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Verbraucherschutz überwindet Grenzen: Austausch zwischen Kiel und Ankara

Pressemitteilung vom

Verbraucherschutz betrifft alle Menschen. Davon ist die Verbraucherzentrale überzeugt. Selvihan Koç, Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, arbeitet in einem EU-Projekt mit der türkischen Verbraucherschutzorganisation <br/>
"Anadolu Kalk&#305;nma Derne&#287;i" zusammen.

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Welches Ziel hat der Dialog mit dem Projektpartner in der Türkei?

Selvihan Koç:

"Wir wollen den Austausch zum Verbraucherschutz über die Grenzen hin-weg pflegen und voneinander lernen. Verbraucher in allen Ländern treffen Entscheidungen nicht nur für sich selbst. Ihr Handeln hat weltweite Auswirkungen. Die großen Konzerne arbeiten grenzüberschreitend. Deshalb ist Verbraucherschutz aus unserer Sicht auch eine globale Aufgabe.

Wie kam es zu diesem Austausch unter Verbraucherschützern?

"Er ist Teil eines EU-Projektes für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Organisationen, die unabhängig von Regierungen sind. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat sich auf der Suche nach einem geeigneten Projektpartner an die Verbraucherzentrale gewandt und damit den Anstoß zu dieser Kooperation gegeben. Da ich außerdem türkisch spreche, lag diese Idee nahe."

Wie sieht der Dialog konkret aus?

Wir stellen unserem Projektpartner in der Türkei die Arbeitsweise der Verbraucherzentrale vor – wie wir organisiert sind, wie unsere Öffentlichkeitsarbeit aussieht, welche Schulungen und Materialien wir anbieten. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf Verbraucherbildung, Hygiene, Sicherheit und Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Auf dieser Basis entwickeln unsere Kollegen in der Türkei eigene Konzepte. Wir begleiten und unterstützen sie dabei. Bei meinem letzten Besuch in der Türkei habe ich zum Beispiel an neuen Schulungen teilgenommen, um zu sehen, wie sie bei den Verbrauchern dort ankommen. In manchen Dingen ist uns der Verbraucherschutz in der Türkei bereits voraus. Zum Beispiel gibt es dort gesetzlich festgelegte Portionsgrößen für die Nährwertangaben auf bestimmten Produkten. So können Verbraucher leichter erkennen und vergleichen, was drin ist. In Deutschland gehört das zu den noch unerfüllten Forderungen der Verbraucherzentralen.

Interessieren sich Verbraucher in der Türkei für dieselben Themen wie in Deutschland?

Zum Teil schon. Klimaschutz und Ernährung ist in beiden Ländern ein Thema. Dazu habe ich in der Türkei einen Vortrag beim internationalen Kongress zur Ethik in der Landwirtschaft gehalten. Ein europaweites Problem ist zu hoher Zuckergehalt in Fertigprodukten und die irreführende Kennzeichnung. Natürlich gibt es auch Unterschiede. Die richtige Lagerung von verderblichen Lebensmitteln oder der Umgang mit Rohmilch sind zum Beispiel häufige Fragen, die viele Verbraucher in der Türkei beschäftigen.

Was bedeuten die jüngsten politischen Entwicklungen für die Kooperation?

Verbraucherschutz betrifft jeden, unabhängig von politischen Einstellungen oder Glaubensfragen. Gerade jetzt ist der Dialog zwischen unabhängigen Experten wichtig, deshalb bleibt unser Austausch mit dem türkischen Verein lebendig. Das EU-Projekt ist beendet, aber wir halten Kontakt zu unseren Partnern, um die Qualität der Arbeit zu sichern. Ein greifbarer Erfolg der guten Zusammenarbeit ist eine Anfrage für ein neues EU-Projekt, die uns bereits vorliegt.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.