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Vorsorge treffen für den Ernstfall - Auf die lange Bank schieben?

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Letzte Woche hatten wir ihn, diesen Fall in der Beratung: Eine weinende Frau, mit der Situation allein gelassen, die Kinder sind noch klein, und völlig unerwartet hatte der Ehemann einen Schlaganfall. Eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht war nicht vorhanden. Damit könne man doch nicht rechnen.

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Kann man auch nicht, aber Vorsorge sollte trotzdem jeder treffen. Alle drei Minuten ereignet sich in Deutschland ein neuer Schlaganfall. 20 % der Schlaganfall-Patienten sind unter 60 Jahre alt. Jeder, egal welchen Alters, kann von einer solchen Situation betroffen sein und jeder kann vorsorgen. Dazu sollten drei Dokumente erstellt werden: die Patientenverfügung, die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung.

Die Patientenverfügung regelt die Durchführung oder Nichtdurchführung medizinischer Behandlungen. Es kann sich dabei zum Beispiel um lebenserhaltende Maßnahmen, künstliche Ernährung oder Wiederbelebungsmaßnahmen handeln. Die Verfügung richtet sich an die behandelnden Ärzte und gegebenenfalls an den Bevollmächtigten, der im Zweifel die Behandlungswünsche durchsetzen soll. Sie regelt höchstpersönliche Entscheidungen, für die man sich vorab genügend Zeit nehmen sollte.

Allein die Tatsache, Mutter, Vater oder Ehepartner zu sein, reicht für eine Vertretung nicht aus. Diese kann man durch eine Vorsorgevollmacht regeln. Darin wird der Bevollmächtigte befugt, Erklärungen abzugeben, Verträge zu schließen oder vor Gericht aufzutreten. Durch die Vollmacht können alle wirtschaftlichen und rechtlichen Angelegenheiten oder nur bestimmte Bereiche abgedeckt werden. Die Vollmacht kann auch aufgeteilt werden, sodass unterschiedlichen Personen bestimmte Bereiche zugeordnet werden. Auch kann ein Ersatzbevollmächtigter beauftragt werden. In einigen Fällen ist eine notarielle Beglaubigung der Vollmacht vorgeschrieben. Bei Bankgeschäften verweisen viele Banken auf ihre eigenen Vorsorgevollmachten. Wenn eine gültige Vorsorgevollmacht vorliegt, kann sich eine Betreuungsverfügung erübrigen.

Mittels einer Betreuungsverfügung ist es möglich, vorab eine Person des Vertrauens zu bestimmen, die vom Gericht im Fall des Falles als rechtlicher Betreuer eingesetzt oder auf keinen Fall eingesetzt werden soll. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn die Person an einer schweren Demenz erkrankt ist oder im Koma liegt.

Eine Änderung oder ein Widerruf der Verfügungen ist jederzeit möglich, solange beim Verfügenden bzw. Vollmachtgeber noch Geschäftsfähigkeit vorliegt. Darüber hinaus sollte man sich gut überlegen, wem man so viel Vertrauen entgegen bringt, aber auch, wem man diese Last aufbürdet, dass derjenige im Fall der Handlungs- und Entscheidungsunfähigkeit rechtswirksam tätig sein soll.

Dieses Thema ist sehr komplex und daher ist es empfehlenswert, sich durch einen Juristen beraten zu lassen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein bietet hierzu die passende Beratung an.

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