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Sparkassen in Schleswig-Holstein beenden Prämiensparverträge

Pressemitteilung vom

Sparkassenkunden in Schleswig-Holstein erhalten derzeit Benachrichtigungen über das Ende ihres Prämiensparvertrags und sind enttäuscht. Eigentlich sollen solche Sparverträge die jahrelange Ausdauer des Sparers mit ansteigenden Bonuszahlungen belohnen. 

  • Die Sparkasse kann Prämiensparverträge nicht in allen Fällen beenden. Denn dies hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Dazu gehören zum Beispiel Regelungen über die Kündigungsfrist.
  • Verbraucher sollten der Beendigung schriftlich widersprechen und von der Bank schriftliche Informationen über die Rechtsgrundlage fordern. Dafür stellt die Verbraucherzentrale einen Musterbrief zur Verfügung. 
Broschüre eines Prämiensparvertrags: Aussteigen, wann Sie wollen
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„Sie haben Ihr Anlageziel erreicht“ – mit diesem Satz beginnt ein Schreiben der Nord-Ostsee Sparkasse an eine Kundin aus Husby. Ihren Prämiensparvertrag erklärt die Sparkasse für beendet. Verunsichert fragte die Verbraucherin in der Flensburger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale um Rat. Ein Anlageziel war in ihren Unterlagen nicht festgehalten. Deshalb war sie bei Vertragsschluss vor 25 Jahren davon ausgegangen, dass sie selbst entscheidet, wann der Sparvertrag enden soll. So steht es auch im Verkaufsprospekt der Bank: „Sie können aussteigen, wann Sie wollen“. Ähnliche Benachrichtigungen über das Ende ihres Sparvertrages haben auch andere Sparkassen-Kunden aus Schleswig-Holstein erhalten – unter anderem mit dem Hinweis, sie hätten die höchste Prämienstufe erreicht.

2,1 Prozent jährliche Rendite allein durch steigende Prämien

Prämiensparverträge, die zwischen 1990 und 2005 abgeschlossen wurden, sind für die Sparkassen teuer geworden. Viele dieser Verträge sichern dem 
Sparer nach 15 Jahren bis zu 50 Prozent Prämie auf seinen Sparbetrag zu.  „So ergibt sich allein durch die steigenden Bonuszahlungen nach 25 Jahren eine Rendite von 2,1 Prozent pro Jahr – den Zins nicht mitgerechnet. Das wird einigen Sparkassen offenbar zu teuer, so dass sie den Vertrag beenden wollen“, erläutert Michael Herte, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Schriftlich widersprechen mit Musterschreiben

Die Sparkasse kann Prämiensparverträge nicht in allen Fällen beenden. Denn dies hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Dazu gehören zum Beispiel Regelungen über die Kündigungsfrist. Verbraucher sollten der Beendigung schriftlich widersprechen und von der Bank schriftliche Informationen über die Rechtsgrundlage fordern. Dafür stellt die Verbraucherzentrale einen Musterbrief zur Verfügung. 

Keine rechtliche Grundlage für Beendigung des Vertrags

„Im Vertrag der Verbraucherin aus Husby konnten wir keine Grundlage für die Vertragsbeendigung finden“, so Michael Herte. „In anderen Verträgen steht sogar, dass der Sparvertrag zu den ursprünglichen Bedingungen fortgesetzt wird, wenn der Kunde einen Monat nach seiner Kündigung nicht über den Betrag verfügt hat.“ Für eine eingehende Prüfung möglicher Ansprüche aus dem Prämiensparvertrag können sich Betroffene an die Verbraucherzentrale wenden. 

Ansprechpartner für Betroffene und weitere Informationen

Die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale nehmen Beschwerden auf, sammeln Fälle und unterstützen Verbraucher mit Informationen, Musterbriefen und persönlicher Beratung. 

Auf vielfältige Art und Weise versuchen einige Finanzinstitute, Verbraucher aus langfristigen, gut verzinsten Sparverträgen zu drängen – oder diese Verträge zu kündigen. Das zeigt eine Untersuchung bundesweit erhobener Verbraucherbeschwerden. 


 

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