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Energieversorger BEV: Preiserhöhung und einbehaltene Guthaben

Stand:

Verbraucher beschweren sich über die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV). Guthaben würden einbehalten, Preise drastisch erhöht und Preisgarantien missachtet. Wie Betroffene reagieren können, lesen Sie hier.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vermehrt beschweren sich Verbraucher über die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV), dass sie Boni und Guthaben nicht auszahle und die Preise erhöhe. Einige Kunden werden zudem aufgefordert, eine „einvernehmliche“ Preiserhöhung während der Laufzeit der Preisgarantie zu akzeptieren.
  • Wenn der Preis für Ihren Vertrag steigt, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können den Anbieter wechseln.
  • Behält der Versorger Ihr Guthaben ein, setzen Sie ihm schriftlich eine Frist zur Auszahlung Ihres Geldes. Wird diese nicht eingehalten, können Sie ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten.
Nahaufnahme eines Stromzählers.
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Drastische Preiserhöhungen

Die Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) erhöht ihre Preise in hohem Maße. Das teilen derzeit viele Kunden den Verbraucherzentralen in Beschwerden mit. So soll für einen Verbraucher in Zülpich (Nordrhein-Westfalen) der Grundpreis beim Strom von 6,23 auf 50,16 Euro im Monat steigen. Der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz liegt ein Schreiben vor, das die Steigerung des Grundpreises von 4 Euro monatlich auf 42 Euro im Monat ankündigt.

Generell haben Kunden bei Preisänderungen ein Sonderkündigungsrecht und sind nicht an die eigentliche Laufzeit ihres Vertrags gebunden. Aber Achtung: Falls Sie kündigen wollen, könnten Sie einen in Aussicht gestellten Bonus verlieren. Der ist oft an Bedingungen geknüpft – zum Beispiel eine bestimmte Laufzeit. Sie sollten sich daher ausrechnen, ob sich ein früherer Anbieterwechsel lohnt. Im Zweifel können Sie sich dazu in Ihrer nächst gelegenen Verbraucherzentrale beraten lassen.

Sie können der Erhöhung auch widersprechen, da die ab 01.02.2019 geforderten Preise nach unserer Ansicht nicht nach billigem Ermessen (§ 315 BGB) der Entwicklung der Kosten angepasst sein dürften.

Preiserhöhung während einer Preisgarantie

Auch eine vereinbarte  Preisgarantie hielt das Unternehmen nicht von der Ankündigung einer Erhöhungen ab. Nachdem Verbraucher widersprachen und auf ihre Preisgarantie verwiesen oder fristlos kündigten, verschickte das Unternehmen Briefe an Kunden, in denen es darum bittet, schon vor Ablauf der Preisgarantie einer Erhöhung "freiwillig" zuzustimmen. Der Knackpunkt: Will der Kunde das nicht, soll er sich offenbar bei BEV melden und der Erhöhung widersprechen.

Ausriss aus der Preisanpassung der BEV

Wenn Sie durch ein Schreiben der BEV zu einer „einvernehmlichen“ Preiserhöhung aufgefordert werden, hat Ihr Schweigen rechtlich keine Auswirkungen. Aufgrund dessen ist die BEV nach unserer Ansicht nämlich nicht berechtigt, den Abschlag während der Preisgarantie zu erhöhen. Dennoch raten wir Ihnen dazu, auf das Schreiben zu reagieren und auch der einvernehmlichen Preiserhöhung ausdrücklich zu widersprechen. Schreiben Sie dazu am besten einen Brief an

BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH
Nymphenburger Straße 154
80634 München

und schicken Sie ihn per Einschreiben ab.

BEV verweigert Annahme von Einschreiben

Auch darüber beschweren sich BEV-Kunden bei der Verbraucherzentrale NRW: Das Unternehmen sei per Fax nicht erreichbar und Einschreiben mit Rückschein werden offenbar nicht immer angenommen.

Bei einem Einschreiben mit Rückschein wird das Schreiben persönlich nur gegen Unterschrift übergeben. Wird die Unterschrift und damit die Annahme verweigert, wird das Schreiben zur Abholung hinterlegt. Holt der Adressat das Schreiben bewusst nicht ab, obwohl er die Möglichkeit dazu hatte, liegt eine Annahmeverweigerung vor. Das führt zu einer sogenannten "Annahmefiktion", so dass das Schreiben als zugegangen gilt.

Man kann anstelle des Einschreibens mit Rückschein auch das sogenannte Einwurf- Einschreiben wählen. Das Postunternehmen dokumentiert dann, dass das Schreiben in den Briefkasten oder das Postfach eingeworfen wurde. Der Vorteil ist, dass das Schreiben nicht persönlich entgegen genommen werden muss und die Annahme auf diese Weise nicht verweigert werden kann. Bewahren Sie zu Beweiszwecken den Einlieferungsbeleg und den ausgedruckten Auslieferungsbeleg auf. Belege über die Auslieferung finden Sie in der Sendungsverfolgung Ihres Einschreibens.

Die sicherste Methode, den Zugang und den Inhalt der Sendung gerichtsfest zu beweisen, ist eine Zustellung per Gerichtsvollzieher. Diese Zustellung ist jedoch in der Regel die zeitaufwendigste und teuerste von den genannten Zustellungsmöglichkeiten. Die Zustellung durch den Gerichtsvollzieher können Sie  über den Amtsgerichtsbezirk, in dem der Empfänger ansässig ist, für etwa 13-20 Euro in Auftrag geben.

 

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Verschiedene Boni mit verschiedenen Bedingungen

Der Bonus ist der Grund für weitere Verbraucherbeschwerden über BEV. Der Anbieter weigere sich, versprochene Boni auszuzahlen, berichten Verbraucher. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass BEV verschiedene Boni anbietet, deren Auszahlungsvoraussetzungen weder den AGB noch den uns vorliegenden Vertragsunterlagen klar zu entnehmen sind. 

Einbehaltene Guthaben

Auch über nicht erfolgte Auszahlungen von Guthaben beschweren sich Verbraucher. Energieversorger müssen Guthaben sofort auszahlen oder spätestens mit der nächsten Abschlagszahlung verrechnen. Das hat das Oberlandesgericht Düsseldorf im Dezember 2014 entschieden (Az. I-20 U 136/14). Die Verbraucherzentrale NRW hatte gegen Extra Energie GmbH geklagt. Der Grundsatz sofortiger Auszahlung sollte aber auch für die BEV gelten.
Haben Sie ein Guthaben in Ihrer Jahresrechnung oder Schlussrechnung, schreiben Sie einen Brief an BEV (am besten per Einschreiben, s.o.) und fordern die Gesellschaft zur Auszahlung des Guthabens innerhalb von 14 Tagen auf. Bekommen Sie bis zum genannten Datum Ihr Geld nicht, können Sie ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten. Auch bei Fragen zu einbehaltenem Guthaben können die Experten der Verbraucherzentrale persönlich helfen.

Zwischenabrechnung und unterjährige Erhöhung von Abschlägen

Das Unternehmen hatte bei einigen Kunden einen Mehrverbrauch behauptet, den der Netzbetreiber geschätzt habe. Auf dieser Grundlage wurden Zahlungen verlangt und Abschläge unterjährig erhöht. Vor diesem Vorgehen hatte Ende 2018 der Marktwächter Energie Niedersachsen gewarnt und ist dagegen vorgegangen. Bereits Ende 2017 haben die Marktwächter in Niedersachen die BEV erfolgreich wegen eines ähnlichen Vorfalls abgemahnt: Der Versorger hatte bei einigen Kunden mit einer Zwischenabrechnung die Abschläge erhöht und behauptet, es habe eine Ablesung des Netzstellenbetreibers gegeben. Diese gab es jedoch nicht. 

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Marktwächter Energie

Mit dem Projekt Marktwächter Energie beobachten und analysieren die Verbraucherzentralen den Energie-Markt aus Sicht der Verbraucher. Über ein Beschwerdeformular können Sie unseren Experten Ihre Probleme mit Heizkostenabrechnungen, dem Strom-, Gas- oder Fernwärmemarkt oder Beobachtungen zu aktuellen Entwicklungen melden.

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