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Bambusgeschirr: Viel Kunststoff, wenig Naturmaterial

Pressemitteilung vom

Wer unnötigen Müll vermeiden will, verzichtet auf Plastikgeschirr und Coffee-To-Go im Pappbecher. Als vermeintlich umweltfreundliche Alternative werden wiederverwendbare Becher, Schalen und Teller aus Bambus oder Mais verkauft. Doch das bunte Geschirr für unterwegs ist oft mit Schadstoffen belastet.

Bambusbecher für Kaffee zum Mitnehmen
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Leicht, wiederverwendbar und witzig gestaltet – auf den ersten Blick scheint Geschirr aus gemahlenem Bambus oder Mais die perfekte umweltgerechte Lösung fürs Picknick oder den Kaffee zum Mitnehmen zu bieten. Doch häufig täuscht der erste Eindruck. „Die Werbung stellt Bambus als Material in den Vordergrund. Schlagworte wie ‚nachhaltig‘ oder ‚biologisch abbaubar‘ sorgen für ein gutes Image“, schildert Gudrun Köster, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Tatsächlich enthalten die Becher aber häufig mehr Kunststoff als Bambus. „Deshalb ist schon die Bezeichnung ‚Bambusgeschirr‘ unserer Meinung nach irreführend“, sagt die Expertin. Die meisten dieser Produkte sind mit Melaminharz behandelt. Wenn sie abnutzen oder mehr als 70 Grad heiß werden, können sich schädliche Bestandteile wie Melamin und Formaldehyd lösen und in die Lebensmittel gelangen.

Hohe Schadstoffbelastung bei vielen Produkten

Im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) sind allein in diesem Jahr bereits 67 Warnmeldungen für Küchenutensilien aus Bambusmischungen eingegangen. Die Produkte überschreiten die gesetzlichen Höchstmengen der Schadstoffe Melamin oder Formaldehyd. Auch bei Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg erwiesen sich sämtliche Bambusgeschirre als nicht verkehrsfähig – einige wegen schlechter Kennzeichnung, andere aufgrund von Schadstoffbelastung. „Diese alarmierenden Meldungen zeigen, dass Produkte aus Bambus stärker von der amtlichen Lebensmittelüberwachung kontrolliert werden müssen“, sagt Gudrun Köster. 

Allergien, Nierenschäden und Krebs

Akute Gesundheitsprobleme aufgrund der Schadstoffe drohen zwar nicht. Langfristig kann der Kontakt mit Melamin aber schädlich sein, denn es steht im Verdacht, Blase und Nieren zu schädigen. Formaldehyd kann Allergien hervorrufen, Haut und Atemwege reizen und gilt beim Einatmen sogar als krebserregend. Irreführend mit Bambus als Naturprodukt zu werben und das Material nicht korrekt zu kennzeichnen ist daher unseres Erachtens fahrlässig. 

Im Umgang mit melaminhaltigen Produkten sollten Verbraucher auf Folgendes achten: 

•    Das Material ist nur bis zu 70 Grad stabil.
•    Es ist zum Einfüllen von heißen Getränken und Speisen geeignet, ebenso als Salatbesteck und Essbesteck. Für Mikrowelle und Ofen, zum Umrühren im Kochtopf oder längerem Warmhalten sind Produkte mit Melamin nicht das Richtige.
•    Das Geschirr kann in einer haushaltsüblichen Spülmaschine bei maximal 70 Grad gereinigt werden.
•    Wenn die Oberfläche von Produkten mit Melamin stumpf wird, sollte man sie nicht mehr benutzen.

Ob Becher, Geschirr oder andere Küchenutensilien Melamin enthalten, ist nicht erkennbar. Verbraucher sind dabei auf freiwillige Angaben der Hersteller angewiesen. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es nicht. Wer Melamin vermeiden will, kauft besser Produkte aus Edelstahl, Porzellan oder Glas. Als Kunststoffbecher eignen sich Produkte aus Polypropylen (PP). Bei der Nutzung sollten Verbraucher immer auf die Verwendungshinweise des Herstellers achten. 
 

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