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DAX-Reform: Strengere Aufnahmekriterien können Verbraucher*innen nützen

Pressemitteilung vom

Der DAX gilt als Marktbarometer und Leitindex. Aktuell fasst er die Aktien der nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz 30 größten deutschen Aktienunternehmen zusammen. Viele Anleger verstehen eine Mitgliedschaft im DAX irrtümlich als Qualitätsmerkmal. Die geplante Reform des DAX und die strengeren Ausschlusskriterien nützen auch Verbraucher*innen.

Aktienkursverlauf - gezeichnete Kurve auf Papier
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Ein Marktbarometer wie der DAX zeigt die Entwicklung von Aktienkursen über einen vergangenen Zeitraum. Indirekt hat der DAX als Leitindex eine weitere Bedeutung: „Er dient institutionellen Anlegern wie Investmentfonds und Kleinanlegern als Orientierung bei der Auswahl von Einzelaktien“, sagt Michael Herte, Referatsleiter Finanzdienstleistungen der Verbrauchzentrale Schleswig-Holstein. Damit ist er für Verbraucher wichtig. Viele fondsgebundene Versicherungen und ETF-Sparpläne sind an den DAX angelehnt. Änderungen im DAX wirken sich zwangsläufig auf die Depotwerte der Anleger aus. „Sind im DAX also ‘faule Eier‘, kauft ein Fondssparer diese automatisch ein. „Aus der Verbraucherberatung zur Geldanlage weiß ich, dass sich Kleinanleger bei der Auswahl von Aktien nach deren DAX-Zugehörigkeit richten“, so Michael Herte. DAX-Unternehmen gelten als ‚Blue Chips‘, also als umsatzstarke Aktien mit geringen Kursschwankungen. 

DAX-Mitgliedschaft ist kein Qualitätsmerkmal

Häufig entscheiden sich Anleger für bestimmte Aktien wie Adidas, Daimler oder Volkswagen, weil sie die Mitgliedschaft im DAX als Qualitätssiegel für das Unternehmen verstehen. „Das ist ein populärer Irrtum“, so Michael Herte. Ein Aktienunternehmen wird insbesondere in den DAX aufgenommen, wenn es seine Aktien an der Deutschen Börse vertreibt und dabei mindestens 10 Prozent seines Unternehmenswertes als Streubesitz dem Börsenhandel zur Verfügung stellt. Vereinfacht gesagt ist die Börse ein Marktplatz, an dem Anteile von Unternehmen gehandelt werden. Die Preise für diese Anteile bilden sich wie bei einer Auktion abhängig von Angebot und Nachfrage. Die Deutsche Börse ist einer von vielen Marktplätzen. Es gibt bedeutend größere wie etwa die New York Stock Exchange. Übertragen auf die DAX-Unternehmen bedeutet dies: Außerhalb des DAX gibt es größere und erfolgreichere Unternehmen, die ihre Anteile nicht an der Deutschen Börse AG vermarkten. Diese fließen nicht in den DAX ein. Derzeit müssen Unternehmen für eine Aufnahme in den DAX nicht einmal Gewinne erwirtschaftet haben. Der Essenslieferant Delivery Hero hat Presseberichten zufolge seit seiner Gründung 2011 im laufenden Geschäft vermeintlich noch nie Geld verdient, spielt aber in der obersten Börsenliga.

Lehren aus dem Wirecard-Skandal

Vorkommnisse wie der Wirecard-Betrug machen deutlich, dass Änderungen im DAX überfällig sind. Die Erweiterung auf 40 Unternehmenswerte ist nur ein Teil der Reform. Die Börse plant künftig nur noch nachweislich profitable Unternehmen in den Leitindex aufzunehmen. Für eine Mitgliedschaft müssen Unternehmen künftig in den zwei Jahren vor dem Dax-Aufstieg einen operativen Gewinn (Ebitda) ausgewiesen haben. Zudem werden alle Index-Mitglieder ab März 2021 verpflichtet, bestätigte Geschäftsberichte und Quartalsmitteilungen zu veröffentlichen. „Wenn ein Unternehmen die Frist nicht einhält, fliegt es automatisch aus dem Index – das scheint eine Lehre aus dem Wirecard-Skandal zu sein. Im Interesse der Verbraucher wird die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein die konsequente Einhaltung dieser Anforderungen im Blick behalten“, so Michael Herte. Verbraucher sollten sich aber im Klaren sein, dass der erneuerte DAX Rüstungsunternehmen nicht ausschließt. Wer in nachhaltige Werte investieren möchte, kann sich an Nachhaltigkeitsindizes wie dem Domini 400 Social Index,  Dow Jones Sustainability Index (DJSI) oder dem DAX 50 ESG orientieren.

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