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Fertigprodukte als Dickmacher – so viel Zucker und Fett wie Süßigkeiten

Pressemitteilung vom

Fast zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig und damit besonders anfällig für chronische Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzleiden und Diabetes.  Dahinter stecken oft ungesunde Essgewohnheiten. Ernährungsexpertin Saskia Vetter erklärt im Interview, warum Fertigprodukte der Gesundheit schaden können und gibt Tipps gegen Übergewicht.

Vor zwei gefüllten Müslischüsseln liegt ein Haufen Würfelzucker.
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Seit Jahren nimmt die Zahl (stark) übergewichtiger Menschen in Deutschland stetig zu. Was machen wir heute beim Essen anders als vor 20 Jahren?

Saskia Vetter: „Für viele Menschen ist Zeitersparnis entscheidend, wenn es um Essen und Trinken geht. Fertiggerichte versprechen schnellen Genuss. Doch diese Produkte sind stark verarbeitet und enthalten viel Zucker und Fett. Ihnen sieht man nicht an, dass viele Kalorien darin stecken. 100 Gramm Haferflocken haben zum Beispiel 370 Kalorien. Kaum bekannt: In derselben Menge Fertig-Müsli sind bis zu 100 Kalorien mehr enthalten. Auch viele Grillsaucen oder fertige Salatdressings enthalten so viel Zucker und Fett wie Süßigkeiten. Getarnt wird der hohe Energiegehalt häufig mit kleinen Portionsangaben. Auf manchen Müsli-Verpackungen ist die Kalorienzahl für 40 Gramm angegeben. Das ist aber viel weniger, als sich die meisten in ihre Müslischale füllen. Außerdem: Die Prozentangaben auf der Verpackung beziehen sich auf den Tagesbedarf einer erwachsenen Frau und verfälschen damit die Vorstellung, wie viele Kalorien wirklich darin stecken. Ähnlich sieht es bei anderen Fertigprodukten aus.“

Wie kann man die getarnten Dickmacher auf einen Blick erkennen?

„Wer abnehmen will, sollte beim Einkaufen auf die Nährwertkennzeichnung achten. Einen Schritt nach vorn bringt der Nutri-Score: Dieses neue Nährwert-Logo auf der Vorderseite der Verpackung ist eine Gesamtbewertung. Sie reicht von einem grünen A für eine sehr günstige Nährwertzusammensetzung bis zu einem tiefroten E für Produkte, die man besser nur selten verzehrt. Verbraucher*innen können so auf einen Blick erkennen, welches Produkt eine bessere Gesamtbewertung bekommen hat."

Trinkmahlzeiten sind beliebt als schnelle Snacks. Spricht etwas dagegen?

 „Ich sehe solche Produkte kritisch. Die Idee dahinter ist, ganze Mahlzeiten durch Shakes zu ersetzen. Bei den Zutaten der Produkte gibt es große Unterschiede. Der Zuckeranteil bei einigen ist hoch. Andere enthalten viele Süßstoffe und Aromen. In flüssiger Form kann man in kürzester Zeit viele Kalorien zu sich nehmen, ohne es zu merken. Satt macht das nicht, denn das Kauen fällt weg. Das Kauen trägt aber erwiesenermaßen zur Sättigung bei. Kauen und Schlucken schicken Sättigungssignale an das Gehirn, während süße Geschmäcker den Appetit steigern. Die Folge: Man fühlt sich kaum satt und hat schnell wieder Hunger.“

Viele Menschen versuchen ihre schlechten Ernährungsgewohnheiten durch Nahrungsergänzungsmittel auszugleichen. Funktioniert das?

„Frische Lebensmitteln sind immer die bessere Wahl als Pillen und Pulver. Sie liefern ausreichend Vitamine und Mineralstoffe. Nahrungsergänzungsmittel bergen die Gefahr, dass man einige Nährstoffe in Überdosis bekommt. Die Folge können Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Probleme sein, langfristig können sogar Organschäden entstehen. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst ist auf jeden Fall der bessere und genussvollere Weg.“

Saskia Vetter, Expertin für Ernährung bei der Verbraucherzentrale

 

 

 

 

Zur Person
Saskia Vetter ist Ernährungswissenschaftlerin und arbeitet als Referentin für den Bereich Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale. 

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