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Versichert in Wohngemeinschaften

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Welche Versicherungen braucht eigentlich eine Wohngemeinschaft? Gelten für junge Leute, die - zum Beispiel zum Studieren - nicht gleich in eine eigene Wohnung ziehen, besondere Regeln? Die Antwort lautet: Jein.

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Von Katrin Rieger


Für alle gilt: Die finanzielle Absicherung gegen Risiken ist grundsätzlich wichtig. Und: Bei der Wahl der richtigen Versicherungen kommt es auf die persönlichen Gegebenheiten bzw. den individuellen Versicherungsbedarf an. Wichtig ist, den "größten anzunehmenden Unfall", also vor allem finanziell existenzbedrohende Risiken, abzusichern. Dazu gehören die Risiken Tod, Invalidität und Haftpflicht. Unsere Erfahrungen zeigen, dass viele Verbraucher, ob nun jung oder alt, falsch oder zu teuer versichert sind. Beim Durchforsten der Verträge stellen wir oft fest, dass auch Versicherungen abgeschlossen wurden, die im konkreten Einzelfall überflüssig oder nicht bedarfsgerecht sind.

Informationen zu Versicherungen für junge Familien und Berufsanfänger, Berufsunfähigkeitsversicherung für junge Menschen, Altersvorsorge für Berufsstarter und Kinderversicherungen haben wir in einer Flyerserie zusammengestellt, die Sie hier herunterladen können.

Für Hausratversicherungen und Haftpflichtversicherungen in Wohngemeinschaften gelten Besonderheiten

Eine Hausratversicherung braucht man immer dann, wenn der Ersatz vom Hausrat nach Beschädigung oder Zerstörung mit einer erheblichen finanziellen Belastung verbunden ist. Die Hausratversicherung ersetzt bis zur Höhe der vereinbarten Versicherungssumme bei Feuer, Einbruch, Diebstahl, Vandalismus, Explosion, Sturm oder Leitungswasserschäden alle Schäden an Gegenständen im Haushalt. Studenten und Auszubildende sind über die sogenannte Außenversicherung oft über die Hausratversicherung ihrer Eltern mitversichert, solange sie sich zur Ausbildung oder zum Studium an einem anderen Ort aufhalten. Allerdings gelten hier Obergrenzen von 10.000 oder auch 25.000 Euro für den Ersatz des Schadens. Fragen Sie also nach den genauen Bedingungen Ihrer Versicherung.

Wenn diese Summe nicht reicht oder ein eigener Hausstand gegründet wurde, kann der Abschluss einer eigenen Hausratversicherung interessant sein. Für WG-Mitbewohner gibt es nun verschiedene Möglichkeiten. Es ist möglich, eine Hausratversicherung nur für das eigene WG-Zimmer abzuschließen. Es kann aber auch sinnvoll sein, eine Hausratversicherung für die ganze WG abzuschließen. Hierbei ist wieder zu unterscheiden, ob alle Mieter Hauptmieter sind oder es nur einen Hauptmieter und mehrere Untermieter gibt.

Sind alle Mieter Hauptmieter, gibt es keine Probleme, denn der gesamte Hausstand ist versichert, egal, wem was gehört. Ein Mieter wird hierbei Vertragspartner, die anderen zahlen ihren Anteil an ihn. ACHTUNG: Wenn ein Mieterwechsel stattfindet, muss die Versicherung informiert und der Vertrag angepasst werden. Bei Vertragsschluss ist auch auf jeden Fall anzugeben, dass es sich um eine WG handelt! Problematischer ist es, wenn nur ein Mieter Hauptmieter ist und die Mitbewohner Untermieter sind. Bei manchen Policen sind Ansprüche von Untermietern nämlich vertraglich ausgeschlossen. Aber es gibt auch Anbieter, die in dieser Konstellation den gesamten Hausrat der WG in einem Vertrag versichern. Dabei sollte jeder WG-Mitbewohner in dem Vertrag aufgeführt werden.

Haftpflichtversicherung

Eine Haftpflichtversicherung ist unverzichtbar, da ein größerer Haftpflichtschaden mit Personenschäden in die Millionenhöhe gehen kann. Aber auch die kleineren Schäden, wenn man zum Beispiel das teure Smartphone eines Freundes ausversehen fallen lässt, sind wahrscheinlich für einen Studenten oder Auszubildenden nicht so einfach zu bezahlen. Zudem ist eine Haftpflichtversicherung nicht sehr teuer.

Diese Versicherung tritt ein, wenn der Versicherungsnehmer anderen schuldhaft einen Schaden zugefügt hat. Sie zahlt für alle Schäden, die fahrlässig oder sogar grob fahrlässig verursacht wurden. Mitversichert sind in der Familienversicherung neben dem Ehe-/ Lebenspartner die Kinder, solange sie sich in einer Schul- oder direkt daran anschließenden Berufsausbildung befinden. Kinder können bereits volljährig, dürfen aber noch nicht verheiratet sein. Junge Leute sind also während des ersten Studiums oder der ersten Ausbildung in der Haftpflichtversicherung ihrer Eltern mitversichert. Altersgrenzen sind zu beachten. Je nach Versicherung kann der Versicherungsschutz ab dem 27. oder dem 30. Lebensjahr enden.

In einer WG gelten auch in Bezug auf Haftpflichtversicherungen besondere Regeln. Eine Haftpflichtversicherung zahlt grundsätzlich, wenn der Versicherte Eigentum eines anderen beschädigt. Ausgeschlossen sind hier allerdings Familienangehörige, die im selben Haushalt leben, sowie Personen, die im selben Vertrag versichert sind. In einer WG sind die Bewohner in der Regel weder Angehörige (Achtung: hierzu zählen auch Lebensgefährten!) noch sind sie im selben Vertrag versichert, so dass sie grundsätzlich auch Ansprüche gegeneinander geltend machen können (Beispiel: Mitbewohner A lässt den Laptop von Mitbewohner B fallen). Problematischer ist es allerdings, wenn Gegenstände in der WG-Küche gemeinsam benutzt werden. Wenn sie auch dem Schädiger gehören, besteht kein Anspruch. Gehören sie nicht dem Schädiger, kommt es darauf an, wie der Schaden passiert. Ein Handy, das aus Versehen vom Tisch fällt, sollte mitversichert sein. Ein teures Küchengerät, das alle benutzen, eher nicht, da es sich um eine Leihe handelt, die meistens im Versicherungsvertrag ausgeschlossen ist. Auch hier sollte bei der Versicherung im speziellen Fall nachgefragt werden, insbesondere wenn ein Mieter über teure Gegenstände verfügt, die die anderen mitbenutzen.

Außerdem empfiehlt es sich besonders für Wohngemeinschaften darauf zu achten, dass Mietsachschäden und Schäden bei Gefälligkeitshandlungen mitversichert sind, da diese im Schadensfall zum Streit in der WG führen können.