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Genossenschaftliche Wohnprojekte sind nicht ohne Risiko

Pressemitteilung vom

Genossenschaftliches Wohnen wird verstärkt als Alternative zu Miete und Eigentum vermarktet. Ob Genosse statt Mieter zu sein tatsächlich besser ist, hängt sehr vom Einzelfall ab. Wenn die Vertragsbedingungen des Genossenschaftsprojektes schwer nachvollziehbar oder lückenhaft sind, ist die Gefahr für Verbraucher sehr groß, in eine Haftungsfalle zu tappen, sich zu überteuerten Verträgen zu verpflichten oder immer steigenden Kosten ausgesetzt zu sein.
 

Ziegelsteine zum Thema Bauen

Sicherheit und Transparenz beim Bauen

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Weil in Schleswig-Holstein Mieten stark ansteigen, ein Eigenheim kaum noch zu bezahlen ist und grade für ältere Menschen barrierefreier Wohnraum nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung steht, interessieren sich die Verbraucher für genossenschaftliches Bauen und Wohnen. Im Vordergrund steht hier die Teilhabe an genossenschaftlichen Wohnprojekten, also an einem Gebäude oder einer Anlage, die von ihren Bewohnern selbst als eigenständige Genossenschaft finanziert und genutzt wird.

Wo liegt das Problem für die Verbraucher? 

Zusammen mit den anderen Mitgliedern sind Verbraucher die Teilhaber eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Das ist nicht ohne Risiko, denn sie teilen sich die Kosten und die Verantwortung für das gemeinsame Eigentum. Da sich aus Eigeninitiative nur selten genug Interessenten zusammenfinden, um eine Genossenschaft zu gründen, werden genossenschaftliche Wohnprojekte in der Regel von Projektentwicklern vorbereitet und von Immobilienmaklern vermarktet. Der Verbraucher gestaltet bei der Bauplanung oder der Finanzierung nicht mehr selbst, sondern nimmt die vorgegebenen Bedingungen an. Hier liegt aus Sicht von Michael Herte, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein e.V. eine große Gefahr.  „Wenn im Kleingedruckten unter einer Fußnote erwähnt wird, dass die Kosten für die Baustoffe oder die monatliche Finanzierungsbelastung bei der vorausgewählten Partnerbank noch schwanken können, können existenzbedrohende Mehrbelastungen entstehen.“
 
Der Fall eines Ehepaares aus Kiel hat in der Verbraucherberatung genau diese Schwächen aufgezeigt. In ihrem Projekt sind einerseits die Kosten unerwartet angestiegen und darüber hinaus wurde mit dem Bau des Genossenschaftshauses begonnen, obwohl noch nicht alle Anteile verkauft wurden. Hier fürchtet das Paar nun, auch für die leerstehenden Wohnungen vorerst die Kosten tragen zu müssen. Selbst kommen die beiden vorerst nicht aus ihren Pflichten heraus, eine Kündigungsfrist von zwei Jahren ist geregelt. Ob sie dann auch ihre Einzahlung für den Genossenschaftsanteil von über EUR 50.000,- in voller Höhe bekommen, ist sehr fraglich.

Rat an die Verbraucher

Verbraucher sollten keiner Genossenschaft oder einer anderen Gesellschaft beitreten, wenn nicht vorab geklärt ist, welche Kosten höchstens entstehen können, wer im Falle Zahlungsunfähigkeit der ganzen Genossenschaft oder einzelner Mitglieder haftet und unter welchen Bedingungen man auch wie-der selbst aus der Genossenschaft ausscheiden kann.

Forderung an die Politik

Die Planung und Realisierung eines Immobilienprojektes ist eine komplexe Aufgabe, Verbraucher müssen daher den Ausführungen der Projektanbieter vertrauen dürfen. Diese Anbieter sollten verpflichtet werden, z. B. Höchstpreise verbindlich zu nennen, statt sich durch Fußnoten von der Haftung zu entziehen.
 
Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.