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Smartmeter – Wirklich schlau?

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Teuer, bringt nichts, man wird zum gläsernen Menschen, Einbau-Zwang. Das sind die Stichworte, die man häufig in der aktuellen Diskussion um die schlauen Zähler hört. Räumen Einbrecher die Wohnung leer, weil sie sehen können, wenn niemand zu Hause ist? Kann ich damit Stromkosten senken? Solchen und ähnlichen Fragen gehe ich diesmal nach!

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Smartmeter, also die schlauen Stromzähler, sind im Kommen. Im Neubau sind sie schon länger Pflicht, aber auch im Altbau wird von den Netzbetreibern verstärkt umgerüstet. Was wichtig zu beachten ist, aber die wenigsten wissen: erst ab einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh ist eine Umrüstung Pflicht. Wenn der Verbrauch geringer ist, ist eine Umrüstung freiwillig! Das heißt de facto, dass fast niemand privat dazu verpflichtet ist, seinen Zähler wechseln zu lassen.

Es kann aber auch sinnvoll sein, einen intelligenten Zähler zu verbauen. Die Gemeinschaftsaktion Stromabwärts der Verbraucherzentrale zusammen mit dem SHeff-Z zeigt deutlich, dass man bei regelmäßiger Information über den Verbrauch über 10 % an Energie einsparen kann. Zugegeben: dazu sind nur Zettel und Stift nötig, evtl. auch einer Erfassung mittels Volkszähler oder ähnlichen Projekten, welche die Daten nicht zum Stromversorger schicken, aber auch ein Smartmeter kann dabei helfen!

In den meisten Fällen lohnt der Einbau jedoch nicht, da die Kosten dafür sehr hoch sind. Zumindest ein Netzbetreiber in Schleswig-Holstein bietet den Einbau kostenfrei an. Eine Nachfrage rentiert sich also! Noch mehr rechnet sich der Gratis-Einbau, wenn es einen Tarif gibt, der Stromsparen belohnt. Auch da ist mir nur ein Anbieter bekannt, der einen solchen Tarif anbietet, aber es werden mit Sicherheit mehr werden.

Ebenso sind die Möglichkeit einer monatlichen Rechnungsstellung über den exakten Verbrauch und der Wegfall einer Pauschale aus Verbrauchersicht absolut zu begrüßen! So würde auch ein Stromdiebstahl sehr schnell bemerkt werden.

Jedoch steigt mit dem Einbau auch die Gefahr eines Datenzugriffs einer "nicht autorisierten Stelle", sprich Hacker. Aus den Daten lässt sich leider nicht nur erkennen, welches Kühlschrankmodell im Haushalt steht, sondern auch, ob Bewohner im Haus sind. Das macht Einbrüche ins Haus einfacher. Noch ist die Gefahr gering, aber was passiert, wenn der Hersteller das Smartmeter nicht mehr mit regelmäßigen Sicherheitsupdates versorgt? Dann muss wieder ein neues Gerät anschafft werden…

Das ließe sich noch machen, aber wie soll man als Verbraucher von solchen Sicherheitslücken erfahren, wenn man nicht regelmäßig einschlägige Nachrichtenseiten verfolgt? Eine Informationspflicht vom Netzbetreiber oder Hersteller gibt es nicht. Wem dies zu unsicher ist, sollte doch lieber zu Zettel und Stift greifen.

Möchten Sie unabhängig beraten werden? Termine: 0431 – 5909940. Informationen im Netz: vzsh.de Die Energieberatung der Verbraucherzentrale wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Dipl.-Ing. (FH) Florian Schmölz



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