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"Sofort Bargeld" – Autohandel à la carte

Stand:

Wer kennt es nicht? Man kommt zu seinem Auto und sieht schon von weitem viele kleine bunte Kärtchen in jeglichen Regenbogenfarben um die Wette strahlen. Sie klemmen unter den Scheibenwischern oder am Seitenfenster: Visitenkarten von Gebrauchtwagenhändlern.

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Hanna Doreen Jeske

Oft werden sie von den Fahrzeugbesitzern als lästig empfunden und umgehend weggeworfen. Der beworbene Autohandel selbst ist nicht illegal.

Ganz anders sieht es mit dem Verteilen der Visitenkarten aus. In rechtlicher Hinsicht handelt es sich hierbei um eine sog. genehmigungspflichtige Sondernutzung. Denn die Verteilung von Visitenkarten zum gewerblichen Zweck geht über den Gemeingebrauch von öffentlichen Straßen und Parkplätzen hinaus. Der Zweck eines öffentlichen Parkplatzes besteht lediglich im Parken, Anfahren und Abfahren und darin, dass Fußgänger zu ihrem Auto gehen oder dieses verlassen. So entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf im August 2010.

Das hatte zur Folge, dass ein Gebrauchtwagenhändler zu einer Geldbuße in Höhe von 200 Euro verurteilt wurde. In den meisten Fällen werden die Werbekärtchen im Schutz der Dunkelheit verteilt, sodass es schwierig wird, jemanden für das Verteilen der Kärtchen haftbar zu machen.

Die Telefonnummern auf den Karten bringen nicht viel, um gegen die Kartenstecker vorzugehen. Ruft man dort an, meldet sich der Händler nicht mit Namen oder Adresse. Eine Rückverfolgung der Telefonnummer ist ohne richterlichen Beschluss nicht möglich. Damit bleibt also nur die Möglichkeit, die Autohändler auf frischer Tat zu ertappen und das Ordnungsamt umgehend zu informieren.

Umweltfreundlich ist diese Art zu werben ganz sicher auch nicht. Denn leider werfen viele genervte Autobesitzer die Kärtchen einfach auf die Straße.

Allerdings gibt es auch einige, die sich für einen Verkauf an solch einen Autohändler entscheiden. Hierbei raten wir zur Vorsicht. Informieren Sie sich gut über den Wert Ihres Wagens und lassen Sie sich nicht überrumpeln. Wer Interesse daran hat, seinen PKW privat zu verkaufen, sollte diesen zunächst von einem Experten begutachten lassen oder zumindest vergleichbare Preise auf Gebrauchtwagenportalen recherchieren. Weiterhin ist es sinnvoll, ein Vertragsformular mit einem Haftungsausschluss beim Verkauf zu verwenden, damit der Verkäufer nicht zwei Jahre lang dafür haften muss, wenn Mängel am Fahrzeug entstehen.

Was meinen Sie zu den kleinen bunten Kärtchen an Ihrem Auto? Würden Sie Ihr Auto an solch einen Autohändler verkaufen?