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Google, Facebook & Co. – immer auf der sicheren Seite

Stand:

Der Aufschrei vor kurzem war groß – die Facebook-App nutzt das Mikrofon des eigenen Mobiltelefons...

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... um die Umgebung abzuhören und passgenaue Werbung für den Nutzer auszuspielen (Quelle: http://nbc4i.com/2016/05/24/spying-secrets-is-facebook-eavesdropping-on-your-phone-conversations/). Überraschend war das allerdings nicht. Bereits 2014 hatte Facebook angekündigt, die eigene App um eine Funktion zu erweitern, die Musik und Filme im Hintergrund abhören und erkennen kann. Facebook bestreitet allerdings, dass diese Funktion zu Werbezwecken genutzt wird. Und ja, offiziell wird die Funktion auch nur in den USA eingesetzt.

Nun gut, die meisten Smartphones verfügen mittlerweile über eine gute Spracherkennung. Auf Android-Geräten kann der Nutzer Google mit dem Befehl "OK Google" auffordern, verschiedene Dinge zu tun, z.B. eine bestimmte Website im Browser zu öffnen. Laut Hersteller muss diese Funktion manuell aktiviert werden. Aber wenn sie aktiv ist, dann muss das Mikrofon ständig auf Standby sein, damit die Reaktion auf das "Ok Google" auch erfolgt.

Interessant sind auch die neuen Programme, die Google kürzlich auf der eigenen Entwicklerkonferenz vorgestellt hat, und die das Unternehmen in absehbarer Zeit auf den Markt bringen will. Google Home soll beispielsweise neben der Haussteuerung, auch Verkehrsinformationen liefern, den Kalender verwalten, Essen bestellen und Restaurants reservieren können. Google Abacus könnte hingegen auf Android-Geräten das manuelle Eintippen des Passwortes ersetzen. Dazu werden z.B. die Art und die Geschwindigkeit des Tippens, bei Mobilgeräten auch individuelle Bewegungsmuster und der jeweilige Aufenthaltsort, aufgezeichnet und ausgewertet. Alles zusammen ergibt dann ein Profil, das für jede Person ganz unterschiedlich ist und als probate Alternative zum herkömmlichen Passwort genutzt werden könnte.

Das sind alles pfiffige Funktionen, die den Alltag durchaus erleichtern können, und geben wir es zu: Wie schön wäre es, wenn wir ohne Passwort auskommen könnten?

Demgegenüber steht die Preisgabe persönlicher Daten, deren Wert jeder ganz unterschiedlich einstuft. Leider ist es für den Verbraucher überhaupt nicht nachvollziehbar, welche Daten wirklich gesammelt und wie lange diese gespeichert werden.

Gehen wir von bekannten Messenger-Diensten wie z.B. WhatsApp, Threema & Co. aus, so stellt sich zusätzlich das Problem, dass diese im Vergleich zu den altgedienten SMS-Diensten nach deutschem Recht kaum fassbar sind. Diese sogenannten "Over the top"-Dienste (OTT-Dienste) "nehmen es für sich in Anspruch, dass die Datenschutzregeln und das Fernmeldegeheimnis für sie nicht gilt", so Peter Schaar, ehemaliger Datenschutzbeauftragter der BRD und Vorsitzender der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz (EAID) (https://www.tagesschau.de/inland/datenschutz-messenger-101.html ).

OTT-Dienste besitzen in der Regel keine eigenen Kommunikationsnetze, sondern nutzen nur die Infrastruktur der bekannten Netzbetreiber, wie z.B. Telekom oder Vodafone. Die Dienste selbst werden über das offene Internet erbracht, so dass bekannte rechtliche Rahmenbedingungen häufig nicht greifen. Auch dann nicht, wenn es sich um echte Konkurrenzprodukte wie Telefonie oder SMS handelt. Neben den Messenger-Diensten gibt es auch einige sehr beliebte Angebote im Video- und Audio-Bereich wie z.B. Netflix und Spotify. Allen Diensten gemein ist aber: Wie die Daten verschlüsselt sind und wie lange sie gespeichert werden, liegt allein im Ermessen des jeweiligen Anbieters.

Ist nun der Vorstoß des Landes Hessen, auch die OTT-Dienste nach deutschem Recht regulieren zu lassen, eine Idee, um der Datensammelwut der Anbieter Herr zu werden? Nein, meinen Experten wie Peter Schaar oder der Rechtswissenschaftler Hubertus Gersdorf, die entscheidende Institution zur Regulierung wäre die EU und, als wichtigster Teilnehmer in diesem Gefüge, der Verbraucher!

Da passt es gut, dass die Europäische Kommission gerade die Konsultation zur Überprüfung der sog. E-Privacy-Richtlinie durchführt. Explizit angesprochen sind die Bürger der EU, die ihre Meinung zur künftigen Datenschutzrichtlinie für die elektronische Kommunikation wiedergeben sollen. Wer also an praktischer Politik auf EU-Ebene teilhaben möchte, der sollte bis zum 5. Juli 2016 den entsprechenden Fragebogen ausfüllen:

Fragebogen zur öffentlichen Konsultation in Bezug auf die Evaluierung und Überprüfung der Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation

Und nebenbei ist es sicherlich vorteilhaft, ab und an das Mobiltelefon bzw. das Tablet richtig auszuschalten und nicht nur den "Stand-by"-Modus zu nutzen.