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Kapitallebensversicherungen

Stand:

Die Verbraucherzentralen stehen Kapitallebensversicherungen seit jeher kritisch gegenüber.
Dieses etablierte Produkt hat zwar in den 1980er Jahren Renditen von bis zu 10 Prozent im Jahr beschert, doch seit den letzten 20 Jahren sind die Erträge für Versicherungskunden stark zurückgegangen.

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Die Verbraucherzentralen stehen Kapitallebensversicherungen seit jeher kritisch gegenüber.

Dieses etablierte Produkt hat zwar in den 1980er Jahren Renditen von bis zu 10 % p.a. beschert, doch seit den letzten 20 Jahren sind die Erträge für Versicherungskunden stark zurückgegangen. Für Versicherungsgesellschaften war diese Entwicklung dennoch kein Grund, ihren Kunden andere Produkte zu präsentieren - warum auch - die Versicherer konnten weiterhin auf stabile Einnahmen aus dem Vertrieb von kapitalbildenden Lebensversicherungen hoffen.

Vielleicht bietet die aktuelle Entwicklung der Garantieverzinsung von kapitalbildenden Versicherungen einen Anstoß für Verbraucher, die über den Abschluss einer solchen Versicherung nachdenken…

Ein Sprecher des Bundesministeriums für Finanzen hat zum 22.02.2011 bekanntgegeben, dass für neu abgeschlossene Verträge über Kapitallebensversicherungen ab dem 01.01.2012 ein Garantiezins von 1,75 % p.a. statt der bisherigen 2,25 % p.a. gilt.

 

Was dies für Sie bedeutet, möchten wir Ihnen kurz erläutern.

Dabei gehen wir besonders auf die Situation derjenigen ein, die über den Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung nachdenken und denjenigen, die bereits in eine solche einzahlen.

Interessenten

Wenn Sie sich heute für eine gemischte Lebensversicherung auf Todes- und Erlebensfall

- so die korrekte Bezeichnung einer Kapitallebensversicherung - interessieren, sollten Sie wissen, wofür eine solche Versicherung eigentlich gedacht ist, woraus sich deren Rendite ergibt und warum es bessere Konzepte gibt.

  • Eine Kapitallebensversicherung dient der Alters- und Hinterbliebenenversorgung zugleich.
    Die Versicherungsleistung wird entweder bei Tod des Versicherten oder Ablauf der vertraglich vereinbarten Laufzeit vollständig ausgezahlt. Die Laufzeiten der Versicherungen umfassen regelmäßig einen Zeitraum von 25 – 30 Jahren. Dieser Zeitraum ist auch in Hinblick auf die mit dem Abschluss einer solchen Versicherung anfallenden beachtlichen Verwaltungs- und Provisionskosten notwendig.

    Diese Kosten werden aus den Versicherungsprämien entnommen und schmälern diese Renditebasis umso mehr, je kürzer die Laufzeit des Vertrages gewählt wird. Die sich mit den Jahren anhäufenden Zinseffekte können nur bei einer langen Laufzeit die Kostenlast ausgleichen.
  • Die Rendite einer kapitalbildenden Lebensversicherung setzt sich aus der Garantieverzinsung und der sogenannten Überschussbeteiligung zusammen. Die Garantieverzinsung wird von dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) als maximale Mindestverzinsung festgesetzt.
    Diese scheinbar widersprüchliche Begrifflichkeit der "maximalen Mindestverzinsung" ist ein Sicherheitsinstrument der Finanzaufsicht. Es soll wegen der langen Laufzeiten der Versicherungsverträge gewährleistet werden, dass die Versicherungsgesellschaften auch noch in vielen Jahren den Garantiezins auszahlen können und beugt somit der Insolvenz der Versicherungsunternehmen vor.
    Der andere Renditebestandteil, die Überschussbeteiligung ist abhängig davon, ob die eingezahlten Prämien der Versicherer gewinnbringend von dem Versicherungsunternehmen eingesetzt werden konnten, ohne dabei von Verwaltungskosten aufgezehrt zu werden.
    Besondere Vorsicht ist gegenüber besonders "geschäftstüchtigen" Versicherungsvertretern geboten. Diese prognostizierten zwar stets attraktive Renditen, garantieren sie aber niemals.
  • Dass an Stelle einer kapitalbildenden Lebensversicherung andere Produkte vorzuziehen sind, folgt dem Grundsatz, dass Geldanlage und Risikovorsorge zu trennen sind.
    Zwar gibt manchen der Abschluss einer Kapitallebensversicherung das Gefühl, ein "rundum-sorglos-Paket" erworben zu haben, doch leider ist diese Kombination für nichts wirklich gut. Zur Risikovorsorge wie auch zur Kapitalanlage gibt es bessere Alternativen.
    Der Abschluss einer reinen Risikolebensversicherung zur Absicherung der Familie ist schon für wenige Euro im Monat zu erhalten. Auch sollte für einen umfassenden Schutz vor existenziellen Risiken an eine Berufsunfähigkeitsversicherung gedacht werden.
    Noch deutlicher werden die Mängel der kapitalbildenden Lebensversicherungen in Anbetracht der Geldanlage.
    Hier zehren die hohen Abschlussgebühren von bis zu 5 Prozent (http://www.verbraucherzentrale-bremen.de/themen/geld/vermittlerprovision.html) der Versicherungssumme und Verwaltungskostenquote von ca. 3 Prozent (http://www.geld.de/lebensversicherung-allgemeines-verwaltungskosten-von-lebensversicherern-auf-dem-pruefstand.html) jährlich der verdienten Bruttobeiträge schon einen Großteil der garantierten Renditen auf.
    Wer früher als ursprünglich geplant den Vertrag beenden möchte, weil das Geld benötigt wird oder der ehemals Begünstigte nicht mehr gesichert werden soll, muss mit massiven Verlusten rechnen. Auch wenn die Rechtsprechung in den letzten Jahren schon korrigierend darauf einwirkte, dass Versicherungsnehmer, die in den Anfangsjahren kündigten, einen Rückkaufswert von EUR 0,- präsentiert bekommen, bedarf es im Durchschnitt mehr als 15 Jahre, um nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten mindestens das eingezahlte Geld zurückzuerhalten.

    Vertreter von Versicherungsunternehmen erwähnen selbst eine Faustformel für die Benachteiligung von Aussteigern, nach denen die Gewinnschwelle bei einer Lebensversicherung in der Regel bei mehr als der Hälfte der Vertragslaufzeit liegt. (http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/lebensversicherung-das-teure-spiel-mit-den-rueckkaufswerten;2609445;2)

    Zu guter Letzt sei in diesem Punkt noch etwas zu den Steuervorteilen erwähnt, die häufig mit Kapitallebensversicherungen in einem Atemzug genannt werden.

    Diese Vorteile bestehen entweder nicht mehr oder gelten nur für einen sehr kleinen Personenkreis.
    Bei Versicherungen, die bis zum 31.12.2004 abgeschlossen wurden und für die zumindest die erste Prämie entrichtet wurde, sind die Zinsen und Ertragsanteile nicht als Einkünfte aus Kapitalvermögen zu versteuern, wenn die Versicherung eine Mindestlaufzeit von 12 Jahren hat. Darüber hinaus dienen unter bestimmten Voraussetzungen die Versicherungsprämien als Sonderausgaben für Vorsorgeaufwendungen zur Schmälerung des zu versteuernden Einkommens.

    Verträge, die ab dem 01.01.2005 abgeschlossen wurden, fallen in den Regelungsbereich des ebenfalls zum 01.01.2005 inkraftgetretenen Alterseinkünftegesetz. Hiernach können die Versicherungsbeträge nicht mehr als abzugsfähige Sonderausgaben behandelt werden und auch die Kapitalerträge müssen bei Laufzeiten in jedem Fall versteuert werden. Für die Höhe der individuell zu entrichtenden Steuer ist dabei auch maßgeblich, ob der Versicherte am Auszahlungstag jünger oder älter als 60 Jahre ist.
    Gelegentlich taucht im Zusammenhang mit der Kapitallebensversicherung und deren steuerlichen Behandlung auch der Begriff der Direktversicherung auf.
    Eine Direktversicherung ist nach dem deutschen Steuerrecht ein Lebensversicherungsvertrag, den der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer auf das Leben eines Arbeitnehmers (versicherte Person) bei einem in Deutschland zugelassenen Versicherer abgeschlossen hat. Bezugsberechtigt sind der Arbeitnehmer oder seine Hinterbliebenen.

    Für den Fall, dass eine Kapitallebensversicherung in Form dieser Direktversicherung abgeschlossen wurde, ist für Verträge ab dem 01.01.2005 zu beachten, dass eine steuerliche Begünstigung nur dann erreicht wird, wenn die Versicherungsleistungen als Leibrente oder Ratenzahlungen mit so genannter Restverrentung festgelegt werden.

    Fazit: Momentan stehen die Zeichen für Neukunden einer Kapitallebensversicherung sehr schlecht. Gerade für die Geldanlage bestehen attraktivere Möglichkeiten.

 

Inhaber bestehender Versicherungen

 

Wer bereits Inhaber einer Kapitallebensversicherung ist, hat im Wesentlichen vier Möglichkeiten zur Auswahl. In die Versicherung kann ohne Änderungen weiter eingezahlt werden, sie lässt sich beitragsfrei stellen und in letzter Konsequenz auch kündigen oder verkaufen.

  • Keine Veränderung am Vertrag vorzunehmen ist grade für diejenigen interessant, die zu einer Zeit Kunden geworden sind, in der ein Zins von über 3 % p.a. garantiert war.
    Auch wer kurz vor dem Erreichen der Vertragslaufzeit steht, oder für den tatsächlich steuerliche Vorteile entstehen können, sollte die Finger von dem Vertrag lassen.
  • Inhaber einer Kapitallebensversicherung haben einen Anspruch darauf, ihren Vertrag jederzeit auch ohne weitere Beitragszahlungen fortzuführen.
    Bei einer solchen Beitragsfreistellung ist unbedingt zu beachten, dass bei einem vorhandenen Berufsunfähigkeitsschutz dieser auch wegfällt oder in seinem Leistungsumfang stark reduziert wird.
    Eine solche Versicherung sollte niemand leichtfertig aufgeben.
    Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob nach der Beitragspause ein Wiedereinstieg in die Versicherung grundsätzlich möglich ist.
  • Die Kündigung einer kapitalbildenden Lebensversicherung ist der härteste Eingriff.
    Vielen Kunden ist dieser tatsächlich zu empfehlen.
  • Seit einiger Zeit etabliert sich die Möglichkeit, den eigenen Lebensversicherungsvertrag zu verkaufen. Hier sollten Sie sich zuvor beraten lassen, ob dieser Schritt tatsächlich Vorteile bringt.
  • Leider ist mit dem Wirksamwerden der Kündigung oft noch kein Schlussstrich unter das Verhältnis zur Versicherung gesetzt.
    In vielen Fällen müssen Kunden erst nachträglich Forderungen stellen, um vollständig zu erhalten, was ihnen gegenüber der Versicherungsgesellschaft zusteht.
    Wegen der hohen Abschluss- und Stornokosten ist bei vielen zwischen 1994 und 2001 geschlossenen und später gekündigten Verträgen den Kunden zu wenig Geld gutgeschrieben worden. Wenn es für die Kunden bei Vertragsschluss wegen intransparenter Regelungen nicht erkennbar war, dass eine Kündigung mit hohen Einbußen einher geht, muss die Versicherungsgesellschaft nachzahlen, so entschied der Bundesgerichtshof am 15.10.2005 (AZ IV ZR 162/03, IV ZR 177/03, IV ZR 245/03).

    Fazit: Nicht übereilt handeln, erst einmal den vorhandenen Vertrag analysieren und mit allen Alternativen vergleichen.

Ehemalige Inhaber einer Kapitallebensversicherung

Für diejenigen, die sich in der Vergangenheit bereits von einer Kapitallebensversicherung gelöst haben, bietet die Verbraucherzentrale unter folgendem Link weitere Informationen:

Lebens- und Rentenversicherungen: Nachschlag für gekündigte oder ruhende Altverträge