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Gewinnreisen: So teuer kann "gratis" sein

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Wenn der Sommer hierzulande mal wieder ins Wasser fällt, bekommt man schon einmal Fernweh. Da kommen die vielzähligen Sonderangebote gerade recht: Gratisreisen, Kurzurlaub geschenkt, Feriengewinn, Top-Hotel für lau.

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Doch oftmals handelt es sich hierbei keinesfalls um kostengünstige oder gar kostenlose Angebote. Diese Erfahrung musste auch Familie E. machen:

Per Brief wurde Frau E. mitgeteilt, dass sie angeblich Premium-Gewinnerin sei und "für bis zu 4 Personen 0,00 €" zahlen müsse. Nachdem sie den Anweisungen folgte und die rückseitige Reiseanmeldung ausgefüllt zurückschickte, bekam sie eine Buchungsbestätigung mit der Aufforderung eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 49,- € pro Person zu überweisen. Zwei Wochen später kam ein erneutes Schreiben, mit dem eine sog. Kaution in Höhe von 200,- € geltend gemacht wurde. Diese Kaution würde vor Ort mit Ausflugspaketen verrechnet werden, so die Erklärung in dem Schreiben. Dass Frau E. gar keine Ausflüge vor Ort buchen wollte, scheint hierbei egal zu sein.

Die versteckten Kosten sind vielfältig und reichen über Bearbeitungsgebühren, "Kautionen", Kosten für Ausflugspakete, Einzelzimmer- und/oder Saisonzuschläge bis hin zu den Kosten für den – meist sogar selbst zu organisierenden – Transfer ins Urlaubsland, ganz zu schweigen von den Verpflegungskosten vor Ort. Die Gratisreise ist also für den Verbraucher in den meisten Fällen keinesfalls gratis. Dem Verbraucher wird der fälschliche Eindruck vermittelt, er habe bereits einen Preis gewonnen, obwohl er tatsächlich für dessen Entgegennahme bestimmte Kosten übernehmen muss. Dass solch aggressive Praktiken von Gewerbetreibenden verboten sind, hat der EuGH bereits 2012 entschieden.

Um den dubiosen Geschäftspraktiken entgegenzuwirken, wurde auch das Gesetz dahingehend geändert, dass nunmehr ein gesetzlicher Anspruch auf den versprochenen Gewinn besteht, wenn Gewinnbenachrichtigungen den Eindruck erwecken, es sei ein Preis gewonnen worden. Einen solchen Anspruch durchzusetzen, ist jedoch sehr schwierig. Oftmals fehlt es schon an einer Anschrift des "Glückbringers". Zudem muss derjenige, der den Anspruch gerichtlich durchsetzen möchte, zunächst mit Gerichtskosten und ggf. auch mit Rechtsanwalts-kosten in Vorleistung gehen.

Wenn auch Sie vermeintlicher "Gewinner" einer Reise sind und sich nun fragen, wie Sie sich am besten verhalten sollen, stehen wir Ihnen in unseren Beratungsstellen mit Rat und Tat zur Seite.

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