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Verbraucher stärken im Quartier: Neues Verbraucherschutz-Projekt in Kiel

Pressemitteilung vom

Untergeschobene Verträge, erfundene Inkasso-Forderungen, Abzocker an der Haustür – solche alltäglichen Verbraucherprobleme sind für sozial benachteiligte Menschen eine Herausforderung und haben für sie oft dramatische Folgen. Deshalb bietet die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesver-band (vzbv) seit Juli 2020 mit einem neuen Projekt Unterstützung für Verbraucher*innen, die in Kiel Gaarden und Neumühlen-Dietrichsdorf leben.

Hinweis für Journalisten: Unsere digitale Pressemappe mit Informationen, Fotos und Audio-Interviews zum Download finden Sie hier. 

Ivan Terre und Beate Odekoven vom Projekt Verbraucher stärken im Quartier in Kiel, mit Lastenfahrrad
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Sozial benachteiligte Menschen werden von Betrug und Abzocke im Verbraucheralltag besonders hart getroffen. Wer Verkaufstricks und Betrugsmaschen nicht kennt, wird besonders leicht Opfer von Abzockern. Für Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, kann schon ein Verlust von kleinen Summen erhebliche Einschränkungen im Alltag bedeuten. Ein paar hundert zu viel gezahlte Euro – zum Beispiel für einen überteuerten, untergeschobenen Handyvertrag – können dramatische Folgen wie Überschuldung nach sich ziehen. Das bundesweite Projekt „Verbraucher stärken im Quartier“ konzentriert sich deshalb auf Stadtteile, in denen viele sozial benachteiligte Menschen leben. 

Rita Hagl-Kehl, Staatssekretärin im BMJV: „Unüberlegte Vertragsabschlüsse im Internet, an der Haustür oder am Telefon, verweigerte Garantieleistungen, unverständliche Gas- oder Stromrechnungen gehören zu häufigen Ärgernissen im Verbraucheralltag. Mit dem Bundesprojekt „Verbraucher stärken im Quartier“ überwinden wir Hemmschwellen und bieten Verbraucherinnen und Verbrauchern direkt vor Ort unkompliziert Rat und Unterstützung an. Das engagierte Team der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erfährt aus erster Hand, welche Probleme und Sorgen die Bürgerinnen und Bürger in Kiel Ostufer bedrücken und kann zusammen mit ihnen gezielt nach Lösungen suchen.“

Offene Sprechstunden und Hilfe zur Selbsthilfe am Kieler Ostufer 

Die Kieler Projektmitarbeiter Beate Oedekoven und Ivan Terre wenden sich an alle Bewohner der Stadtteile Kiel Gaarden und Neumühlen-Dietrichsdorf. Sie arbeiten eng vernetzt mit anderen sozialen Einrichtungen in den Stadtteilen, um deren Informations- und Kommunikationskanäle zu nutzen, aber auch um das Angebot der Verbraucherschützer als Teil des Hilfs- und Unterstützungssystems bekannt zu machen. Dienstags und donnerstags bieten Beate Oedekoven und Ivan Terre offene, kostenfreie Sprechstunden vor Ort an. „Unser Ziel ist es, Verbraucher*innen niedrigschwellig und auf kurzem Weg in ihren Wohnvierteln bei der Lösung von Alltagsproblemen zu unterstützen, sie über Gefahren und ihre Rechte zu informieren und damit ihre Fähigkeiten zur Selbsthilfe zu stärken“, so das Projektteam. Zusätzlich bieten sie mit Infoständen in Schulen und Veranstaltungen in den Stadtteilen gezielte Prävention und Information für bestimmte Verbrauchergruppen, zum Beispiel Senioren oder Menschen mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache.

Neuer, niedrigschwelliger Zugang zur Verbraucherzentrale

„Mit diesem Angebot können wir eine Verbrauchergruppe erreichen, die bisher nur schwer den Zugang zur Verbraucherzentrale findet“, so Stefan Bock, Vorstand der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Eine kostenpflichtige Beratung stellt für diese Menschen oft eine zu hohe Hürde dar. Von dem Projekt erhoffen wir uns auch, künftig mehr über die speziellen Probleme dieser Gruppe zu erfahren.“ Die Gründe, warum diejenigen Verbraucher bisher nicht von der Verbraucherzentrale erreicht werden, können mangelnde soziale Teilhabe, sprachliche oder kulturelle Barrieren, geringe Kenntnisse rechtlicher Handlungsmöglichkeiten oder auch unzureichende Kompetenz bei der Nutzung moderner Informationstechniken sein.

Neue Erkenntnisse für den Verbraucherschutz in Schleswig-Holstein

Die Laufzeit des Modell-Quartiers „Kieler Ostufer“ des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt/Sozialer Zusammenhalt“ endet im Juli 2024. Das Land Schleswig-Holstein plant eine zusätzliche Förderung für das Projekt und will eine kostenfreie Beratung für Empfänger von Sozialleistungen aus den Stadtteilen Kiel Gaarden und Neumühlen-Dietrichsdorf in der Kieler Beratungsstelle der Verbraucherzentrale ermöglichen. „Die Arbeit der Verbraucherzentrale in dem neuen Projekt bietet die Chance, neue Erkenntnisse für den Verbraucherschutz in Schleswig-Holstein zu gewinnen“, sagt Claus Christian Claussen, Minister für Justiz, Europa und Verbraucherschutz Schleswig-Holstein. „In den kommenden vier Jahren wird sich zeigen, wo weiterer Handlungsbedarf besteht und welche konkrete Unterstützung diese Menschen benötigen, um ihre Verbraucherrechte wahrnehmen zu können.“ Eine langfristige Weiterführung des Projektes sowie die Ausweitung auf andere Standorte der Verbraucherzentrale in Schleswig-Holstein soll in dieser Zeit geprüft werden.

Bundesministerien fördern die soziale Stadt

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) unter dem Dach der ressortübergreifenden Strategie Soziale Stadt „Nachbarschaften stärken – Miteinander im Quartier“. Im August 2016 wurde diese vom Bundeskabinett beschlossen. Auf der Grundlage des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt/Sozialer Zusammenhalt“ werden die baulich-investiven Maßnahmen durch weitere Projekte ergänzt, die einen Beitrag zur Stabilisierung benachteiligter Stadt- und Ortsteile leisten. Ziel ist es, Synergien zu schaffen und die Unterstützung der Quartiere dadurch effizienter zu gestalten. Für die bundesweiten Modellvorhaben stellt das BMI jährlich 10 Millionen Euro bereit. Diese Anschubfinanzierung soll es ermöglichen, dass die Projekte im Erfolgsfall dauerhaft vor Ort verankert werden können. Weitere Informationen zur Arbeit im Quartier Kieler Ostufer gibt es hier.
 

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