Ihr gemeinnütziger Verein für Information, Beratung, Bildung und Interessenvertretung.

Themen: Geld & Versicherungen | Digitale Welt Lebensmittel | Umwelt & Haushalt Gesundheit & Pflege | Energie | Reise & Mobilität | Verträge & Reklamation

Handwerkerrechnungen

Stand:

Meine nette Nachbarin steht vor mir im Treppenhaus, in den Händen hält sie eine vermeintliche Rechnung: "Ofen läuft wieder – 100 Euro" heißt es auf dem blauen Zettel. Ihre verwunderte Frage an mich: "Ist das so in Ordnung?"

Off

Ich rate ihr dazu, dass sie als Privatkundin immer auf einer vollständigen Rechnung bestehen solle. Dies hat mehrere Hintergründe: Zum einen ist sie erforderlich, um die Arbeitskosten für handwerkliche Leistungen selbst steuerlich absetzen zu können. Zum anderen kann es sein, dass der Unternehmer andernfalls seinen steuerlichen Pflichten nicht nachkommt. Sollte sich rausstellen, dass die Leistung tatsächlich "schwarz" erbracht wurde, kann damit der Verlust von Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüchen für beide Parteien einhergehen.

Eine vollständige Rechnung beinhaltet Name, Adresse und Steuernummer des Handwerkers oder des Unternehmens, Name und Adresse des Bestellers, das Rechnungsdatum, die Rechnungsnummer, eine Auflistung der erbrachten Leistungen, den Zeitpunkt der Leistungen, das Entgelt in Form des Nettobetrags, den Steuersatz oder –betrag und schließlich auch den Hinweis darauf, dass den Auftraggeber die Pflicht trifft, die Handwerkerrechnung zwei Jahre lang aufzubewahren. Rechnungen kleinerer Aufträge bis 150 Euro, wie zum Beispiel für die Reparatur des Ofens, kommen hingegen mit weniger Angaben aus.

Ist der Ofen wieder funktionsfähig, die Leistung also erbracht worden, hat der Unternehmer sechs Monate Zeit, dem Kunden schriftlich seine Rechnung auszustellen. Dies kann in Papierform geschehen oder auch in digitaler Form, etwa als PDF-Datei. Ist die Rechnung nicht vollständig, kann der Unternehmer sie auch noch nachträglich berichtigen. Das vereinbarte Entgelt darf der Kunde BGH raus bis zum Erhalt einer vollständigen Rechnung zurückbehalten.

Die Nachbarin hat nachdenklich zugehört und überlegt laut: "Und wenn die Ofenreparatur genauso unvollständig ist wie die Rechnung – wie lange kann ich reklamieren?".

Mängel an einem neu hergestellten, reparierten oder verändertem Werk, inklusive Planung und Überwachung, können von Kunden nur zwei Jahre lang reklamiert werden. Dann verjähren die Kundenansprüche. Dies betrifft z.B. den reparierten Ofen. Mängel an einem Bauwerk und damit zusammenhängenden Planungs- und Überwachungsleistungen sind fünf Jahre lang geltend zu machen.

"Doch was, wenn die Rechnung zwar vollständig ist, aber auch sehr viel höher als gedacht? Welche Rolle spielt der Kostenvoranschlag?"

"Liebe Frau Nachbarin, das klären wir ein anderes Mal. Ich muss jetzt los. Meine Handwerkerin kommt gleich!"