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Kein Kredit ohne teure Restschuldversicherung? Widerruf als Ausweg

Pressemitteilung vom

Das neue Auto oder die Küche sofort kaufen, die Kosten später in Raten abzahlen – für solche Finanzierungen werben Banken, Autohändler und Möbelhäuser. Auch wenn die Kreditzinsen verlockend günstig sind, verdienen Banken kräftig an Zusatzversicherungen. Im Gespräch mit dem Kreditvermittler fühlen sich Kunden oft gedrängt, zum Kredit eine teure Restschuldversicherung abzuschließen. Zugleich betonen Verträge meist die Freiwilligkeit der Versicherungen. Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen, erklärt den Hintergrund und den Ausweg aus der Kostenfalle im Interview.

junge Frau prüft einen Vertrag
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Wozu dient eine Restschuldversicherung?

Michael Herte:

„Die Restschuldversicherung ist eine spezielle Form der Risikolebensversicherung. Damit lässt sich die Rückzahlung eines Kredites absichern, falls der Kreditnehmer während der Laufzeit stirbt. Häufig ist die Restschuldversicherung mit Zusatzversicherungen verbunden und sichert weitere Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit ab. Die Versicherung zahlt bei Eintritt des Versicherungsfalls die Kreditraten zeitlich begrenzt weiter oder gewährt eine Arbeitsunfähigkeitsrente. Einzelheiten ergeben sich aus dem Vertrag.“

Von welchen Problemen berichten Verbraucher?

„Verbraucher beschweren sich regelmäßig darüber, dass die Restschuldversicherung den Kredit unnötig verteuert. Viele fühlen sich zum Abschluss der Versicherung gedrängt und haben im Gespräch den Eindruck, dass sie ohne Versicherung keinen Kredit bekommen. Also folgen sie der Empfehlung des Vermittlers.“

Um wieviel Geld geht es beim Abschluss solcher Restschuldversicherungen?

„In einem aktuellen Fall sollte eine Autokäuferin aus Schleswig-Holstein bei der Finanzierung ihres Kleinwagens eine Restschuldversicherung über 2.200 Euro abschließen. Ein extremes Beispiel hat uns neulich eine pensionierte Lehrerin aus Lübeck vorgelegt: Sie hatte bei ihrer Bank im Abstand mehrerer Jahre immer wieder Kredite aufgenommen. Dabei hat die Bank jedes Mal einen neuen Vertrag mit einer Restschuldversicherung über die gesamte Darlehenssumme abgeschlossen. Am Ende sollte die Kundin rund 10.000 Euro Versicherungsprämien für ein Darlehen von rund 20.000 Euro zahlen. Bei diesen Kosten bleibt es jedoch nicht. Da die Versicherungsprämie über das Darlehen mitfinanziert wird, zahlen die Kunden auch mehr Zinsen.“

Sind diese Versicherungen tatsächlich Bedingung für einen Kredit?

„Nein, in den meisten Fällen hängen die beiden Verträge nicht zusammen. In Verkaufsgesprächen vermitteln die Berater ihren Kunden aber häufig den Eindruck, dass der Kredit nur bei Abschluss einer Restschuldversicherung gewährt wird. Deshalb hat der Gesetzgeber hier eine zusätzliche Erinnerung an die Widerrufsmöglichkeit eingeführt. Eine Woche nach Vertragsabschluss muss der Anbieter seinem Kunden ein Informationsblatt schicken, in dem er die Kosten aufführt und auf die Freiwilligkeit der Versicherung hinweist. Danach hat der Kunde noch eine Woche lang die Möglichkeit, den Versicherungsvertrag rückgängig zu machen. Wenn er widerruft, wird das Darlehen und die monatliche Rate neu berechnet.“

Warum nutzen Kunden den Widerruf nicht, wenn sie sich über die zusätzlichen Kosten ärgern?

„In unserer Beratung zeigt sich immer wieder, dass viele Verbraucher die Möglichkeit zum Widerruf trotz der Information nicht wahrnehmen. Viele ärgern sich über die Kosten, akzeptieren aber trotzdem die Bedingungen. Die meisten Verbraucher kommen erst dann zu uns, wenn sie unter starkem Druck stehen. Für die Verkaufsgespräche wäre aus unserer Sicht eine schärfere Regelung nötig. Der gemeinsame Verkauf von Darlehen und Restschuldversicherung sollte verboten werden, um mehr Transparenz für Verbraucher zu schaffen. Statt nach einer Woche an das Widerrufsrecht zu erinnern, sollte das Angebot zum Abschluss einer Restschuldversicherung lieber erst nach einer Woche erfolgen.“

Michael Herte, Referent Finanzdienstleistungen, Verbraucherzentrale

 

 

 

 

 

Zur Person

Michael Herte ist Volljurist und Bankkaufmann. Seit acht Jahren ist er als Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein tätig. Er berät Verbraucher und ist verantwortlich für das Informations- und Beratungsangebot zu Themen wie Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen und Immobilienfinanzierung.
 

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