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Klimaschutz: Verbraucherzentrale fordert Förderung und klare Vorgaben

Pressemitteilung vom

Verbraucher*innen in Schleswig-Holstein haben großes Interesse an energetischer Sanierung und suchen nach Möglichkeiten, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das zeigt die überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach Energieberatung im nördlichsten Bundesland. Doch viele sind verunsichert bei der Wahl von Sanierungsmaßnahmen und schieben Entscheidungen auf. Wo die Politik dringend nachbessern muss, erläutert Margrit Hintz, Leiterin der Energieberatung der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Energieberatung in Schleswig-Holstein

Energieberatung in Schleswig-Holstein

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Welche Rolle spielt die energetische Sanierung beim Klimaschutz?

Margrit Hintz:
„Haussanierung und Erneuerung des Heizungssystems sind entscheidend, um beim Klimaschutz voranzukommen und auch künftig die Energiekosten planbar zu halten. Private Haushalte verbrauchen rund drei Viertel ihrer gesamten Energie für das Heizen und nutzen dafür hauptsächlich Öl und Gas.  Hier schlummert ein gewaltiges Potential. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe und der Wärmebedarf müssen stark verringert werden, um die Klimaziele erreichen zu können. Möglich wird das durch bauliche Maßnahmen wie die Verstärkung der Wärmedämmung, Fensteraustausch oder Heizungserneuerung und Nutzung erneuerbarer Energien. Schon geringinvestive Maßnahmen wie Kerndämmung des im Norden üblichen zweischaligen Mauerwerks senken den Energieverbrauch deutlich. Der Austausch einer veralteten Heizung gegen ein modernes, optimiertes System bringt bis zu 30 Prozent Ersparnis.“

Wie sanierungsfreudig sind die Verbraucher*innen in Schleswig-Holstein?

Margrit Hintz:
„Das Interesse der Hauseigentümer und Bauherren ist groß. Mehr als 5.000 Schleswig-Holsteiner*innen haben unsere Energieberatung im vergangenen Jahr genutzt. Wenn nur diese Gruppe alle vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzt, werden dadurch bei uns im Norden rund 35.000 Tonnen CO2 weniger verbraucht. Trotzdem ist das nur ein Anfang, denn wir haben einen Sanierungsstau in den privaten Haushalten. Ein Beispiel: Rund 90 Prozent der Ölheizungen in Deutschland sind veraltet. Nach Erkenntnissen der Energieberatung der Verbraucherzentrale ist ein Großteil der Heizungsanlagen außerdem schlecht eingestellt und verschwendet kostbaren Brennstoff.“ 

Warum geht es mit der energetischen Sanierung so langsam voran, obwohl sich so viele Menschen dafür interessieren? Wirken die bestehenden Förderprogramme nicht?

Margrit Hintz:
„Die Fördermittel bewirken bisher viel zu wenig. Warum? Die Programme der KfW sind kompliziert, die Förderkonditionen ändern sich oft mehrfach, die Antragsformulare sind umfangreich und mitunter unverständlich. Teilweise lassen die Programme sogar die Klimaziele außer Acht, indem zum Beispiel noch Ölheizungen gefördert werden. Ein großer Teil der Hauseigentümer bevorzugt Zuschüsse statt Kredite. Schließlich versuchen Hausbanken, bei der Hausfinanzierung ihre eigenen Kredite zu verkaufen.“

Was wäre aus Ihrer Sicht sonst nötig, um die energetische Sanierung voran zu bringen?

Margrit Hintz:
„Das neue Klimapaket der Bundesregierung bedeutet zumindest in diesem Bereich einen Schritt in die richtige Richtung. So ist mit der steuerlichen Absetzbarkeit von energiesparenden Investitionen endlich eine jahrelange Forderung der Verbraucherzentrale erfüllt. Insbesondere ältere und schuldenfreie Haus- und Wohnungseigentümer wünschen sich das seit langem. Trotzdem gibt es noch vieles nachzubessern. So lange die politische Richtung und die gesetzlichen Vorgaben nicht eindeutig und klar sind, schieben Verbraucher*innen Entscheidungen für Sanierungsmaßnahmen auf. Wie eine klare politische Linie aussieht, machen unsere dänischen Nachbarn vor: Dort gibt es seit Jahren eine CO2-Bepreisung. Der Einbau von Öl- und Gasheizungen in Neubauten ist seit 2013 verboten. Seit 2016 dürfen Ölheizungen in bestehenden Gebäuden nicht mehr betrieben werden, wenn Fernwärme oder ein Erdgasanschluss zur Verfügung stehen. Der Anteil von Fernwärme liegt bei über 60 Prozent, mehr als die Hälfte davon stammt aus erneuerbaren Energien.

Zur Person
Margrit Hintz ist stellvertretender Vorstand der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Seit 32 Jahren ist sie bei der Verbraucherzentrale tätig und vertritt die Interessen der Verbraucher*innen im Bereich Energie. Sie ist verantwortlich für das Informations- und Beratungsangebot zu Energiethemen und für die Interessenvertretung der Verbraucher in vielen Bereichen.

Margrit Hintz, stellvertretender Vorstand der VZSH
 

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