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Kredit-Widerruf trotz Ablehnung möglich

Pressemitteilung vom

Wer es richtig anfängt, kann den Widerruf eines Darlehens für die Immobilienfinanzierung auch dann noch durchsetzen, wenn die Bank dies abgelehnt hat – und so mehrere tausend Euro sparen. Dabei hilft die Verbraucherzentrale. Michael Herte, Experte für Finanzdienstleistungen, im Interview.

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Wie kommt es zu den vielen Anfragen von Bankkunden, die ihr Darlehen widerrufen wollen?

Michael Herte:

"In den vergangenen drei Jahren hat sich herumgesprochen, dass die Widerrufsbelehrungen für Darlehen bei einigen Banken falsch waren – unter anderem gilt das für viele Sparkassen in Norddeutschland. Der Fehler hat Kunden die Möglichkeit eröffnet, den Darlehensvertrag zu widerrufen, ihn also rückgängig zu machen. Üblicherweise gilt dafür eine Frist von 14 Tagen. Diese Frist beginnt aber erst, wenn die Bank ihren Kunden vollständig und richtig über die Widerrufsmöglichkeiten informiert hat. Weil einige Banken diesen Fehler gemacht haben, können ihre Kunden auch nach Jahren noch widerrufen. Eine Gesetzesänderung hatte den 21. Juni 2016 als letzten Termin für den Widerruf von alten Verträgen festgesetzt. Darauf haben viele Schleswig-Holsteiner den Widerruf beantragt und dann eine Ablehnung von ihrer Bank bekommen. Aber wer es richtig anfängt, kann den Widerruf trotzdem durchsetzen."


Welchen Vorteil haben die Bankkunden vom Widerruf?

Michael Herte:

"Ein erfolgreicher Widerruf kann dem Kunden zehntausende Euro einbringen. Wir hatten einige Fälle, in denen Verbraucher 10.000 bis 50.000 Euro gespart haben. Hintergrund ist die Zinsentwicklung: Die Zinsen liegen heute viel niedriger als in den Jahren 2002 bis 2010. Kunden kommen aus ihrem alten Vertrag heraus, ohne die sonst übliche Vorfälligkeitsentschädigung leisten zu müssen, die Banken bei vorzeitig gekündigten Darlehensverträgen verlangen. Der Kunde kann eine neue Finanzierung abschließen und hat einen Vorteil von den aktuell günstigen Zinsen. Dazu muss die Bank zurückzahlen, was sie mit den eingenommenen Zinsen aus dem Vertrag erwirtschaftet hat."

Für welche Verträge gilt diese Möglichkeit?

Michael Herte:

"Für etwa 80 Prozent der Darlehensverträge, die zwischen 2002 und 2010 geschlossen wurden. Dank einer neuen Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist die Situation bei Verträgen der Sparkassen aus den Jahren 2004 bis 2008 eindeutig: Wenn in der Widerrufsbelehrung eine Fußnote mit dem Hinweis "Bitte Frist im Einzelfall prüfen" steht, hat der Kunde gute Aussich-ten auf einen erfolgreichen Widerruf. Dieses BGH-Urteil ist Gold wert, weil es Klarheit schafft."

Warum brauchen trotz dieses klaren Urteils so viele Bankkunden Beratung beim Widerruf ihres Darlehens?

Michael Herte:

"In vielen Fällen lehnt die Bank den Widerruf ab. Das beliebteste Argument lautet, dass der Widerruf eines über Jahre laufenden Kredites treuewidrig oder sittenwidrig sei. Das ist nicht überzeugend. Wenn eine Bank dieses Argument anführt, muss sie darlegen, warum die Anwendung einer klaren gesetzlichen Regelung verboten sein soll."

Wie helfen Sie?

Michael Herte:

"Die Verbraucherzentrale leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Wir prüfen den Darlehensvertrag und erklären dem Bankkunden, was genau damit nicht stimmt und welche Folgen das hat. Wir zeigen in der Beratung Schritt für Schritt, wie man den Widerruf ohne die Hilfe eines Rechtsanwalts durchsetzen kann. Unser Ziel ist, den Verbraucher so gut zu informieren, dass er auf Augenhöhe mit seiner Bank verhandeln kann. In den letzten drei Jahren hatten wir rund 4.000 Beratungsfälle zum Thema. Vielen konnten wir Klarheit verschaffen und bei der Durchsetzung des Widerrufs helfen."

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.