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Wärmepumpe statt Ölheizung – da braucht's doch keine Wärmedämmung, oder?

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„Eine Luft-Wärmepumpe als einzige Heizung im Altbau und ohne Wärmedämmung – das ist riskant“, warnt Energieberater Helge Pfingst.

Energieberater Helge Pfingst

"Manche Energieberatungen gehen ganz anders aus, als man anfangs denkt. Nicht nur für mich als Berater, auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Das zeigt die Geschichte eines Ehepaars im mittleren Alter, das eine Energieberatung zu Hause wünschte. Die beiden suchten ursprünglich nur nach einer Alternative für ihre Ölheizung aus dem Jahr 1989. Weiterhin mit Öl zu heizen, kam für beide nicht infrage. Stattdessen dachten sie daran, künftig Erdgas oder erneuerbare Energien zu nutzen. Speziell war das Ehepaar an einer Luft-Wärmepumpe interessiert. 

Bevor ich beurteilen kann, ob die Wünsche der Verbraucherinnen und Verbraucher umsetzbar sind, verschaffe ich mir immer erst gemeinsam mit den Hauseigentümern einen ausführlichen Überblick über den energetischen Zustand des Hauses. Wir kamen auf die Wände und Fenster des Einfamilienhauses zu sprechen. Der Ehemann war überzeugt, dass die Leichtbetonwände von 1965 bereits einen guten Wärmeschutz bieten würden. Eine Dämmung wäre daher nicht nötig. Außerdem hielt er sowieso nicht viel von Fassadendämmungen, er hatte schon so einige negative Geschichten aus dem Bekanntenkreis dazu gehört. Einen Austausch der rund 30 Jahre alten Fenster hingegen konnte sich das Ehepaar vorstellen. Ein Fassadenanstrich ebenso - aber bitte keine Dämmung, so der Tenor.

Mir wurde klar, dass das Ehepaar hier gleich vor zwei Fehlentscheidungen stand. Denn: Die Fenster auszutauschen, ohne die Fassade zu dämmen oder eine Lüftungsanlage einzubauen, erhöht das Risiko für Feuchte und Schimmel deutlich. Außerdem ist der Einbau einer Luft-Wärmepumpe als einzige Heizung in einem Altbau, wie es das Ehepaar bewohnt, ebenfalls riskant. Denn das Haus ist nicht gedämmt, die Luft-Wärmepumpe müsste mit einer hohen Vorlauftemperatur arbeiten. Das würde über kurz oder lang den Stromverbrauch des Haushalts in die Höhe treiben. Die Luft-Wärmepumpe würde unter diesen Voraussetzungen zudem schnell an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit geraten, laute Betriebsgeräusche wären die Folge. Ärger mit den Nachbarn und Frustration über die Entscheidung für die Luft-Wärmepumpe wären programmiert.

In einem ausführlichen Gespräch erläuterte ich dem Ehepaar, warum besonders in ihrem Fall eine Wärmedämmung sinnvoll ist, ging auf ihre Bedenken ein und konnte viele davon entkräften. So wussten beide bisher nicht, dass es neben der bekannten Polystyrol-Dämmung noch viele weitere Dämmstoffe gibt. Nicht wenige davon werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Außerdem bietet eine Fassadendämmung nicht nur einen wirksamen Schutz vor Kälte, sondern hält im Sommer auch die Hitze draußen. Statt einer Luft-Wärmepumpe empfahl ich den Eigentümern eine Erd-Wärmepumpe. Denn diese kann auch bei höheren Vorlauftemperaturen, die bei Heizkörpern nötig sind, sowie bei geringeren Außentemperaturen noch einen ordentlichen Wirkungsgrad erzielen.

Da das Ehepaar ohnehin geplant hat, die Fassade neu zu streichen, sind die zusätzlichen Kosten für eine Wärmedämmung gar nicht so hoch und durch Fördermittel lassen sich die Kosten noch weiter reduzieren. Eine Erd-Wärmepumpe kostet zwar mehr als eine Luft-Wärmepumpe, wird aber auch besser gefördert und die Betriebskosten fallen durch den geringeren Strombedarf kleiner aus.

Am Ende der Beratung tendierte das Ehepaar dazu, den Wärmeschutz doch in ihre Modernisierung einzuschließen und die neue Heizung an ihren künftigen Bedarf anzupassen. Geholfen hat den beiden dabei sicher auch mein Hinweis auf verschiedene Fördermittel, die sie für ihr Vorhaben beantragen können."