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Verbraucherzentrale fordert Durchblick bei den Fernwärme-Preisen

Pressemitteilung vom

Fernwärme-Kunden haben bisher keine Möglichkeit, Preiserhöhungen ihres Versorgers nachzuvollziehen oder Angebote zu vergleichen. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein fordert deshalb eine gesetzliche Regelung für mehr Transparenz. Warum das nötig ist, erläutert Energie-Expertin Margrit Hintz im Interview.

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Wie haben sich die Preise für Fernwärme in den letzten Jahren entwickelt?

Margrit Hintz:

"Sehr unterschiedlich: Insgesamt liegen die Fernwärme-Preise in Schles-wig-Holstein heute zwischen 5,3 und 18 Cent pro Kilowattstunde. Damit ist der Durchschnittspreis niedriger als vor vier Jahren, die Spannbreite der Preise ist aber größer geworden. Das geht aus Preisabfragen der Landeskartellbehörde für Energie hervor. Einzelne Unternehmen verlangen Preise, die bis zu 20 Prozent über dem aktuellen Durchschnitt liegen. In einigen Netzen sind die Preise entgegen dem allgemeinen Branchentrend deutlich gestiegen."

Wie kommt es, dass einige Anbieter günstiger werden, andere aber teurer?

"Einige Unternehmen haben ihre Preise gesenkt, weil die Rohstoffpreise gefallen sind. Offenbar geben aber nicht alle diese Ersparnis an ihre Kunden weiter. Leider bleibt die Preisgestaltung der Fernwärme-Anbieter für Verbraucher bisher im Dunkeln. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb mehr Transparenz und Information für Fernwärme-Kunden."

Wie kann diese Transparenz konkret aussehen?

"Das geht nur mithilfe einer gesetzlichen Regelung. Schleswig-Holsteins Landesregierung hat einen Gesetzesentwurf zur Energiewende und zum Klimaschutz vorgelegt. Darin sollte die Verbraucher-Information zur Fernwärme festgelegt werden. Wir fordern, dass die Anbieter Anlass, Umfang und Zeitpunkt ihrer Preisveränderungen im Internet für jeden zugänglich machen müssen. Nur so können Kunden die Entwicklung nachvollziehen und prüfen. Dasselbe gilt für die Anschlussleistung. Das ist die höchste Leistung, die der Energieversorger für den Kunden bereitstellt. Häufig bieten Fernwärmeversorger eine höhere Anschlussleistung an, als wirklich benötig wird. Hier beobachtet die Verbraucherzentrale zusätzliche versteckte Preiserhöhungen."

Wie wirkt sich die Anschlussleistung auf die gesamten Heizkosten aus?

"Die Anbieter legen die Anschlussleistung sehr unterschiedlich fest und haben hier bisher freie Hand. Wir stellen fest, dass in neuen Fernwärmeverträgen die Grundkosten besonders hoch sind. Damit bleiben den Kunden weniger Möglichkeiten, mit Energiespar-Maßnahmen ihre Heizkosten zu senken. Die Verbraucherzentrale ist für eine Begrenzung der Grundkosten auf 30 Prozent der gesamten Heizkosten. Das Energiewende-Gesetz sollte dem Kunden einen Anspruch auf Anpassung der Anschlussleistung an seinen tatsächlichen Bedarf einräumen.

Außerdem fehlen Produktinformationen. Bisher können Kunden nicht einmal feststellen, wie effizient ihr Fernwärmeversorger im Vergleich zu einem anderen Anbieter ist."

Welche Informationen bräuchten die Verbraucher für einen solchen Vergleich?

"Dazu gehört die Information, aus welchen Brennstoffen die Anbieter Wärme erzeugen und wie hoch der CO2-Ausstoß ist. In Schleswig-Holstein zählen Kohle und Abfall in den großen Kraftwerken zu den häufigsten Brennstoffen bei der Produktion von Fernwärme. In kleinen Kraftwerken ist es Gas. Damit ist die CO2-Belastung hoch im Vergleich zu einem modernen Heizungssystem wie etwa einer Gas-Brennwertheizung. Mehr Transparenz brauchen wir auch bei der Effizienz der Netze. Je kürzer und neuer die Leitungen, desto weniger Wärme geht in der Regel verloren. Bei einer geringen Effizienz des Netzes kann eine Gas-Brennwert-Heizung die umweltfreundlichere Lösung sein. Verbraucher sollten die Wahl haben. Das geht nur, wenn sie vergleichen können."

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.