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Das ändert sich im Reiserecht für Urlauber

Pressemitteilung vom

Ab dem 1. Juli gelten neue Regeln im Reiserecht. Julia Buchweitz, Referentin für Verbraucherrechte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, erklärt anhand von vier typischen Beispielen, welche Vor- und Nachteile die Neuerungen für Urlauber bringen.
 

gepackter Koffer für die Reise

gepackter Koffer für die Reise

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Strandurlaub auf Mallorca

Renate will auf Mallorca Sonne tanken und Strandleben genießen. Bei der Buchung ist ihr ein günstiger Preis wichtig. Sie entscheidet sich für eine Pauschalreise, die mindestens zwei wesentliche Reiseleistungen wie Flug und Hotel umfasst. Mit einem Pauschalangebot ist sie in der Regel gut bedient, denn dabei hat sie mehr Sicherheit als bei einer Einzelbuchung. 

  • Bei Pauschalreisen sind Urlauber gegen eine Insolvenz des Veranstalters besser abgesichert als bei einzeln gebuchten Leistungen.
  • Der Veranstalter darf den Preis bis 20 Tage vor Reisebeginn nachträglich bis zu 8 Prozent erhöhen, wenn zum Beispiel Flughafengebühren oder Treibstoff teurer werden. In diesem Fall hat Renate zwar ein Rücktrittsrecht, findet aber so kurzfristig wahrscheinlich kein günstigeres Angebot.
  • Mit dem neuen Recht wurde die „verbundene Reiseleistung“ eingeführt. Dabei bucht der Kunde verschiedene Leistungen auf derselben Plattform und erhält für jede eine eigene Rechnung. Achtung: Dies ist keine Pauschalreise.
  • Mängel in der Unterkunft wie starken Baulärm oder Pool ohne Wasser kann Renate jetzt auch bei dem Vermittler anzeigen, bei dem sie die Pauschalreise gebucht hat. Das sind zum Beispiel Reisebüros oder Buchungsportale. Wichtig dabei sind Belege wie Fotos und Protokolle.
  • Nach neuem Recht hat sie zwei Jahre Zeit, ihre Ansprüche bei Mängeln geltend zu machen – allerdings nur, wenn sie den Mangel bereits vor Ort angezeigt hat. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird der Beweis.

Ferienhaus an der dänischen Küste

Familienvater Frank wünscht sich im Urlaub Ruhe und hat keine Lust auf feste Essenszeiten im Hotel. Er sieht sich im Internet nach einem Ferienhaus in Dänemark um. 

  • Achtung: Bei der Buchung einer Ferienwohnung gilt nicht mehr das Reiserecht, sondern das Mietrecht des jeweiligen Landes. Für Frank wird es voraussichtlich schwierig sein, sich über seine Rechte zu informieren.
  • Wenn das Haus Mängel wie eine kaputte Dusche aufweist, kann Frank nach der Reise Ansprüche geltend machen. In Deutschland einen Anwalt für dänisches Mietrecht zu finden, ist für Frank eine Hürde, um seine Rechte durchzusetzen.
  • Frank hat auch bei einer Online-Buchung Klarheit, wer sein Vertragspartner ist. Aus den Unterlagen bei der Buchung muss deutlich hervorgehen, ob das Reisebüro oder die Buchungsplattform als Veranstalter oder als Vermittler auftritt.

Tagestrip nach Hamburg mit Musicalbesuch

Mia ist 16 Jahre alt und nutzt die Ferien zum Geld verdienen. Fürs Wochenende plant sie mit Freunden eine Tagesreise nach Hamburg. Mit Anreise, Stadtrundfahrt, Abendessen, Musicalbesuch und Rückreise kostet das ganze Buchungspaket 169 Euro.

  • Diese Tour fällt nicht unter das Pauschalreiserecht. Das wäre erst bei Tagesreisen ab 500 Euro möglich. Das bedeutet: Bei einer Insolvenz des Busunternehmens würde der Ausflug unter Umständen ausfallen und Mia bestenfalls einen Bruchteil ihres Geldes zurückbekommen.

Online-Buchung für den Island-Urlaub

Milan studiert und hat lange gespart, um mit Freunden nach Island zu fliegen. Er bucht einen Flug auf der Internetseite einer Fluggesellschaft. Mit der Bestätigungs-E-Mail seiner Buchung wird er mit seinem Einverständnis von der Fluggesellschaft an ein Hotel weitergeleitet. Die Fluggesellschaft hat seine Daten bereits an das Hotel weitergegeben, so dass Milan nur noch Zimmerkategorie und Reisezeitraum auswählen muss.

  • Hier gilt die neue Click-Through-Regelung. Weil die Fluggesellschaft die Daten ans Hotel weitergegeben und Milan Flug und Hotel inner-halb von 24 Stunden gebucht hat, wird die Fluggesellschaft zum Veranstalter einer Pauschalreise.
  • Milan und seine Freunde sind nun besser abgesichert, falls etwas schief geht – wenn zum Beispiel auf Island ein Vulkanausbruch die Rückreise verzögert. Das Hotel muss den Urlaubern dann kostenlos eine möglichst gleichwertige Unterkunft für maximal drei Nächte zur Verfügung stellen.
  • Reiseveranstalter müssen bei der Buchung schriftlich über Insol-venzschutz, Rücktrittsrechte und Ansprüche auf Preisminderung bei Mängeln informieren. Dazu gehören auch Informationen über Einreisebestimmungen wie Impfungen und Visa. Fehlen diese Informationen, gilt die Reise automatisch als Pauschalreise.

Bei Problemen mit Reisebuchungen oder –verträgen können sich Betroffene bei der Verbraucherzentrale persönlich und unabhängig beraten lassen.

 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.