zu heilen oder zu lindern, also auch nicht erhöhte Harnsäurewerte zu senken. Für den Verkauf als Arzneimittel wären ein wissenschaftlich nachgewiesener Nutzen, eine Sicherheitsüberprüfung und eine Zulassung notwendig. Gegenanzeigen, Neben- und Wechselwirkungen müssten genannt werden.

Pflanzlich“ bedeutet nicht, dass die Produkte keine Nebenwirkungen haben können. Unklar ist insbesondere die Sicherheit der langfristigen Einnahme von hochdosierten Extrakten.

Im Gegensatz zum Verzehr von Extrakten sehen wir den Verzehr von Kirschen oder Kirschsaft als eher unbedenkliche Möglichkeit, eine Gichttherapie (im Rahmen einer Ernährungstherapie) zu unterstützen. Wir empfehlen Ihnen trotzdem, diesbezüglich ärztlichen Rat einzuholen - auch dazu, welche medikamentösen oder nichtmedikamentösen Therapieformen zur Senkung der Harnsäurewerte bzw. zur Vorbeugung von Gichtanfällen zu empfehlen sind. Das Gleiche gilt, wenn Sie Probleme mit Schlafstörungen haben.