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Glücksspiel Geldanlage: Versteckte Kosten und hohe Risiken

Pressemitteilung vom

Verluste von 10.000 Euro und mehr sind keine Seltenheit, wenn sich Sparer zu riskanten Geldanlagen hinreißen lassen. Aktuell melden sich regelmäßig Betroffene bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, weil sie hohe Geldbeträge an Betrüger oder durch überteuerte Provisionen verloren haben. Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale, erklärt die Hintergründe im Interview.

  • Bei Investitionen in Sachwerte wie Schiffscontainer droht Totalverlust
  • Bei kapitalbildenden Versicherungen zahlen Verbraucher oft drauf, wenn sie vorzeitig kündigen
  • Anleger werden über die Gefahren und Nachteile von Geldanlagen nicht ausreichend aufgeklärt
grünes Pflänzchen wächst aus einen Haufen Kleingeld
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Bei welcher Art von Geldanlagen haben Verbraucher hohe Verluste erlitten, und woran liegt das?

Michael Herte:
„Die klassischen sicheren Sparmodelle wie Tagesgeld oder Sparbuch bringen derzeit keine Zinsen. Deshalb suchen Verbraucher nach neuen Möglichkeiten, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Dabei gehen einige unnötig hohe Risiken ein oder geraten an unseriöse Berater. Ein Beispiel sind Investitionen in Sachwerte wie etwa Schiffscontainer. Wenn das Unternehmen Insolvenz anmeldet, wie kürzlich die Gesellschaft P&R, müssen die Anleger mit einem Totalverlust ihres investierten Kapitals rechnen. Bei P&R sind 54.000 Anleger betroffen, darunter sind auch Verbraucher aus Schleswig-Holstein.
Ebenfalls geprellt wurden Sparer, die ihr Geld vermeintlich sicher in Gold bei der BFW Stiftung angelegt haben. Laut Medieninformation sind Verantwortliche der Stiftung kürzlich vom Landgericht Berlin zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ob die Anleger ihr versprochenes Geld jemals bekommen, ist fraglich. Eine betroffene Verbraucherin hat in der vergangenen Woche bei uns Rat gesucht, weil sie bei der Stiftung 20.000 Euro eingezahlt hatte. Wie es aussieht, wird sie ihr Geld nicht wiederbekommen.
Verluste erleiden Sparer auch immer wieder mit kapitalbildenden Versicherungen. Hier werden oft hohe Provisionen fällig, die irgendwo im Kleingedruckten versteckt sind. Wer eine solche Versicherung vorzeitig kündigt, hat keine Chance, die oft vierstelligen Verluste wieder auszugleichen. In der Beratung erleben wir regelmäßig solche Fälle – zum Beispiel, weil Anleger aufgrund einer Scheidung plötzlich auf ihre Ersparnisse angewiesen sind oder ihre Kinder beim Hausbau finanziell unterstützen wollen.“

Warum fallen so viele Menschen auf unseriöse Angebote herein?

Michael Herte:
„Wer im Alter auf die gesetzliche Rente angewiesen sein wird, muss sich dann entweder einschränken oder rechtzeitig privat vorsorgen. Viele Verbraucher fürchten aber, dass die Preissteigerung ihre Ersparnisse vernichtet. Das derzeitige Zinsniveau bei Sparbuch oder Tagesgeld liegt deutlich unter der Inflationsrate. Um den Wert des Ersparten zu erhalten, kehren viele  diesen vertrauten und sicheren Bankeinlagen den Rücken. Darin liegt die Gefahr, denn Finanzprodukte sind komplex. Verbraucher werden über die Gefahren und Nachteile von Geldanlagen nicht ausreichend aufgeklärt. Banken und Anlageberater bieten meist keine geeignete Unterstützung, denn verdient wird am Verkauf und nicht an der Beratung.“

Was müsste sich ändern, um mehr Sicherheit bei der Geldanlage zu erreichen? 

Michael Herte:
„Verbraucher benötigen Unterstützung, um die Risiken und Kosten von Geldanlagen einschätzen zu können. Die Verbraucherzentrale setzt sich deshalb dafür ein, dass Provisionen bei der Anlagenberatung verboten werden. Finanzempfehlungen sind oft falsch, da Berater auf Provisionen angewiesen sind und einem Interessenkonflikt unterliegen.“

Was raten Sie Sparern, die vermeintlich attraktive Angebote zur Geldanlage bekommen?

Michael Herte:
„Wichtig ist es immer, solche Angebote kritisch zu prüfen. Wenn eine sichere Geldanlage versprochen wird, die innerhalb weniger Jahren Gewinn abwerfen soll, kann etwas nicht stimmen. Verbraucher sollten sich auf keinen Fall unter Zeitdruck setzen lassen und sich niemals unmittelbar nach einem Beratungs-  oder Verkaufsgespräch auf ein Geldanlage-Modell einlassen. Zu jedem seriösen Finanzprodukt gehört Informationsmaterial mit Risiko- und Kostenhinweisen. Diese Informationen sollten Verbraucher immer mit nach Hause nehmen und durcharbeiten, bevor sie einen Vertrag unterschreiben. Die Finanzfachleute der Verbraucherzentrale bieten Unterstützung bei der Bewertung solcher Angebote und beantworten Fragen dazu.“

Michael Herte, Referent Finanzdienstleistungen, Verbraucherzentrale

 

 

 

 

Zur Person
Michael Herte ist Volljurist und Bankkaufmann. Seit acht Jahren ist er als Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein tätig. Er berät Verbraucher und ist verantwortlich für das Informations- und Beratungsangebot zu Themen wie Geldanlage, Altersvorsorge, Versicherungen und Immobilienfinanzierung.
 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.