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Breitband oder Schmalspur?

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Einkaufen, Fernsehen gucken oder telefonieren – solche Dinge des Alltags verlagern sich immer mehr ins Internet. Dafür braucht es ein schnelles, stabiles und zukunftssicheres Netz. Nach Auffassung vieler Experten ist das nur mit Glasfasertechnologie machbar.

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Einkaufen, Fernsehen gucken oder telefonieren – solche Dinge des Alltags verlagern sich immer mehr ins Internet. Online-Arbeitsplätze oder Video-Telefonate über Kontinente hinweg gehören für viele Menschen zum täglichen Leben. In Zukunft sollen im Internet der Dinge sogar Gegenstände wie der Kühlschrank oder die Nachttischlampe "denken" lernen und sich miteinander verständigen. Dafür braucht es ein schnelles, stabiles und zukunftssicheres Netz.

Nach Auffassung vieler Experten ist das nur mit Glasfasertechnologie machbar.

Die Bundesregierung hat deshalb eine digitale Agenda aufgelegt. Bei der Umsetzung hinkt Deutschland jedoch hinter anderen Ländern her, die den Ausbau eines zukunftssicheren Netzes früher erkannt und vorangetrieben haben.

Die europäische Spitze bilden Schweden sowie die Baltikum-Staaten Litauen und Lettland: rund 35 Prozent der Haushalte haben dort einen Glasfaseranschluss. In Russland sind es immerhin knapp 30 Prozent. Deutschland liegt auf dem vorletzten Platz – hinter 27 anderen Staaten, die an einer Vergleichsstudie 2016 teilgenommen haben.

Die Ursache dafür liegt in veralteten Strukturen. Der Branchenprimus Deutsche Telekom klammert sich am altbewährten Kupferkabel fest und versucht durch das sogenannte Vectoring, den digitalen Bedürfnissen von morgen zu entsprechen.

Vectoring ermöglicht durch den Ausgleich von elektromagnetischen Störungen zwischen den Leitungen eine Verdoppelung der Bandbreite. Dafür braucht der Betreiber allerdings die Kontrolle über sämtliche Leitungen am Kabelverzweiger. Rund sechs Milliarden Euro will die Deutsche Telekom in den kommenden vier Jahren dafür ausgeben. Gut angelegtes Geld? Wohl kaum, denn früher oder später müssen die Glasfaserkabel sowieso flächendeckend verlegt werden. Das ist in etwa so, als würde Deutschland den Bau von Dampfloks vorantreiben, während der Rest Europas in modernen Passagierflugzeugen um den Globus jettet.

Juristisch gibt es auch Probleme: Bereits 2013 warnte das Bundeskartellamt, dass die Technik den Infrastrukturwettbewerb weiter schwächen könnte, hieß es in einer Stellungnahme zu einer früheren Entscheidung der Bundesnetzagentur.

"Ein zukunftsträchtiger Glasfaserausbau wäre nicht mehr möglich", sagte der Präsident des Bundesverbands Breitbandkommunikation, Norbert Westfal, Anfang des Jahres. Zugleich drohte er mit Verfassungsbeschwerde und verwaltungsrechtlichen Schritten.

Alles, aber auch wirklich alles spricht für Glasfaser: Zukunftsfähigkeit der Technologie, der Wettbewerb nach Innen und Außen, juristische Gesichtspunkte und vor allem: die Logik!