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Vertragsärger und Kostenfallen bei Strom und Gas

Pressemitteilung vom

Steigende Preise, untergeschobene Verträge, ausbleibende Bonuszahlungen oder erhöhter Abschlag: Viele Verbraucher*innen in Schleswig-Holstein haben Probleme mit ihrem Energieanbieter und ärgern sich über Kostenfallen. 

Hand steckt Stecker in eine Steckdose
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Auf dem Markt für Strom und Gas herrscht ein harter Wettbewerb – eigentlich eine gute Nachricht für Verbraucher*innen. Denn: Konkurrenz bedeutet günstige Preise. Doch beim Kampf um Verträge greifen Anbieter in die Trickkiste und machen Verbraucher*innen damit Schwierigkeiten. 

Neuer Stromvertrag ohne Vollmacht

Immer wieder beschweren sich Verbraucher, weil ihnen am Telefon oder an der Haustür ungewollt ein neuer Vertrag untergeschoben wurde. Möglich macht das der schnelle, unbürokratische Vertragswechsel. Dieser bietet für Verbraucher*innen viele Vorteile, wird aber von einigen Anbietern für unseriöse Vertriebsmethoden missbraucht. Ein neuer Lieferant benötigt lediglich Name, Adresse und Zählernummer, um den alten Vertrag im Namen des Kunden zu kündigen. Das Problem: Der neue Versorger kann behaupten, dass ihm eine Kündigungsvollmacht erteilt wurde – ohne diese tatsächlich eingeholt zu haben. Die Betroffenen erfahren davon oft erst nachträglich aus der Auftrags- oder Kündigungsbestätigung. 

Die Maschen der Energielieferanten

Unseriöse Werber wenden verschiedene Tricks an, um Kund*innen in einen Vertrag zu locken:
•    Bei Haustürgeschäften geben sich Vertreter als Energieberater, Mitarbeiter des örtlichen Versorgers oder der Verbraucherzentrale aus.
•    Gewinnspiele oder Umfragen dienen als Vorwand, um Verbraucher*innen anzusprechen.
•    Bei Geflüchteten werden mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache und des deutschen Rechts- und Wirtschaftssystems ausgenutzt.
•    Bei älteren Verbraucher*innen werden Ängste geweckt, dass die Stromversorgung zuhause eingestellt werden könnte.

Ziel dieser Tricks ist immer, einen schnellen Vertragsabschluss zu erreichen. „Für jeden neuen Vertrag erhalten Vertreter in der Regel eine Provision“, erläutert Julia Buchweitz von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Lockangebote erschweren Preisvergleich

Grundsätzlich ist ein Wechsel oft sinnvoll – etwa dann, wenn der aktuelle Anbieter die Preise erhöht hat oder wenn man einen Grundversorgungsver-trag hat. Doch um einen passenden und günstigen Tarif zu finden, genügt es nicht, ein Vergleichsportal aufzurufen. Dort fallen Billigtarife auf, hinter denen häufig Lockangebote stecken. In vielen Fällen erhöhen die Anbieter den scheinbar günstigen Preis nach kurzer Zeit. Häufig werden die Preise auch durch einen Bonus kleingerechnet. Wenn der Bonus nur für ein Jahr gilt, müssen Kund*innen danach meist deutlich mehr zahlen. 

Tricks rund um Bonus und Abschlagszahlungen

Beschwerden gibt es auch bei bestehenden Verträgen, zum Beispiel weil versprochene Bonuszahlungen vom Anbieter ausbleiben oder die monatlichen Abschlagszahlungen erhöht werden. Zu diesem Mittel griff der Energieanbieter BEV (Bayerische Energieversorgungsgesellschaft) vor Bekanntgabe seiner Insolvenz im Januar 2019. Betroffen waren auch Schleswig-Holsteiner*innen. Der Anbieter hatte höhere Abschlagszahlungen verlangt. Begründung: Der Netzbetreiber habe einen erhöhten Stromverbrauch für die betroffenen Haushalte gemeldet. „Das kann schon deshalb nicht stimmen, weil Netzbetreiber oft keinen Zugriff auf die Verbrauchsdaten der Stromkunden haben und in der Regel nicht mitten im Verbrauchsjahr ablesen“, erläutert Julia Buchweitz. „Hier liegt der Verdacht nahe, dass sich der Anbieter in finanzieller Schieflage mit den höheren Abschlägen schnell eine neue Einnahmequelle verschaffen wollte.“

Was Verbraucher*innen tun können

Bei einem Anbieterwechsel ist ein echter Preisvergleich nur möglich, wenn man Bonus-Angebote abzieht. Dabei ist der billigste Tarif nicht unbedingt der Beste. Ein funktionierender Kundenservice in der Nähe und der Energiemix spielen bei der Entscheidung eine ebenso wichtige Rolle. Wer unab-sichtlich einen Vertrag abgeschlossen hat, kann ihn mit einem Widerruf innerhalb von 14 Tagen rückgängig machen. Der sicherste Weg ist ein Brief als Einschreiben mit Rückschein. Bei Fragen und Problemen rund um Abschlagszahlungen, Preisänderungen, Anbieterinsolvenz und andere Themen bieten die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Unterstützung.
 

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.